Archiv für den Monat September 2014

Schosch schreibt über: Hercules -The Rock kloppt die Bösen?

Wie angekündigt, schreib ich über den zweiten Herkules-Film in diesem Jahr. Hercules gehört somit in die Kategorie „Stief-Zwillinge“, ein von einem GameOne-Plauschangriff
etablierter Begriff, der zwei oder mehrere Filme bezeichnet, die im gleichen Jahr erschienen sind und die gleiche Grundhandlung haben.
Ein Beispiel der letzten Jahren ist Snow White and the Huntsman und Spieglein Spieglein oder eines der bekannteren wäre Armageddon und Deep Impact.

Der Film ist nicht so, wie ihn sein Trailer verkaufen will.

Dwayne „ich will nicht mehr The Rock genannt werden“ Johnson spielt den titelgebenden Herkules, der mit seinen fröhlichen Kumpanen – ein spartanischer Messerwerfer, eine Amazonenbogenschützin, ein stummer Axtberserker, ein Seher und dessen Geschichten erzählender Cousin – durch Griechenland streift, um als Söldner Geld zu verdienen.
Obwohl jeder seiner Kumpanen ein erfahrener Kämpfer ist und die Gegner reihenweise niedermähen können, ist das wichtigste Mitglied seiner Truppe, sein Cousin Iolaus (Reece Ritchie), der geschickt die Heldentaten von Herkules so erzählt/verkauft, dass jeder Feind vor Ehrfurcht erstarrt. Jedenfalls wird die Herkules-Truppe von dem König Cotys (John Hurt) beauftragt, ihm im Kampf gegen eine Rebellenarmee zu helfen, die von Zentauren angeführt wird. Mit gemischten Gefühlen nimmt Herkules den Auftrag an.

Regisseur Bratt Ratner (Rush Hour, X-Men 3) hat sich an eine weitere Comicverfilmung gewagt und schafft es mit Hercules gutes Popcornkino, aber keinen guten Film abzuliefern.
Ich kenne die Comicvorlage „Hercules: The Thracian Wars“ nicht, daher gibt es keinen Vergleich von mir zwischen Film und Comic.
Man kann in Hercules zwar keine wirklich bemerkenswerte Actionszene erkennen, außer vielleicht als er das Pferd umwarf. Aber trotzdem war die Action durch die Bank solide und gut inszeniert. Man kann ja nicht das krasse 300-Zeug machen, wenn der Film nur ab 12 freigegeben ist. Die mehr oder weniger spannende Action wird hin und wieder von einem „lustigen“ Spruch der Protagonisten aufgelockert, der witzig sein sollte, es aber leider nicht ist.
Die einzige Person, die in Hercules auf komödiantische Weise unterhalten kann, ist der stets allwissende Seher (Ian McShane).

Der Cast wird von einem sehr sympathischen Dwayne „ früherer Wrestler The Rock“ Johnson getragen, der einen passenden Herkules mimt und ihn glaubwürdig (und mit nem FETTEN VOLLBART) darstellt. Leider wirkt aber die ganze Herkules-Truppe sehr blass und einfallslos, eben bis auf die Figur von Ian McShane. Wenn man auf Charaktertiefe und Charakterentwicklung hofft, ist man bei der Truppe jedoch fehl am Platz.
Die 08/15 Story ist nach 90 Minuten vorbei, hat aber einen mehr oder weniger unerwarteten Twist, den ich jedenfalls nicht kommen gesehen habe (liegt wohl an meiner guten Aufmerksamkeitsspanne).
Jedenfalls wird man den ganzen Film gut unterhalten, wenn man sich nur von den Actioneinlagen von Dwayne Johnson und der müden Story berieseln lässt.

Gibt es nun den Halbgott Herkules oder ist er nur ein Schwindler?
Das bemerkenswerteste an Hercules ist aber die etwas andere Herangehensweise an den Mythos Herkules. Die Geschichte des „Halbgottes“ wird so raffiniert in Flashbacks, Träumen etc. erzählt, dass man in die ersten 20 Minuten nicht weiß, ob es so was wie mythische Kreaturen, Götter und legendäre Helden im Film überhaupt gibt oder nicht. Und ob Herkules die zwölf Taten denn wirklich so gemacht hat, wie wir sie heute kennen.
Dies ist mal eine sehr erfrischende Abwechslung.

