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Willkommen bei dem privaten Filmblog von Jon, Schosch & Vali.

Schosch schreibt über: Dating Queen – Der Titel macht absolut keinen Sinn!

Judd Apatow (Produzent, Regisseur und Drehbuchautor) ist wohl nicht mehr in der Lage seine beiden Filmhits 40 Year-Old Virgin (2005) und Knocked Up (2007) jemals zu toppen. Er versucht es zwar immer wieder, mit mäßigem Erfolg, aber eine „neue“ Variante der immer gleichen Geschichte zu erzählen, ist wohl der falsche Weg. Auch mit seinem neusten Versuch Trainwreck (englischer Titel) hat er es „SPOILER“ wieder nicht geschafft einen Treffer zu landen, auch wenn diesmal Amy Schumer(Hauptrolle in Dating Queen) die Feder beim Drehbuch in der Hand hatte.

Amy (Amy Schumer) kifft, säuft und vögelt eigentlich nur die ganze Zeit und arbeitet in den Pausen ihrer ewigen Party in S’nuff, einen Männer-Magazin unter der Leitung von Dianna (Tlida Swinton). Also das High-Life mit allen first-world Problemen die man sich nur vorstellen kann. Doch das größte Problem was Amy hat ist, dass alle Männer immer eine Beziehung mit ihr eingehen wollen, doch sie das partu nicht kann. Doch dann passiert ihr das was jedem Party-Girl einmal passieren muss, sie verliebt sich und muss eine monogame Beziehung eingehen!

Hier mal der Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=QDAOKfI87iI

So erst mal nen richtigen miesen Witz:

Trainwreck“ is a trainwreck! Ja witzig oder?! Lustiger als dieser erstklassiger Schenkelklopfer wird ist nämlich Dating Queen auch nicht. Ja wenn wir schon beim Humor dieser „Komödie“ sind, dann machen wir da mal weiter, denn dieser ist schlicht und einfach faul, langweilig, flach, uninspiriert und meiner Meinung nach nicht vorhanden. Ich erkenne zwar wann eine humoristische Szene vorkommt, da der Film verdammt vorhersehbar ist, aber die sind keinen Moment lang witzig, geschweige denn unterhaltsam. Improvisierte „lustige“ Dialoge, Aussagen und Wörter werden von zwei oder mehr Charakteren aneinander gereiht und ergeben so einen Witz der sich dann auch noch über ein paar Minuten ziehen kann. Ab und zu gibt es nicht mal eine Pointe und der Witz ist dann nur „lustig“, weil es ein „kontroverser“ Dialog ist? Ich weiß es jedenfalls nicht! Und das wird dann heutzutage als HUMOR bezeichnet.

Diese komödiantischen goldenen Zeilen werden dann auch noch von schlecht entwickelten, ausdruckslosen und langweiligen Figuren vorgetragen. Beide Protagonisten (Amy Schumer und Bill Hader, der erst nach 20 Minuten Laufzeit das erste mal auftaucht) sind flache eindimensionale Hüllen, die die Dialoge und Aktionen eines 08/15 Drehbuches abarbeiten und dabei den Charme und die Ausstrahlung einer Kartoffel besitzen. Bill Hader ist zwar eine ausdrucksstärkere und „witzigere“ Kartoffel, doch eine Kartoffel ist und bleibt eine Kartoffel. Weitere Charaktere, die zu 50 % aus Cameos bestehen, kommen und gehen, und die die bleiben sind genauso flach und langweilig wie die beiden Hauptfiguren. Nebencharaktere dienen oft nur dazu die 124 minütige lange Geschichte „stetig“ voranzutreiben und zu einem Ende zu bringen. Zu lang und unterentwickelt ist der Film. Es fehlt einfach die Substanz bzw. eine gescheite Handlung um 124 Minuten recht zu fertigen, 90 Minuten hätten dem Film um einiges besser getan. Die Kameraarbeit ist wie eigentlich alles an dem Film einfach nur faul und langweilig. Sehr einfache Kamerastellungen werden die ganze Zeit verwendet und passen perfekt zu dem eh schon tristen Ton des Filmes, doch ACHTUNG es gibt genau eine „aufwendigere“ Kamerafahrt, die mir aufgefallen ist. Cred dafür!!

Das einzige im ganzen Film was mir gefallen hat, war Tilda Swinton, die das beste aus dem bescheidenen Drehbuch gemacht hat, was es hergab.

Judd Apatows Abwärtsspirale der Mittelmäßigkeit geht immer weiter und Trainwreck ist schlicht und einfach ein miserabler Film, der keine Daseinsberechtigung besitzt. Deswegen bekommt Dating Queen von mir 1 von 10 Schwulen-Witze von John Cena, aber wenigstens hat keiner mit Fäkalien hantiert. HAHAHA Humor!!

P.S.: Ich checks nicht! Soll der Titel sarkastisch sein, oder was?

