Archiv für den Monat August 2014

Vali schreibt über: Guardians of the Galaxy – Futuristischer Retro-Trip in den Weltraum

Groß waren meine Erwartungen und noch größer war meine Skepsis, ob der fertige Film Guardians of the Galaxy ersteren gerecht wird. Nach etlichen vielversprechenden Trailern wollte ich einen abgedrehten Sci-Fi-Trip mit abgefahrener Musik, überzeugender Action sowie durchdachtem Humor sehen… und habe letztendlich nicht mehr und nicht weniger bekommen!

Ein mir unbekannter James Gunn musste (metaphorisch) in Joss Whedons Fußstapfen treten, um eine weitere Marvel-Adaption angemessen umzusetzen. Sämtliche Marvel-Phase 2-Filme hatten mich bis dato nur mäßig unterhalten (bis auf Captain America: The Winter Soldier, der war schon ganz nett… unser aller Lieblings-Schosch hat übrigens eine Kritik dazu geschrieben!) und ohne Edgar Wright hält sich meine Vorfreude auf Ant-Man ebenfalls in Grenzen. Guardians of the Galaxy bringt nun abseits des Avengers-Gesamtkonsens frischen Wind in das Superhelden-Genre (wir ignorieren hier mal The Amazing Spiderman 2: Rise of Electro, aufgund Zugehörigkeit zu einem anderen Filmstudio).

Ohne zu viel zu verraten, worum geht’s eigentlich? Peter Jason Quill (Chris Pratt) kommt im Zuge einer Auftrags in den Besitz eines gewissen Orbs, den der sogenannte Ronan the Accuser nur allzu gerne sein Eigen nennen würde. Aufgrund einiger (äußerst unterhaltsamer Zufälle) stolpert Quill, der sich selbst auch gerne als „Star-Lord“ bezeichnet, über sämtliche anderen Hauptfiguren, mit denen er sich im Laufe des Films mehr oder weniger zusammen tut. Zum einen wäre da Drax the Destroyer (Dave Bautista), welcher sich an Thanos the Mad Titan rächen will, da dieser für den Tod seiner Familie verantwortlich ist. Drax ist übrigens unfähig, Metaphern in irgendwelcher Weise zu verstehen, was einige verdammt witzige Dialoge nach sich zieht. Gamora (Zoe Saldana), eine Adoptivtochter von Thanos, arbeitet hingegen in Ronans Interesse und ist ziemlich gut darin, so ziemlich alles und jeden umzubringen. Die beiden mit Abstand interessantesten und skurrilsten Figuren machen Rocket Raccoon (Bradley Cooper als Waschbär) und Groot (Vin Diesel als sprechender Baum) aus. Diese beiden Kopfgeldjäger haben es auf Peter Quill abgesehen und beherbergen eine hervorragend funktionierende Charakterdynamik, sodass man sie einfach nur gern haben muss. Übrigens nervt keine einzige der Hauptpersonen, was bei so vielen Charakteren im Vordergrund ein Lob verdient. Allzu viel möchte ich an dieser Stelle gar nicht mehr zur Story verraten, da ich mich in keiner Sekunde gelangweilt gefühlt habe und selten mit einer zu offensichtlichen Wendung konfrontiert sah.

Als ganz großen Pluspunkt sehe ich die Individualität so ziemlich aller auftretenden Personen in Guardians of the Galaxy, da man kaum „Statisten“ vor die Nase gesetzt bekommt. Jede Person scheint eine eigene Geschichte zu erzählen, egal ob dies nur durch einen einzigen Satz transportiert, oder über einen eigenen äußerlichen Look vermittelt wird. Gerade diese Detailverliebtheit vermisse ich viel zu oft in anderen Triple A-Blockbustern, welche sich hier gehörig eine Scheibe abschneiden können. Auch der Soundtrack konnte mich vollends überzeugen. Ursprünglich dachte ich ja, dass sich der (für einen Actionfilm) eher ungewöhnliche Soundtrack nur auf die Trailer beschränkt, der fertige Film konnte mich dennoch eines Besseren belehren. Von Norman Greenbaum über David Bowie und The Runaways hält Guardians of the Galaxy diverse abgefahrene Titel der 70er und 80er bereit, welche dabei nicht nur als Untermalung dienen, sondern sich auch des Öfteren optimal in das Geschehen einfügen.

So sehr ich mir auch Mühe gebe, mir fällt es ernsthaft schwer, Kritikpunkte an den Guardians zu finden. Vielleicht leidet der Anfang etwas unter den häufigen Szenenwechseln. Vielleicht bleibt der Antagonist etwas blass und austauschbar. Nichtsdestotrotz hatte ich mit der neuesten Marvel-Schöpfung so viel Spaß im Kino wie schon lange nicht mehr. Der ein oder andere bezeichnet Guardians of the Galaxy als das moderne Star Wars, soweit möchte ich mich jedoch nicht aus dem Fenster lehnen, aber das ist eine andere Diskussion. Guardians of the Galaxy bekommt von mir 9 von 10 prothetische Beine, was ganz nebenbei meine absolute Höchstwertung darstellt und ich rate euch: Ab ins Kino!

Originaltitel: Guardians of the Galaxy

Kinostart Deutschland: 28.08.2014

Regie: James Gunn

Darsteller: Chris Pratt, Vin Diesel, Michael Rooker, Benicio del Toro

rocket

Jon schreibt über: Planet der Affen: Revolution

Das wieder interessanter werdende Franchise von Planet der Affen hat nach Prevolution aus dem Jahr 2011 einen neuen Ableger namens Revolution in die Kinos geschickt. Und der Name ist Programm. Für Unwissende: Die erste Planet der Affen-Verfilmung aus dem Jahr 1968 beschreibt eine Expedition von einer Gruppe von Menschen zu einem Planeten, der von intelligenten Affen besiedelt ist. Am Ende stellt sich heraus, dass dieser Planet die Erde ist, welche Opfer einer Atom-Katastrophe geworden ist. Seit Planet der Affen: Prevolution wird dieser Fallout nun als Revolte der Affen interpretiert und Revolution bildet das Bindeglied in der als Trilogie angesetzten neuen Filmreihe.