Fazit:
Hercules ist eindeutig der bessere Herkules-Film in diesem Jahr und bekommt wegen den genannten Gründen, The Rock und der etwas anderen Herangehensweise an den Film 4 von 10 Twilight-Bubis.

P.S.: Ach ja es gibt wieder sehr wichtiges und sehr nützliches 3D.

 
Originalname: Hercules

Regie: Bratt Retner

Erscheinungsjahr: 2014

Darsteller: Dwayne „You are my Rock“ Johnson, Reece Ritchie, John Hurt, Ian McShane, Joseph Fiennes

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Jon schreibt über: Sin City: A Dame to Kill For

Eine Eva Green (SKANDAL!), sie zu knechten. Der zweite Teil von Frank Millers Sin City ist in den deutschen Kinos angelaufen und versucht, hierzulande besser anzukommen als in den USA. Ich erkläre mir den Flop übrigens so: Ein Streifen für Erwachsene (= kleineres Publikum), Genre-Film, der erste Teil ist schon fast wieder eine Generation her und somit fehlt der nötige Bezug. Über die Qualität des Films sagt der kommerzielle Misserfolg hier nichts aus.

A Dame to Kill For behält das Muster des Storytellings des ersten Teils im Großen und Ganzen bei und baut wieder Episode für Episode in ein Gesamtkonzept ein. Angefangen bei Johnny (Joseph Gordon-Levitt), der als begnadeter Glücksspieler in Sin City den großen Wurf landen will, weitergemacht mit Dwight McCarthy (Josh Brolin), einem Auftragsfotografen, und aufgehört mit Marv (Mickey Rourke), dem Schlägertypen, vor dem alle zurückschrecken. Doch alle haben im Grunde das gleiche Ziel und denselben Feind: Senator Roark. Er unterdrückt Basin City mit eiserner Faust und schreckt vor keiner Gewalttätigkeit zurück, um seinen Standpunkt zu beweisen.

Als großer Fan des Film-Noir war es für mich optisch wieder ein Genuss, dem schwarz-weiß-gehaltenen Kunststück zu folgen. Die außergewöhnlichen Farbkontraste waren zwar im ersten Teil, meiner Meinung nach etwas drastischer gezeichnet (z.B. Yellow Bastard), doch auch hier wurden die Farben wieder toll eingesetzt. Beispielsweise wurden die Augen von Ava Lord (Eva Green) grün gezeichnet, was ihr etwas von einer Hexe verlieh. Das goldene Auge von Manute, das ihn in gewisser Weise als majestätische und unzerstörbare Maschine wirken lässt, und auch die gleißend leuchtenden Haare von Nancy Callaghan (Jessica Alba) bleiben einem im Gedächtnis und lassen keinen Zweifel daran, dass Rodriguez und Miller es verstehen, der Leinwand eine großartige Ästhetik einzuhauchen. Und auch die Musik war wieder extrem stimmig und passend. Der eingängige, durch den rhythmischen Takt vorantreibende Unterton, der sich durch den ganzen Film erstreckt, trägt dazu bei, dass der Film einen sehr kurzweiligen Eindruck erweckt, da man quasi auch musikalisch durch die Episoden und von einer zur nächsten getragen wird. Der Soundtrack ist variantenreich und vielfältig und reicht von rockigen Stücken („Skin City“ von Steven Tyler) bis zum elektronisch angehauchten Main Theme. Das alles trägt sehr positiv zur coolen Grundstimmung bei und beschert einen perfekten audio-visuellen Mix, für den es sich lohnt, ins Kino zu gehen.