Originaltitel: Trainwreck

Erscheinungsjahr: 2015

Regie: Judd Apatow

Darsteller: Amy Schumer, Bill Hader, Tilda Swinton, John Cena, LeBron James, Brie Larson

 

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Jon schreibt über: Jurassic World

Es war nur eine Frage der Zeit, bis die in die Gegenwart geholte Jura-Zeit wieder auf die Kinoleinwände projiziert werden würde. Eine solche Marke wird nie aussterben, auch wenn Steven Spielberg nicht mehr persönlich auf dem Regie-Stuhl sitzt. Die Kuh bzw. der Triceratops wird gemolken, bis er nur noch ein trockenes Fossil ist. Wie sich bei Jurassic World herausstellte, gab der hörnertragende Saurier nach einer fast 14-jährigen Pause mehr Milch als je zuvor.

Die Story besticht weder durch Glaubwürdigkeit, überraschende Wendungen, bahnbrechende charakterliche Entwicklungen, ausschließlich sinnvolle Neben- und Offscreenstorys noch durch absolut nachvollziehbare Handlungsweisen der Dinosaurier: Anfänglich wird man – wie in den ersten drei Jurassic Park-Teilen auch – in den Schauplatz eingeführt, auf dem sich Mensch und Dino in den nächsten zwei Stunden in den Haaren und Krallen haben werden. Erst ein riesiger Wassersaurier, der einen weißen Hai (wahrscheinlich Spielbergs einzige selbst beigetragene Idee in diesem Film) zum Frühstück verspeist, dann ein Chris Pratt als Alpha-Tier unter lauter Velociraptoren und schließlich die gefahrvolle Ankündigung eines selbstgezüchteten Dinosauriers mit einem Namen, dessen Übersetzung nur mit dem großen Latinum möglich ist: Indominus Rex. Die Geschichte ist um eine Familie gesponnen, deren beide Söhne sich nun mit der allzu beschäftigten Tante in der Jurassic World befinden. Sie geraten völlig unerwartet in Gefahr, der Indominus Rex bricht völlig unerwartet aus und Chris Pratt inklusive der heißen Tante müssen die beiden völlig unerwartet retten – eine derartig erfrischende Storyline ist völlig neuartig im Kino des 21. Jahrhunderts.

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Nun ein etwas ernsterer Tonfall, denn die katastrophalen Mängel in Jurassic World sind alles andere als lustig. Der Film hinterlässt ein Trümmerfeld, das aus halb angefangenen zwischenmenschlichen Krisen und abstrusen, ebenfalls nicht zu Ende gedachten Szenen mit den Dinosauriern besteht. Am Ende ist alles egal, was beispielsweise und vor allem im ersten Jurassic Park von Bedeutung war und was man an der Reihe so schätzte. Das bisherige Monster schlechthin – der Tyrannosaurus Rex – bekommt eine Retterrolle auf den Leib geschrieben und die normalerweise so triebgesteuert handelnden Velociraptoren haben nun einen menschlichen Anführer. Der klägliche Versuch der Autoren innovativ zu sein, gipfelt in einer völligen Absurdität, die nicht einmal durch das oft so nützliche „Hirn-Ausschalten“ ausgeglichen werden kann.

Lässt man die so verquer handelnden Monster mal Monster sein, so bleiben mindestens noch die menschlichen Akteure. Diese wurden vom Regisseur aus dem Regal mit der Aufschrift „Figuren und Konstellationen, die in jedem Actionfilm vorkommen“ entnommen. Und es wurden alle Schubladen mitsamt dem darin liegenden Staub gründlichst ausgeräumt. Da haben wir zuerst den „Helden“ – in diese Fall Chris Pratt als Owen. Er macht noch die solideste Figur von allen und fällt vor allem durch seine beschwichtigenden Gesten auf. Fehlen nur noch Peitsche und Fedora. „Die Gespielin des Helden“ füllt die Rolle der Claire aus. Sie sieht gut aus, legt ein tussihaftes Verhalten an den Tag und ist schlecht gekleidet für ein Abenteuer. Raffinierter Weise haben die Autoren eine direkte Verbindung von ihr zu den „Opfern“ in Jurassic World hergestellt: die jugendlichen Neffen von Claire namens Zach und Gray. Der eine ein High-School-Schüler, was man sofort deutlich machen musste, indem man ihm eine Freundin gab, die er sehr vermisst, und ihn ständig anderen Mädchen hinterhergaffen ließ. Der andere ein kleiner Freak, der sich mit der Materie, von der Gefahr ausgeht (in diesem Fall die Urzeit-Tiere), bestens auskennt. Dann gibt es noch kleinere Rollen wie den klassischen Nerd, die Krieger, den Tollpatschigen, den Neuling, die frühen Todesfälle und viele mehr. Doch zwei essentielle gibt es noch: „Den Bösewicht“ und „Das Monster“. Letzteres ist, wie bereits beschrieben, der Indominus Rex – ein Wolpertinger mit Killerinstinkt. Der Bösewicht wird von einem overactenden Vincent D’Onofrio (Pvt. Paula aus Full Metal Jacket) dargestellt. Er erkennt die Gefahrenlage und will mitsamt einer Söldnertruppe – natürlich barttragende Veteranen aus Afghanistan – ein klassisches „Fight Fire with Fire“ veranstalten. Zu den Söldnern sollte noch ergänzt werden: Das komplette Waffenspektrum muss abgedeckt sein (auch die gegen großen Saurier sehr nützlichen kleinen Handfeuerwaffen), doch nur einer besitzt die Bazooka, deren Effektivität gegen die Urzeit-Monster man doch wohl im Vorfeld erahnen könnte. Auch rennen sie alle mit kugelsicheren Westen herum, denn am meisten Gefahr geht von dem T-Rex mit der G-36 aus.

