Jon schreibt über: Sin City: A Dame to Kill For

Eine Eva Green (SKANDAL!), sie zu knechten. Der zweite Teil von Frank Millers Sin City ist in den deutschen Kinos angelaufen und versucht, hierzulande besser anzukommen als in den USA. Ich erkläre mir den Flop übrigens so: Ein Streifen für Erwachsene (= kleineres Publikum), Genre-Film, der erste Teil ist schon fast wieder eine Generation her und somit fehlt der nötige Bezug. Über die Qualität des Films sagt der kommerzielle Misserfolg hier nichts aus.

A Dame to Kill For behält das Muster des Storytellings des ersten Teils im Großen und Ganzen bei und baut wieder Episode für Episode in ein Gesamtkonzept ein. Angefangen bei Johnny (Joseph Gordon-Levitt), der als begnadeter Glücksspieler in Sin City den großen Wurf landen will, weitergemacht mit Dwight McCarthy (Josh Brolin), einem Auftragsfotografen, und aufgehört mit Marv (Mickey Rourke), dem Schlägertypen, vor dem alle zurückschrecken. Doch alle haben im Grunde das gleiche Ziel und denselben Feind: Senator Roark. Er unterdrückt Basin City mit eiserner Faust und schreckt vor keiner Gewalttätigkeit zurück, um seinen Standpunkt zu beweisen.

Als großer Fan des Film-Noir war es für mich optisch wieder ein Genuss, dem schwarz-weiß-gehaltenen Kunststück zu folgen. Die außergewöhnlichen Farbkontraste waren zwar im ersten Teil, meiner Meinung nach etwas drastischer gezeichnet (z.B. Yellow Bastard), doch auch hier wurden die Farben wieder toll eingesetzt. Beispielsweise wurden die Augen von Ava Lord (Eva Green) grün gezeichnet, was ihr etwas von einer Hexe verlieh. Das goldene Auge von Manute, das ihn in gewisser Weise als majestätische und unzerstörbare Maschine wirken lässt, und auch die gleißend leuchtenden Haare von Nancy Callaghan (Jessica Alba) bleiben einem im Gedächtnis und lassen keinen Zweifel daran, dass Rodriguez und Miller es verstehen, der Leinwand eine großartige Ästhetik einzuhauchen. Und auch die Musik war wieder extrem stimmig und passend. Der eingängige, durch den rhythmischen Takt vorantreibende Unterton, der sich durch den ganzen Film erstreckt, trägt dazu bei, dass der Film einen sehr kurzweiligen Eindruck erweckt, da man quasi auch musikalisch durch die Episoden und von einer zur nächsten getragen wird. Der Soundtrack ist variantenreich und vielfältig und reicht von rockigen Stücken („Skin City“ von Steven Tyler) bis zum elektronisch angehauchten Main Theme. Das alles trägt sehr positiv zur coolen Grundstimmung bei und beschert einen perfekten audio-visuellen Mix, für den es sich lohnt, ins Kino zu gehen.

Wer allerdings einen realistischen Thriller erhofft und alles bis ins Detail hinterfragt, ist bei Sin City fehl am Platz und sollte sich dem Tatort widmen. Natürlich sind einige Handlungsstränge etwas fadenscheinig erklärt und dienen teilweise dem Mittel zum Zweck. Doch Sin City hat sich genau dadurch einen Namen gemacht und ist dazu berechtigt Tatsachen aufzustellen, die gar keine sind. Realität und Traum verschieben sich, gehen auseinander und vermischen sich wieder. Kafkaeske Geschichten der Moderne. Sie sollen nicht wörtlich genommen werden, sondern Platz für Interpretationen schaffen. Wer in Johnny einen Glücksspiel-Superhelden sieht, lässt den Ball verhungern bevor er ins Tor rollt. Er ist ein naiver, junger Mann, dem das Glück hold ist und der enthusiastisch einem Ziel entgegensteuert, das vielleicht doch ein wenig zu überdimensional für ihn ist. Die Ermordung von Roark als Erlösung der Welt lässt eben viele Übermütige mit aufspringen.

Auch Jessica Alba als gefallener Engel, die ihr eigenes, durch Hartigan fest verankertes Weltbild durch dessen Tod entgleiten sieht und nun auf Rache sinnt, fällt in die Kategorie der charakterlichen Überzeichnung, hinter der mehr steckt als man im ersten Moment sieht. Und außerdem ist und war Jessica Alba das Highlight der filmischen Interpretation von Sin City. Wer hier auf eine Fehlbesetzung plädiert und bei der Selbstverstümmelung ihrerseits keinen Schmerz verspürt, dem ist nicht mehr zu helfen.

Die Action-Szenen lassen auch in A Dame to Kill For nicht zu wünschen übrig und im Laufe des Films fliegt so ziemlich jedes Körperteil einmal über den schwarzen Bildschirm. Übertrieben überzeichnete Action auf ein überzeichnet übertriebenes Drehbuch, das übrigens zu einem Drittel von William Monahan stammt, der schon für sein Skript für Departed einen Oscar gewann. Doch das macht eben Sin City aus und man hat Spaß daran, wie Marv Kleinganoven und Großganoven wie Ameisen zermalmt und den rauchenden, saufenden Beschützer von Nancy gibt. Wie ein wildes Tier bahnt er sich den Weg durch die Unterwelt.

Was man dem Film nun allerdings ankreiden kann, ist die etwas dünne Story, die nicht recht viel weiterreicht als bis zur Ausführung eines Racheplans, der ab und zu von einer Femme fatale oder einem übermächtigen Schläger durchkreuzt wird. Aber das ist, dank der niemals zur Ruhe kommenden Art des Erzählens, nicht wirklich störend. Die schwache Story weht dann übrigens auch vom Comic her und eine Aufpolierung durch Frank Miller selbst (schrieb auch das Drehbuch mit) wäre wohl sehr unrealistisch. Schade ist auch, dass Clive Owen als „neuer Dwight“ nicht erneut für die Rolle engagiert werden konnte und so ein aufmaskierter Josh Brolin herhalten musste. Aber das sind Peanuts. Der Film war natürlich auch nicht bahnbrechend bzw. erfand sich nicht neu und der Look scheint nach den Jahren natürlich schon ein wenig abgenutzt. Doch wie so oft zahlt sich Altbewährtes aus, solange man es nicht übertreibt mit der kommerziellen und medialen Ausbeutung.

 Sin City: A Dame to Kill For unterhielt mich bis auf ein paar kleinere Längen sehr gut und ich werde ihn mir auch ein zweites und drittes Mal anschauen. In diesem Fall überwiegt die Tatkraft der Optik und des Sounds, überdeckt die teilweise schwache Story, weil in Sin City andere Schwerpunkte gesetzt werden, die ich voll akzeptiere, da sie mir einfach gut gefallen. Er war schwächer als Teil 1, aber trotzdem noch ein guter Film, der vor Stars nur so strotzt. 7 gab er der Frau, für die es sich zu töten lohnt, in ihrer Stadt der Sünden.

 

Originaltitel: Sin City: A Dame to Kill For

Kinostart Deutschland: 18.09.2014

Regie: Robert Rodriguez, Frank Miller

Darsteller: Jessica Alba, Josh Brolin, Eva Green, Joseph Gordon-Levitt, Bruce Willis, Jamie Chung, Dennis Haysbert, Stacy Keach, Ray Liotta, Lady Gaga, Rosario Dawson, Mickey Rourke

nancy

 

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