Wer allerdings einen realistischen Thriller erhofft und alles bis ins Detail hinterfragt, ist bei Sin City fehl am Platz und sollte sich dem Tatort widmen. Natürlich sind einige Handlungsstränge etwas fadenscheinig erklärt und dienen teilweise dem Mittel zum Zweck. Doch Sin City hat sich genau dadurch einen Namen gemacht und ist dazu berechtigt Tatsachen aufzustellen, die gar keine sind. Realität und Traum verschieben sich, gehen auseinander und vermischen sich wieder. Kafkaeske Geschichten der Moderne. Sie sollen nicht wörtlich genommen werden, sondern Platz für Interpretationen schaffen. Wer in Johnny einen Glücksspiel-Superhelden sieht, lässt den Ball verhungern bevor er ins Tor rollt. Er ist ein naiver, junger Mann, dem das Glück hold ist und der enthusiastisch einem Ziel entgegensteuert, das vielleicht doch ein wenig zu überdimensional für ihn ist. Die Ermordung von Roark als Erlösung der Welt lässt eben viele Übermütige mit aufspringen.

Auch Jessica Alba als gefallener Engel, die ihr eigenes, durch Hartigan fest verankertes Weltbild durch dessen Tod entgleiten sieht und nun auf Rache sinnt, fällt in die Kategorie der charakterlichen Überzeichnung, hinter der mehr steckt als man im ersten Moment sieht. Und außerdem ist und war Jessica Alba das Highlight der filmischen Interpretation von Sin City. Wer hier auf eine Fehlbesetzung plädiert und bei der Selbstverstümmelung ihrerseits keinen Schmerz verspürt, dem ist nicht mehr zu helfen.

Die Action-Szenen lassen auch in A Dame to Kill For nicht zu wünschen übrig und im Laufe des Films fliegt so ziemlich jedes Körperteil einmal über den schwarzen Bildschirm. Übertrieben überzeichnete Action auf ein überzeichnet übertriebenes Drehbuch, das übrigens zu einem Drittel von William Monahan stammt, der schon für sein Skript für Departed einen Oscar gewann. Doch das macht eben Sin City aus und man hat Spaß daran, wie Marv Kleinganoven und Großganoven wie Ameisen zermalmt und den rauchenden, saufenden Beschützer von Nancy gibt. Wie ein wildes Tier bahnt er sich den Weg durch die Unterwelt.

Was man dem Film nun allerdings ankreiden kann, ist die etwas dünne Story, die nicht recht viel weiterreicht als bis zur Ausführung eines Racheplans, der ab und zu von einer Femme fatale oder einem übermächtigen Schläger durchkreuzt wird. Aber das ist, dank der niemals zur Ruhe kommenden Art des Erzählens, nicht wirklich störend. Die schwache Story weht dann übrigens auch vom Comic her und eine Aufpolierung durch Frank Miller selbst (schrieb auch das Drehbuch mit) wäre wohl sehr unrealistisch. Schade ist auch, dass Clive Owen als „neuer Dwight“ nicht erneut für die Rolle engagiert werden konnte und so ein aufmaskierter Josh Brolin herhalten musste. Aber das sind Peanuts. Der Film war natürlich auch nicht bahnbrechend bzw. erfand sich nicht neu und der Look scheint nach den Jahren natürlich schon ein wenig abgenutzt. Doch wie so oft zahlt sich Altbewährtes aus, solange man es nicht übertreibt mit der kommerziellen und medialen Ausbeutung.

 Sin City: A Dame to Kill For unterhielt mich bis auf ein paar kleinere Längen sehr gut und ich werde ihn mir auch ein zweites und drittes Mal anschauen. In diesem Fall überwiegt die Tatkraft der Optik und des Sounds, überdeckt die teilweise schwache Story, weil in Sin City andere Schwerpunkte gesetzt werden, die ich voll akzeptiere, da sie mir einfach gut gefallen. Er war schwächer als Teil 1, aber trotzdem noch ein guter Film, der vor Stars nur so strotzt. 7 gab er der Frau, für die es sich zu töten lohnt, in ihrer Stadt der Sünden.