Des Weiteren ist der Film gespickt mit Szenen, die man gar nicht richtig einordnen kann, weil sie so lachhaft sind: Zum Beispiel beginnt der überaus nervige Gray aus dem Nichts, eine Geschichte zu erzählen, laut der er aufgrund einer langen Google-Recherche nicht daran zweifelt, dass sich ihre Eltern scheiden lassen werden. Sein Bruder beruhigt ihn damit, dass er nun je zweimal Geburtstag und Weihnachten feiern kann und der Käse ist gegessen. Eine zweites Beispiel ist der überaus ambitionierte Tatendrang des Park-Besitzers (im Übrigen der Quoten-Inder), der sich selbst einen Running-Gag zuschustert, denn er kann nämlich den Hubschrauber fliegen (Filmkundige wissen Bescheid). Auch der völlig überdrehte Weinkrampf von Claires Schwester via Handy ist so konfus und surreal, dass es wirklich wehtut. Die Liste solcher Kuriositäten ist lang und man wünscht sich, die „Autoren“ wechseln so schnell wie möglich ihren Beruf, bevor noch andere Filme von derartigem Unfug verunstaltet werden.

Die Effekte sind gut und die Dinosaurier sehen echt aus (wobei, woher weiß man das schon?). Doch wo Geld ist, da stimmt auch meistens die Optik. Die permanente Konversation der Schauspieler mit der Green-Screen kauft man Chris Pratt noch am meisten ab.

Mir sind die überwiegend positiven Bewertungen in der Presse ein absolutes Rätsel, denn wer – im Gegensatz zum Regisseur – noch einigermaßen bei klarem Verstand ist, kann dem Film allerhöchstens noch abgewinnen, dass er statt drei nur zwei Stunden seiner Lebenszeit in Anspruch nimmt. Man kann nicht einmal sagen „etwas für Augen und Ohren“, denn bahnbrechend ist dieses 3D-Abenteuer bei weitem nicht. Bis auf ein paar Eastereggs ein lieblos hingerotztes Stück Action, das vermutlich durch ein Referat eines Filmstudenten inspiriert wurde. Weil ich Dinosaurier an sich cool finde, brüllen gnädige 2 von 10 Tyrannosauri Reges in der Jurassic World, die eigentlich in der Kreide World leben sollten.

Originaltitel: Jurassic World

Kinostart Deutschland: 11.06.2015

Regie: Colin Trevorrow

Darsteller: Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Omar Sy, Judy Greer

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Schosch schreibt über: Kung Fury – 80er Style trifft auf den Kung-Führer

Hier der gesamte Film: https://www.youtube.com/watch?v=bS5P_LAqiVg

Nach Machete und A Hobo with a Shotgun kommt nach einer kurzen Verschnaufpause die nächste Verfilmung eines Trash-Trailers. Dieses mal aber durch die Hilfe von Kickstarter. Der Trailer zu Kung Fury versprach einen Film, der Over-the-top Action und stylischen 80er Look bieten soll. Die Laufzeit von Kung Fury beträgt nur 30 Minuten, ob das von den Machern gewollt ist oder ob ihnen das Geld ausging weiß ich nicht, aber jedenfalls sind 30 Minuten mal besser als nur ein 2 ½ minütiger Trailer, oder etwa doch nicht?

Aber zu erst der Inhalt: Der titelgebende Protagonist Kung Fury ist der beste Kung-Fu Kämpfer der Welt und zugleich Polizist in Miami. Als er herausfindet, dass Hitler (Kung-Führer) in Miami aufgetaucht ist, beschließt unser Held in die Zeit zurück zu gehen („hacken“) um Hitler in Nazi-Deutschland zu vernichten. Doch dann wird er versehentlich in die Wikinger-Zeit zurück geschickt. Doch wie kann er von dort aus Hitler platt machen?! Joa das ist so mal die Story. Klingt dumm, ist auch verdammt dumm. Man erkennt schon meine etwas nicht so positive Haltung gegenüber Kung Fury, die meiner Meinung an folgenden Punkten liegt: Vorn herein ist die Gesamtidee echt witzig und wunderbar verrückt (ich fand den Triceracop echt gut!), wenn es nur in Schnipseln gezeigt wird, aber sobald man eine Geschichte darum baut wird es zu einem rießigem Spoof-Film aller Scary Movie 1-4, Movie 43 und etwaigem Rotz. Die konstante Verwendung von CGI ist zwar dem Stiel schuldig, aber ab und an könnte man auf die VHS-Effekte und anderen visuellen „Fehlern“ verzichten. Kung Fury ist vollgepackt mit 80er Hommagen und es kommt einem so vor als hätten die Macher einfach eine 80er-Liste abgearbeitet. Viele Witze wirken erzwungen und nicht natürlich, so wie oben schon erwähnt (Spoof-Film), dass sie teilweise den Film für mich kaputt gemacht haben.