 

Originaltitel: Sin City: A Dame to Kill For

Kinostart Deutschland: 18.09.2014

Regie: Robert Rodriguez, Frank Miller

Darsteller: Jessica Alba, Josh Brolin, Eva Green, Joseph Gordon-Levitt, Bruce Willis, Jamie Chung, Dennis Haysbert, Stacy Keach, Ray Liotta, Lady Gaga, Rosario Dawson, Mickey Rourke

nancy

 

Das Fantasy Filmfest in Nürnberg

Killers (Jon)

Ein Psycho-Thriller von den Raid-Machern aus dem Jahr 2014. In 137 Minuten wurde hier erzählt, wie sich zwei Männer, die unterschiedlicher nicht sein können, durch ein makaberes Hobby immer wieder in die Quere kommen. Ihre Freizeitbeschäftigung besteht nämlich aus dem Filmen von grausamen Morden und deren Veröffentlichung im Internet. Während der eine voll hinter seinen Taten steht, ist der andere von Selbstzweifeln geplagt und droht daran zu zerbrechen. Der Film war solide inszeniert und ist nichts für zarte Gemüter. Doch andererseits hat man auch schon viel brutalere Sachen zu Gesicht bekommen (siehe NBC’s Hannibal, Irreversibel o.ä.).

Richtig mitgenommen hat mich der Film jetzt nicht, aber ich wurde gut unterhalten. Und das obwohl der Film in Original-Version gezeigt wurde (also auf Indonesisch mit englischem Untertitel!). Eine Mischung aus Psycho, American Psycho und I Spit on Your Grave mit einigen originellen Elementen, die man sich bei der richtigen Stimmung durchaus mal ansehen kann.

Killers-web

 

 

Wolf Cop (Vali)

Es gibt 2 verschiedene Arten von Trash: Einerseits den unfreiwillig komischen, der keineswegs dazu gedacht ist, Trash zu sein & andererseits die Medien, die sich ihrem Unsinn durchaus bewusst sind. Wolf Cop ist letzteres davon.

Was soll ich sagen, was haben wir erwartet? Zwar versucht Wolf Cop (Ein Cop wird zum Werwolf & bekämpft Verbrechen) eben das Potenzial zu nutzen, was diese schwachsinnige Ausgangssituation zu bieten hat, versagt jedoch auf ganzer Linie. Während die ersten 15 Minuten sogar an eine Edgar Wright-eske Inszenierung erinnert, versagt der Film im späteren Verlauf auf ganzer Linie. Guten Gewissens kann ich diesen Film nur den härtesten der hartgesottenen Trash-Fans empfehlen, auch wenn ich bezweifle, dass irgendjemand Spaß an dem Film haben könnte. Aber hey, immerhin haben wir die Brüste der weiblichen „Hauptrolle“ sehen dürfen, dafür mussten wir nur eine Sexszene mit dem titelgebenden Wolf Cop in Kauf nehmen…

wolfcop

 

 

What We Do in the Shadows (Schosch)

Von den Machern von Flight of the Conchords kommt eine der unterhaltsamsten und lustigsten Filme, die ich dieses Jahr schon sehen durfte. What We do in the Shadows ist eine neuseeländische Mockumentary über Vampire, die in einer Wohngemeinschaft in Wellington zusammen leben.

Der Film parodiert gekonnt Themen wie Blutsauger in der Moderne und Scripted-Reality-Zeug wie Jersey Shore und schafft es mit vielen kleinen Details, dies in 90 Minuten sehr unterhaltsam zu erzählen. Absolut sehenswert und wer mal wieder richtig lachen will, sollte sich unbedingt What We do in the Shadows anschauen. Geeignet für Jung und Alt.

Eine explizitere Kritik von mir kriegt ihr, wenn 5 Zimmer Küche Sarg (deutscher Titel) am 20. Oktober ins reguläre deutsche Kino kommt.

what we do

Kathas Konter-Kritik zu Guardians of the Galaxy – Feel my Wrath!

Guardians of the Galaxy lag bei mir als „irgendein Marvel-Gedöns“ abgeheftet in meinem geistigen mit „Desinteresse“ beschrifteten Filmordner. Ähnlich wie The Avengers wanderte der Film fix in den „Möchte ich sehen“-Ordner, nachdem mir Bekannte von dessen Unterhaltungswert vorschwärmten. Vorweg: Die Comics habe ich nicht gelesen, genau wie viele andere Kinobesucher, die Guardians of the Galaxy auf imdb dennoch mit einer sehr guten Durchschnittswertung von 8,6 vergoldeten.

Wieder einmal fällt ein mächtiges Artefakt im Marvel-Universum in die Hände des Bösen. Eben dieses Böse wird in Guardians of the Galaxy repräsentiert von Ronan, einem blauhäutigen Alien mit Hammer, der den Planeten Xandar samt Bewohnern zerstören will. Hinter Ronan steht Thanos, der mächtigste Bösewicht im Marvel-Universum, der mit Maximal-Intelligenz, Zeitreisefertigkeit, übermenschlicher Kraft, Telepathie und Nahkampfausbildung ungefähr die Spezialkräfte aufweist, die ich in jungen Jahren gerne meinen Playmobil-Helden zugeschrieben habe. Zudem scheint Thanos ein echt entspannter Typ zu sein, denn er thront den ganzen Film über auf einem schwebendem Stuhl im Weltraum und guckt dümmlich, während Ronan beim Ausführen des Masterplans versagt. Aus Gründen, die nicht näher erläutert werden, treiben sich Thanos‘ Töchter Nebula und Gamora ebenfalls bei Ronan herum. Vielleicht haben sich beide gelangweilt, ihrem Vater beim bedeutungsschwangeren Sitzen im Weltraum zusehen zu müssen? Thanos jedenfalls beauftragt Ronan damit, die Infinity-Steine zu finden. Diese McGuffins sind gefährliche Waffen und verleihen große Macht. Außerdem gibt es sie in sechs modischen Trendfarben. Für diesen Film wichtig ist aber nur die lila Version.

So trägt es sich zu, dass Protagonist Peter Quill den Stein, eingeschlossen in eine Metallkugel, zu Beginn des Films findet. Vorher waren wir Zeuge, wie Quill als Hosenscheißer den Krebstod seiner Mutter miterlebt und Minuten später von einem Raumschiff entführt wird. Wieso? Vielleicht aus dem gleichen Grund, warum er innerhalb der zwischen Intro und erster Szene verstrichenen zwanzig Jahre nicht zur Erde zurückgekehrt ist: schwache Story(vorlage). Stattdessen hört er wehmütig mit seinem Walkman (er wurde 1988 entführt) eine Kassette mit Pop-Hits, die ihm seine Mutter geschenkt hat. Das „erklärt“ den unpassenden Soundtrack des Films, der Sci-Fi-Szenarien verbindet mit abgenudelten Radiohits aus den Siebzigern. Eigentlich ist die Musik natürlich dazu da, sich beim Publikum anzubiedern.

Quill soll die Kugel seinem Boss (und Entführer) Yondu bringen, entschließt sich aber, sie eigenmächtig zu verkaufen. Ronan schickt derweil die grünhäutige Gamora auf die Fersen von Quill. Die Adoptivtochter von Thanos und zur lebenden Waffe ausgebildete Stealth-Expertin scheitert (völlig überraschend) mit dem ausgeklügelten Plan, Quill anzusprechen, ihm die Kugel zu entreißen und dann wegzulaufen. Neben Gamoras Inkompetenz  lernen wir zwei weitere Helden kennen:  den Kopfgeldjäger-Waschbären und den Baum.

Aus einem unerfindlichen Grund werden alle vier in das „Hochsicherheitsgefängnis“ von Xandar geworfen. In diesem Edelkittchen gibt es weder eine Geschlechter-, noch eine Speziestrennung, die Gefangenen müssen nicht arbeiten und nachts finden romantische Gruppenkuschelsessions statt. Das Sicherheitssystem lässt mit etwa fünf ungepanzerten Wärtern, die auf Abruf zur Verfügung stehen, zu wünschen übrig, so steht dem Ausbruch nichts im Wege. Gerade noch rechtzeitig, denn Ronan möchte den Stein persönlich abholen, nachdem Gamora sich dazu entschieden hat, ihren Adoptivvater zu hintergehen. Und das, obwohl Thanos sie gefoltert, ihre Eltern ermordet und sie zu einer Super-Mörderin ausgebildet hat? Undank ist der Welten Lohn.