Doch jetzt mal Butter bei den Fischen. Man sollte Kung Fury nicht zu ernst nehmen und für 30 Minuten ist der Film eine echt verdammt gute Zeitverschwendung. Man bekommt genau das, was man von Kung Fury erwartet hat: Schlechte One-Liner(„Let me get your spine! It holds you(r) back), mieses aber passendes CGI, Over-the-top Action, Laser-Raptoren, Kung Fu, Elektromusik, Dialoge aus der Hölle und natürlich David Hasselhoff! Trash vom feinsten! Aus dieses oben genannten Gründen bekommt Kung Fury von mir 6 von 10 klobigen Arcade-Robotern.

Anmerkung von Vali:

Wenn du etwas richtig gemacht haben willst, musst du es selbst machen!“ trifft gerade ziemlich gut zu, Schosch hat nämlich keine Ahnung! (nichts für ungut Georg, haha). Denn noch nie (das ist eine Lüge) waren wir uns sowas von einig, uns uneinig zu sein: Meiner Meinung nach ist Kung Fury eine herrlich sinnbefreite 30minütige Unterhaltung, welche in keinerlei Hinsicht enttäuscht.

Nach dem großartigen Kickstarter-Trailer war meine Vorfreude groß, ein Trash-Feuerwerk auf alte Schule getrimmt zu erleben. Nicht mehr und nicht weniger hab ich bekommen. Den Inhalt hat der liebe Georg oben schon zusammengefasst, deswegen spar ich mir das hier ein zweites Mal. Kung Fury ist sich seinem vollen Trash-Potential vollkommen bewusst und nutzt dieses Wissen vorbildlich zu seinem eigenen Vorteil. An allen Ecken & Enden begegnen uns One-Liner und schlechte Sprüche a lá Arnold Schwarzenegger, bei denen selbst der titelgebende Protagonist merklich zusammenzuckt. Die Effekte wirken trotz „auf schlecht getrimmt“ und übermäßigem CGI professioneller als in so mancher Hollywood-Produktion und fügen sich einwandfrei in das anarchische Geschehen ein. Ebenso erleidet der – seien wir mal ehrlich – eine Witz auf dem Kung Fury basiert durch seine kompakte Dauer von 30 Minuten keinerlei Ermüdungserscheinungen und ist genau dann vorbei, wenn es auch mal wieder gut ist. (Du bist gemeint, Wolf Cop! Anmerkung von Schosch: Damn you Wolf Cop!)

Wer sich also gerne mal seichterer und sinnbefreiter Unterhaltung für eine halbe Stunde widmen möchte, ist bei Kung Fury genau richtig. Dementsprechend finde ich nahezu keine Kritikpunkte an dem Film und kann ihm guten Gewissens eine Wertung von 9 von 10 Laser-Raptoren verpassen.

Hier noch der viel coolere Link von Vali: https://youtu.be/bS5P_LAqiVg

Originaltitel: Kung Fury

Erscheinungsjahr: 2015

Regie: David Sandberg

Darsteller: Andreas Cahling, David Hasselhoff

 

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Vali schreibt über Mad Max: Fury Road – Durch meine Taten ehre ich ihn: V8!

36 lange Jahre nach dem Reihenerstling feiert Australiens berühmt-berüchtigster Wahnsinniger seine Rückkehr auf die große Leinwand – und auf die Fury Road. Nach zahlreichen fantastischen Trailern (die ich mir in den letzten Monaten oft und öfter angeguckt habe) wuchs meine Vorfreude gleichermaßen wie meine Befürchtung, von einer mittelmäßigen Neuauflage einer ikonischen Filmreihe enttäuscht zu werden. Mit gutem Gewissen kann ich jeden Action-Enthusiasten sowie Fan der alten Film-Schule nahelegen: Fury Road ist der innovativste sowie unterhaltsamste moderne Action-Thriller seit The Raid und Dredd! Komplette zwei Stunden über ereignet sich die wahrscheinlich größte Materialschlacht auf dem großen Bildschirm seit Pearl Harbor – kommt dabei aber konsequent ohne CGI oder Effekthascherei aus. Novum in der Reihe ist der neue „Haupt“-Darsteller Tom Hardy, der dieses Mal anstatt Mel Gibson Platz hinter dem Steuer des Interceptor Platz nimmt. Gegen/An seine(r) Seite beweist sich X-Men-Jüngling Nicholas Hoult in seiner wohl bist jetzt gleichzeitig interessantesten sowie abgefahrensten Rolle. Was man dem Film möglicherweise ankreiden könnte, dass der Titel nicht Imperator Furiosa: Fury Road heißt, den jene Dame (großartig gespielt von Charlize Theron) steht eindeutig etwas mehr im Vordergrund, als der eigentliche Protagonist. Doch das könnte man beinahe über jeden Charakter der Wüsten-Spritztour behaupten: Egal ob der Darth Vader-eske Gegenspieler namens Immortan Joe (gespielt von Hugh Keays-Byrne, Antagonist Toecutter aus dem ersten Mad Max) oder eine der Augenweiden, um die sich der ganze Trouble dreht, jeder erzählt eine persönliche Geschichte. Dies wird entweder subtil durch das äußere Erscheinungsbild der jeweiligen Figur suggeriert ober durch Taten sowie Worte vermittelt. Selbiges kann man im Übrigen über die komplexe Hierarchie der Fury Road-Gegenspieler sagen (aber aus Spoiler-Gründen möchte ich hier nicht ins Detail gehen): Beinahe an jeder Ecke findet man eine logische Erklärung hinter dem ganzen Geschehen. Dementsprechend hat man nie die das Gefühl, dass es sich in dem Film um austauschbare Statisten oder sinn- & zwecklose Begebenheiten handelt, wovon sich der ein oder andere Regisseur gerne mal eine Scheibe abschneiden könnte. Denn in der postapokalyptischen Wüste scheint der titelgebende Mad Max im Gegensatz zu flammenwerfende Gitarrenspieler und lebensmüden War Boys im Punkt Geistesverwirrtheit beinahe etwas abzufallen.