Im Knast liest das Team ihr fünftes und, so absurd es klingt, interessantestes Mitglied auf, den tätowierten Schläger Drax. Rasch finden die Guardians heraus, dass der Stein in der Kugel eine tödliche Waffe ist und wollen ihn auf Xandar in Sicherheit bringen. Eine gute Idee, verfügt der besagte Planet doch über keinerlei Waffen und hat bereits mit seinem Kuschelknast bewiesen, wie hoch die Sicherheitsstandards vor Ort sind. Zuvor entdeckt Quill seine romantischen Gefühle für Gamora, das Team freundschaftliche und gruppensuizidale Gefühle füreinander und Ronan den Stein, mit dem er sofort Richtung Xandar düst. Thanos quittiert die Meuterei seines Lakaien selig grinsend auf einem Stuhl irgendwo im Weltall.

Die Guardians verhindern eine Katastrophe, indem sie das riesige Raumschiff von Ronan in die Luft jagen und auf die Hauptstadt des Planeten krachen lassen. Keine Sorge, nichts passiert. Ronan steigt aus und beginnt mit seinem Monolog des Bösen©, wird dann von Quill abgelenkt und mit Hilfe des Steins gekillt. Alle sind glücklich, bis auf den Waschbär, denn sein Kumpel Baum wurde beim Aufprall zerfetzt. Aber keine Sorge, am Ende des Films ist er natürlich wieder da.

 Es ist schwierig, eine völlig originelle Geschichte zu erzählen. Und gerade bei Popcorn-Kino wie Guardians of the Galaxy wird das vom Publikum auch gar nicht gewünscht. Das ist nicht schlimm, klassische Helden-Storys machen durchaus Laune, wenn sie logisch daherkommen und nicht vollkommen auf etablierte Klischees setzen. Beide Kriterien kann Guardians of the Galaxy nicht erfüllen. Wieso krallt sich Thanos nicht selbst den Stein sondern beauftragt seinen inkompetenten Handlanger damit? Wieso kehrte Quill nie zur Erde zurück? Die Charakterisierung der Guardians erschöpft sich in einer Handvoll Ticks; bei fünf Protagonisten blieb wohl keine Zeit für mehr Einblick in deren Persönlichkeiten. Auch die Welt, in der das ganze Spektakel spielt, bleibt blass und austauschbar. Xandar ist ein grüneres Coruscant, die Mine im Weltall Los Angeles aus Blade Runner. Die Aliens sind bunte Menschen und ein paar Ratten. Politisch ist nichts los, außer der Feindschaft zwischen Xandar und Ronan.

 Hinzu kommt, dass Guardians of the Galaxy eine Comic-Verfilmung ist, und sich zumindest in den Grundzügen am Ursprungsmedium orientieren muss. Dieser Aspekt ist der Nagel zum Sarg der Guardians, denn ohne Comic-Vorwissen fehlen die Ankerpunkte der Geschichte. Durch Fragen und Nachlesen weiß ich nun, dass der Baum eigentlich durchaus intelligent ist, nur sein Sprachzentrum nicht richtig funktioniert. Die Genmanipulation, der Rocket seinen Waschbärenkörper verdankt, wird kurz erwähnt und nie wieder aufgegriffen. Und wieso scheinen Quills Pop-Schnulzen auf sämtliche Außerirdischen so eine Faszination auszuüben, haben die die Musik noch nicht erfunden? Das Schlimmste daran: Liest man die Handlung und Hintergründe nach, dann wird erst in vollem Ausmaße bewusst, wie bescheuert die ganze Geschichte eigentlich ist.

 Guardians of the Galaxy hat außerdem ein Problem mit dem Ton. Damit ist nicht der Sound gemeint, sondern die abrupten Stimmungswechsel, die viele Szenen auszeichnen. In einem Moment erklärt das Team in pathetisch-bemühten Statements die Freundschaft zueinander, untermalt von auf die Tränendrüsen hämmernder Schnulzmusik – dann lässt der Waschbär einen sarkastischen Spruch fallen und die Szene endet abrupt. Ganz zu schweigen vom Klimax des Films, der beim Zuschauer einerseits ein Bedrohungsszenario erzeugen möchte, dann aber die Stimmung mit Quill torpediert, der dem Bösewicht einen Tanzwettbewerb vorschlägt.  Diese Art Non-sequitur-Humor prägt fast die gesamte Laufzeit des Films, abgesehen von einer Handvoll tatsächlich amüsanter Dialoge. Da fehlt nur noch die Lachspur.

 Als Comic-Fan würde ich gerne guten Gewissens sagen, dass Guardians of the Galaxy ein toller Film ist. Schließlich würde das vielleicht mehr Menschen dazu animieren, Comics zu lesen, vielleicht würden noch mehr Personen erkennen, dass man auch in Bilderheften tolle Geschichten erzählen kann. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn dieser Film stellvertretend für Erzählungen in Comics steht, dann kann ich jedem, der das Medium als infantilen Blödsinn bezeichnet, nur voll beipflichten.

 Und abschließend, auch wenn das wohl für Empörung sorgen wird: Guardians of the Galaxy ähnelt den Transformers von Michael Bay: Der Film vermittelt keine Botschaft, er presst lediglich alibihaft und unglaubwürdig eine Freundschaftsthematik in eine wertlose Geschichte. Der Streifen ist ein glattgebügeltes, perfektes Marketingprodukt, dem natürlich weder unnötige 3D-Effekte noch unecht aussehende CGI-Kreaturen und –Umgebungen fehlen. Die Internet-affinen jüngeren Zuschauer erfreuen sich an dem extra für sie geschriebenen „lol random“-Humor, der einem oft im Netz begegnet. Die älteren Zuschauer verbinden mit den Pop-Hits Nostalgie-Gefühle. Comic-Fans ergötzen sich an den eingestreuten Referenzen an die Vorlage. Keine Szene, kein Track und keine geschriebene Dialogzeile hat einen natürlichen Ursprung, entwächst aus Handlung oder Charakteren, sondern ist ein genau berechneter Schachzug zur Maximierung des Massenpublikum-Appeals. In diesem Sinne ein Lob an die fleißige Marktforschungsabteilung bei Marvel – der Plan ist perfekt aufgegangen.

Charaktere:

Peter Quill: Mensch, Kumpeltyp, Han Solo , sarkastisch,

Gamora: Grüne Alien-Frau, Meister-Assassine, Adoptivtochter von Thanos, sarkastisch

Rocket Raccoon: Waschbär, gewaltbereit, sarkastisch

Groot: Baum, Deus ex Machina, Chewbacca, scheint geistig minderbemittelt

Drax: Blauer Muskel-Alien, versteht Metaphern nicht

Ronan: Blauer Alien, böse, will Planeten zerstören

Thanos: Supermächtig, superschlau ( jedoch nicht superattraktiv), böse. Sitzt auf einem Stuhl im Weltall.

Yondu: Blauer Alien, hat Quill als Kind entführt, besitzt lächerlichste Waffe des Films

Nebula: Blaue Alien-Frau, böse, Adoptivtochter von Thanos, im Film völlig überflüssig, muss aber auftauchen, weil sie später wichtig wird

Quills Mutter: stirbt an Krebs, um die Emotionen des Publikums zu manipulieren

Alienrassen: Schweinchenrosa Menschen, blaue Menschen, grüne Menschen, gelbe Menschen, normale Menschen, auf Stuhl sitzender Oberböser, John C. Reilly

Anmerkung: Ich habe den Film im englischen Originalton gesehen.

 Katharina Reuß

kathaguardians