Besonders der Look konnte auf ganzer Linie überzeugen: Zwei Farben dominieren das komplette Geschehen von Fury Road– Orange und Blau. Während tagsüber die Sonne sämtliche Gemüter erhitzt wechselt es nachts zu einer beinahe Mondlandschaft-artige Oberfläche. So wird selbst das Wüstensetting nicht langweilig, durch welche 2000PS-starke Kriegsmaschinen heizen. Die (bereits auf Charaktere bezogene erwähnte) Detailverliebtheit macht auch vor jenen Fahrzeugen nicht Halt. Wenn ein eingeschlagener Rückspiegel notdürftig durch Panzertape und Handspiegel zusammengehalten wird, schlägt jedes Fanboy-Herz höher. Lediglich Lederrüstung und den Interceptor könnte man ein wenig vermissen – aber das ist Jammern auf hohem Niveau…

Mad Max: Fury Road ist jetzt schon mein Highlight des Jahres, was möglicherweise nur noch von Star Wars: The Force Awakens oder The Hateful Eight streitig gemacht werden könnte. Blutbeutel, seid meine Zeugen: Fury Road erhält von mir 9 von 10 Gallonen Benzin – wie vereinbart – auf Chrom und Glanz vor den Toren vor Valhalla!

SlitOriginaltitel: Mad Max: Fury Road

Kinostart Deutschland: 14.05.2015

Regie: George Miller

Darsteller: Tom Hardy, Charlize Theron, Nicholas Hoult, Hugh Keays-Byrne

Schosch schreibt über: Die TOTALE Erinnerung -Total Recall – See you at the party, Richter!

Eigentlich sollte ich mich ja aktuelleren Filmen widmen, aber diese Perle der 90er und des Sci-Fi Genres will ich niemanden vorenthalten. Wahrscheinlich kennen die meisten eh nur das total miese Remake von 2012 mit Colin Farrell (die waren da nicht mal auf dem MARS!!) oder nur die oft zitierten verbalen Ergüssen von Schwarzenegger, jedenfalls wer Total Recall (1990) noch nicht gesehen hat, sollte dies schleunigst nachholen (am besten nicht allein und mit gekühlten alkohol- und kohlensäurehaltiges Getränken). So hier mal meine Meinung dazu und wie „gewohnt“ erst mal der Inhalt:

In ferner Zukunft führt der Bauarbeiter Douglas Quaid (Arnold Schwarzenegger) ein zufriedenes Leben mit seiner Ehefrau Lori (Sharon Stone). Nur seine immer wiederkehrenden Albträume vom Planeten Mars quälen ihn und so entschließt er sich zu einer virtuellen Reise auf den Roten Planeten, die er dank des Traumurlaub-Anbieters Rekall Incorporated bequem von der Erde aus vornehmen kann. Doch bei der Erinnerungsimplantation geht etwas schief und Quaids Leben ändert sich radikal.

Paul Verhoeven (RoboCop) hat mit Total Recall einen der unterhaltsamsten, brutalsten und intelligentesten Film der 90er Jahre geschaffen. Wer hier nicht an Inception erinnert wird, hat wohl den tieferen Sinn der Geschichte nicht ganz verstanden und sollte ihn noch einmal anschauen. DO IT!

Hier die Story in drei kurzen Sätzen: So gut! So verdammt gut! Wait, what?!

Gute Action-Filme sind heutzutage ja eher selten (außer natürlich Fury Road,Raid 1-2 und Dredd), aber Total Recall war seiner Zeit und ist immer noch ein verdammt guter Action-Film. Gewalttätig, schnell und ohne Gnade. Arni vermöbelt mit seinen aufgepumpten Bizeps die Schurken und lässt dabei einen lockeren Spruch nach dem anderen vom Stapel. Action Sequenzen gibt’s am laufenden Band und wird in eine wirklich gut durchdachte und interessante Geschichte verpackt.

Die praktischen Effekte sind Sahne auf der leicht trashigen Gesamtstimmung des Total Recall Universums.

Hier eine Ode an eine Zeit vor meiner Zeit:(*Räusper) Ich sehen mich an danach, als nicht jeder Frame im Computer gemacht wurde zurück. Eine Zeit fast ohne Greenscreen, mit Gegenständen, die wirklich da waren und Substanz haben. Damals wurde gebaut, gehämmert, geschliffen, gestrichen usw. und nicht gerendert. FERTIG!

Hab´s wohl nicht so ganz mit Oden.

Weiter im Text: Overactinig ist ein Muss und ist auch noch vollkommen legitim. Der restliche Cast macht ihren Job sehr passabel und nachvollziehbar. Viele Kritiker sagen ja, dass der Film viel besser ohne Arnold Schwarzenegger wäre, aber für mich ist es der aufgepumpte, over the top Action-Comedy Star, den dieser Film damals und auch noch heute gebraucht hat. Bei niemand anderem könnte man die erstklassigen Sprüche und spektakulären Actionszenen so nachvollziehbar verzeihen wie bei Arni.

Wenn wir schon bei den verbalen Ausschreitungen sind, davon gibt es genügend. Hier mal

meine Top 5:

Platz 5: „ No shit(?)“

Platz 4: „ See you at the party, Richter!“

Platz 3: „ Look, who´s talking!?.“

Platz 2: „Consider that a divorce!“

Platz 1: „COME ON, COHAAGEN! GIVE THESE PEOPLE AIR!

Total Recall ist einfach nur ein verdammt guter und interessanter Actionfilm und ich hoffe, dass solche Filme wieder einmal ins Kino kommen. Man darf ja noch träumen. Jedenfalls erhält Total Recall von mir 8 von 10 geplatzten Augen und see you at the party, Richter! And get your ass to Mars!!

 

Originaltitel: Total Recall

Erscheinungsdatum: 1990

Regie: Paul Verhoeven

Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Sharon Stone, Ronny Cox, Dean Norris

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Jon schreibt über: Avengers 2: Age of Ultron

Bei all den Marvel-Verfilmungen in letzter Zeit ist es wirklich schwierig, den Überblick zu bewahren. Nach dem letztjährigen The Guardians of the Galaxy kommt nun mit Avengers: Age of Ultron der nächste Superheldenverband in die Kinos. Die Regie übernahm wieder Joss Whedon, der bereits den ersten Teil realisierte und die Kult-Serie Firefly zu Beginn der 2000er erschuf. Mit einem Budget von unfassbaren 280 Mio. $ wurde am 24. April 2015 ein Blockbuster auf die Leinwand gebracht, wie es ihn noch nicht so oft gegeben hat.

Grundsätzlich kam, was kommen musste: Ein CGI-Spektakel mit bahnbrechenden, nicht enden wollenden Action-Sequenzen, welche die Handlung fast verdrängten. Doch gerade weil dies der erste Avengers-Film von 2012 so gut hinbekam, konnte man eigentlich hoffen, dass der Nachfolger mindestens genauso gut die Balance zwischen Actionlastigkeit/Unterhaltungswert und Ernsthaftigkeit/relativer Glaubwürdigkeit (soweit das bei einer Comic-Verfilmung möglich ist) halten kann.

Die Handlung von Avengers 2 findet fast zeitgleich zu der ersten Staffel der neuen Netflix-Serie Daredevil (bis Folge 10 eine durchaus empfehlenswert) und zur 2. Staffel von Agents of S.H.I.E.L.D. statt und knüpft an die Ereignisse aus Thor 2 und Captain America 2 an. Die Avengers kämpfen in bester Manier für das Gute in der Welt und verstehen sich am Anfang des Films noch prächtig bei wilden Verfolgungsjagden und Kloppereien. Das ändert sich, als sie eine Hydra-Station, unter der Leitung von Baron von Strucker, einnehmen und von den Zwillingen Quicksilver und Scarlett Witch attackiert werden. Diese sind im Marvel-Universum übrigens X-Men und haben Magneto himself als Vater. Die beiden haben aber nicht halb so viel Charme wie Michael Fassbender (er spielt Magneto in den neuen X-Men Filmen) und verspielen dann endgültig ihre Karten, indem sie sogar untereinander in gebrochenem Deutsch miteinander kommunizieren. Aufgrund der Enttarnung der Hydra-Organisation entscheidet sich Tony Stark – wer sonst – eine künstliche Intelligenz zu schaffen, welche die Erde vor jeglicher Bedrohung schützen soll. Dieses Programm macht sich jedoch selbstständig und so entsteht auch schon der neue Bösewicht mit dem aufreizenden Namen Ultron.

Die 141 Minuten vergehen wieder wie im Flug und man verliert bei der Actionlastigkeit wieder jegliches Zeitgefühl. Trotz alledem hat man über Strecken das Gefühl, dass sich eine Langatmigkeit einstellt. Dies ist zum Beispiel vor dem Endkampf der Fall, als die Avengers bei Hawkeye und seiner Frau unterkommen können. Diese Farm-Episode ist mit der zweiten Staffel Walking Dead zu vergleichen, da auch hier seltsame Dinge passieren, die dem Story-Verlauf nicht weiterhelfen und unnötig in die Länge ziehen. Auch sind in der Story ganz seltsame Tatsachen verankert, wie zum Beispiel das Internetzentrum in Oslo. Aber das sei mal dahingestellt.

Die Leichtigkeit und Spritzigkeit ist etwas verloren gegangen. Betrachtet man beispielsweise die höchstamüsante Szene aus dem ersten Avengers-Film, in der Hulk den Halbgott Loki einfach mehrmals in den Boden schleudert, muss man erkennen, dass es solche Szenen im zweiten Teil fast nicht mehr gibt. Am nächsten kommt da noch die Szene, in der Iron Man mit seinem Hulkbuster-Anzug den Hulk bekämpft. Die wirklichen Lacher werden nur durch unfreiwillige Komik verursacht. Beispielsweise der „Plottwist“, in dem offenbar wird, dass Hawkeye (sowieso schon eine unfreiwillig komische Figur) Frau und Kinder zu Hause hat. Diese Farce des Story-Tellings gipfelt in einem Gespräch zwischen ihm und seiner Frau, das ausschließlich aus leeren Worthülsen besteht – da hat der neue Terminator-Trailer ähnlich viel Tiefe. Wenn ein Ehegespräch so aussieht, ist das entweder die beste Ehe der Welt oder einer der beiden ist ein Superheld. Eine völlig aus der Luft gegriffene Liebesgeschichte, die nur gerechtfertigt gewesen wäre, wenn Jeremy Renner den Film-Tod hätte sterben müssen. Insgesamt könnte man sich eine bessere Charakter-Zeichnung von den kleineren Rollen erwarten, da ja alle auf einer Comic-Vorlage basieren und deshalb schon generiert sind. Die Maximoff-Geschwister werden mit ihrem Akzent verdorben und auch deren Schicksal geht am Ende nicht wirklich nahe. Scarlett Witch hat undefinierbare Fähigkeiten bzw. kann einfach alles. Quicksilver ist nicht nur schnell, sondern auch stark, denn sämtliche Gegner fliegen nur so durch die Luft. Auch Scarlett Johansson ging völlig unter in ihrer Rolle, da Black Widow – im Grunde wie Hawkeye – im Gegensatz zu den anderen Superhelden (Extrembeispiel Vision) aufgrund mangelnder Superkräfte einfach verblasst.

Das wirkliche Highlight des Films war abseits der Action-Szenen angesiedelt: Die Party, in der unter anderem die Avengers versuchen, Thors Hammer hochzuheben. Auch Don Cheadle als War Machine darf in dieser Szene seine humoristischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Doch auch der Partycrasher Ultron ist nicht von schlechten Eltern und hat seine Momente, wenn es um Unberechenbarkeit und Situationskomik geht.

Joss Whedon scheint mit Age of Ultron seinen kreativen Zenith mehr als überschritten zu haben, dementsprechend ist es möglicherwiese gar nicht mal so verkehrt, dass das Avengers-Zepter weitergereicht wird. Auch wenn die Verpflichtung der Russo-Brüder für das Avengers-Flaggschiff nach einem mehr oder weniger überzeugendem Spionage-Thriller etwas gewagt ist. Avengers: Age of Ultron kann nicht erfüllen, was er versprochen hat. Er bleibt hinter den Erwartungen zurück und muss sich hinter Guardians of the Galaxy und dem ersten Avengers anstellen. Die storytechnischen und charakterlichen Schlampereien und die fehlende Spritzigkeit zwingen mich zu folgender Wertung: 6 von 10 blondierte, Hummel-Sportanzüge tragende Russen mit Hang zur slawischen Dialekterhaltung im internationalen Kino.

Originaltitel: Avengers: Age of Ultron

Kinostart Deutschland: 24.04.2015

Regie: Joss Whedon

Darsteller: Robert Downey Jr., Mark Ruffalo, Scarlett Johansson, Chris Hemsworth

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Vali schreibt über Chappie – Der Die Antwoord-Film

Jaja, ich weiß: Hätte hätte Fahrradkette… Aber hätte Neill Blomkamp 2009 sein (Kinofilm-)Regiedebüt District 9 nicht so verdammt eindrucksvoll inszeniert, würde meine Chappie-Kritik möglicherweise(!) etwas positiver ausfallen. Doch eins nach dem anderen, worum geht’s in Chappie überhaupt?

Der junge Ingenieur Deon Wilson (Slumdog Millionaire-Dev Patel) revolutionierte die staatliche Sicherheit von Johannesburg über Nacht. Anstatt menschlicher Polizisten patrouillieren die mechanischen Sicherheitskräfte „Scouts“ die Ghettos der Metropole und schaffen es die Kriminalitätsrate auf ein Rekordtief einzudämmen. Alle sind begeistert, alle kaufen Scouts – zumindest alle bis auf Arbeitskollege und Hobby-Choleriker Hugh Jackman. Selbiger sieht sich nun nämlich mit seinem persönlichen Misserfolg „Moose“ – einer von Piloten gesteuerte Kampfdrohne / der feuchte Traum eines jeden Japaners – konfrontiert und plant seine persönliche Vendetta gegen Deon. In der Zwischenzeit stibitzt Deon ein Scout-Auslaufmodell um hinter dem Rücken seiner Chefin (Sigourney Weaver) eine eigens kreierte künstliche Intelligenz zu installieren. Auf seinem Heimweg wird Deon jedoch von den Kleinkriminellen Ninja (=Ninja) und Yolandi (=Yolandi) entführt. Unwichtiges Nebengeplänkel später ist Chappie geboren – welcher im Übrigen vom großartigen Sharlto Copley synchronisiert sowie gespielt wurde, was in der grottigen deutschen Synchronisation komplett flöten geht. So sehen sich die Möchtegern-Gangster von Die Antwoord mit der Erziehung eines künstlichen kleinen Kindes konfrontiert, welche von den polarisierenden Vorstellungen eines angemessenen Umgangs maßgeblich beeinflusst wird. Am Schluss geben sich übrigens Chappie und Moose hart aufs Fressbrett, aber das kann man sich ja mal sowas von denken, sobald das Ungetüm das erste Mal erwähnt wird…

Ich würde lügen zu behaupten, dass ich mit Chappie keinen Spaß hatte. Vor allem die Abschnitte mit Die Antwoord, welche einfach nur unglaublich surrealistisch und gleichzeitig überzogen auffallen, unterhielten. Dementsprechend passend wirkt der Soundtrack, den die südafrikanische Band größtenteils zu dem Geschehen beisteuert. Auch Chappies eigener persönlicher Werdegang wirkt authentisch sowie lebensnahe, wenn er sich beispielsweise zwischen Deons moralischen Vorstellungen und Ninjas desillusioniertem Überlebensstil hin- und hergerissen fühlt. Leider lässt genau dieser Aspekt bei sämtlichen anderen Figuren komplett zu wünschen übrig: Sigourney Weaver sehen wir (großzügig geschätzt) vielleicht 2 Minuten auf der großen Leinwand, sämtliche anderen Charaktere bleiben von sowas wie einer persönlichen Entwicklung komplett verschont. Yolandi ist die fürsorgliche Mutter, Ninja der strenge Vater, Deon eine übergeordnete Moralinstanz und Antagonist Hippo (keineAhnungvonwemgespielt) ist dermaßen konsequent angepisst, dass er bei sämtlichen Auftritten nur rumschreien und Leute abknallen kann (der arme Mann…). Den einzigen Hoffnungsschimmer dieser Scharade stellt dort immer noch Hugh Jackman dar, der zwar genauso blass wie seine Kollegen ausfällt, aber immerhin unterhaltsam seinen psychotischen Vokuhila-tragenden Choleriker spielt, dass man ihn nur dafür bewundern kann wie viel er aus einem nahezu nicht-vorhandenem Charakter ausschöpfen konnte.

Die durchschnittliche Story wird jedoch nicht nur von schwachen Persönlichkeiten, sondern sogar gleichzeitig von unzähligen Logiklöchern aus der Hölle getragen. Wenn Deons Firma beispielsweise über keine nennenswerte Sicherheitsvorkehrungen bis auf einen muskelbepackten Hugh Jackman zurückgreifen kann, wundert es mich nicht dass sämtliche Kriminellen in Johannesburg agieren, wie es ihnen beliebt! Versteht mich nicht falsch: Ich würde mich auf keinen Fall mit Vincent anlegen, aber es gibt ja Leute da draußen, welche ein wenig mutiger und/oder verrückter sind wie ich…

Nichtsdestotrotz kann ein Film nicht auf einem maroden Fundament bestehen und ob ich meinen Frieden mit dem absolut absurden Ende schließen kann, werde ich erst nach einer einwöchigen Meditation unter Die Antwoord-Beschallung feststellen können. Insgesamt betrachtet rate ich jedem, mit nicht allzu großen Erwartungen an den Film heranzugehen, da man ansonsten nur enttäuscht werden kann. Immerhin hat Blomkamp nicht ganz so tief wie bei Elysium ins Klo gegriffen, völlig sauber kommt sein Arm aus der Angelegenheit aber auch nicht raus. Dementsprechend erhält Chappie 3 von 10 Roboter-Fistbumps plus einen unbeabsichtigten Bonus-Trashpunkt. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass Blomkamp Alien 5 nicht in den Sand setzt, im Weltall hört uns nämlich niemand schreien…

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Originaltitel: Chappie

Kinostart Deutschland: 4. März 2015

Regie: Neill Blomkamp

Darsteller: Sharlto Copley, Hugh Jackman, Yolandi Visser