Der Film setzt mit einem Bericht über die weltweite Verbreitung des Virus ein, der fast die gesamte Menschheit dahingerafft hat. Nur noch in vereinzelten Ecken der Erde sind Grüppchen des Homo Sapiens vorzutreffen, wobei die Affen eine quantitative Vormachtstellung innehaben. Das wird den Menschen klar, als sie in San Francisco auf diese treffen und es zu einem Konflikt kommt. Dieser schaukelt sich immer weiter hoch und der Anführer der Affen, Caesar (gespielt von Gollum-Darsteller Andy Serkis), besitzt auch nicht mehr die Autorität, die er einmal hatte. Es entwickeln sich Intrigen auf beiden Seiten und es gibt sowohl bei den Menschen als auch bei den Affen Pro- und Antagonisten.

Die Geschichte hat also einiges zu bieten und hat das Potential, in einen sehr guten Film eingebaut zu werden. Den allgemeinen Pressestimmten, wie zum Beispiel Filmstarts und kino.de, kann ich mich aber nicht anschließen, denn hier wurden Höchstwertungen vergeben.

An den Schauspielern ist schon einmal etwas auszusetzen, was man eigentlich so nicht erwartet hätte. Man kann diesen nämlich teilweise ganz und gar nicht abkaufen, dass sie verzweifelt in der Apokalypse feststecken. Am besten zu sehen bei Keri Russell, die zwar ein paar Tränen verdrückt und auch einige laufen lässt, aber nie Zweifel aufkommen lässt, dass es sich hier um unmotivierte Schauspielerei handelt. Gary Oldman kann man von diesen Anschuldigungen ausschließen, da er gewohnt überzeugend agiert und auch hier in die Rolle schlüpft wie in seine zweite Haut. Die Schauspielerei mit dem Deckmantel der CGI-Technik betrachte ich immer noch mit der Brille der Skepsis. Es ist zwar angekommen, dass es angeblich eine tolle Leistung ist, wenn Schauspieler eigentlich nicht vorhandenen Tieren oder Lebewesen Leben einhauchen, doch bleibt ungeklärt, inwiefern diese Leistung im Nachhinein verfälscht bzw. verbessert wurde. Aufgrund dieser Tatsache kann ich die tolle Darstellung der Affen Caesar, Koba und Konsorten nur zu einem Teil der Schauspieler zusprechen. Die ausgereifte Technik spielt hier natürlich eine sehr große Rolle. Dass das 3D wieder nicht richtig zur Geltung kommt, ist mittlerweile fast überflüssig zu erwähnen und man kann sich eigentlich nur noch über den daraus resultierenden hohen Preis ärgern.

Die Story an sich ist nicht geradlinig und Spannungen sind aufgrund der Holprigkeit der Erzählweise schwer erkennbar. Es ist recht und schön, dass die Affen erst die Sympathie des Zuschauers gewinnen muss, indem man diesen lange Filmsequenzen widmet und sie einzeln vorstellt, doch man darf nicht ignorieren, dass diese ungewohnte Überlängen aufweisen.

Die Action-Szenen sind solide gemacht, beschränken sich aber sehr auf einzelne Orte, die die Primat- und Privatsphäre von Affe und Mensch darstellen. Beide werden arg in Mitleidenschaft gezogen. Im Grunde aber nichts Außergewöhnliches und Neuartiges, was man sich von einer Revolution aber schon einmal erhoffen könnte. Auch die Freundschaft eines normalerweise vor sich hin bockenden Teenagers mit einem mutterähnlichen Orang-Utan mit pädagogischer Auslegung wirkt sehr aufgesetzt und herbeiheischend, aber in keinster Weise glaubhaft. Das macht die Feindschaft und Konkurrenz von Caesar und Koba schon besser und diese bildet auch den einzigen wirklich spannenden Handlungsstrang der Geschichte. Der schlaue, gutmütige, von James Franco erzogene Caesar – man hätte in der deutschen Synchronisation aber eine bessere Wahl treffen können als die Yoda-Stimme aus den Episoden I bis III – gegen den abgrundtief bösen, zerschundenen, seelentoten Koba.

Auch gut an dem Film ist, dass die Frage aufgeworfen wird, ob es zwei, mental und physisch, ähnlich ausgeprägte Gattungen schaffen können, in Koexistenz und vielleicht sogar in Symbiose zu leben. Dies lässt sich natürlich auch auf die reale, menscheninterne und die phänotypische Vielfältigkeit unserer Gesellschaft projizieren. Es werden hier diese Ansätze filmisch untersucht, über einen möglichen Ausgang wird diskutiert und einer wird vorgeschlagen. Die Affen bieten den Menschen beispielsweise Hilfe bei der Wiederherstellung der Stromversorgung der Stadt an. Es wird eine Geschichte erzählt, die interessant ist und mal andere Schwerpunkte setzt, indem sie beide Seiten der Medaille beleuchtet.

Im Großen und Ganzen ist Planet der Affen: Revolution also ein Film auf solidem Grundgerüst, der Potential verschenkt und nicht die grandiosen Bewertungen der vielen Kritiker verdient. Da meine Argumentation 4 Punkte verlangt und mein Bauchgefühl aber 6 sagt, werde ich 5 von 10 von den eigenen Reihen hintergangene Affen-Cäsars vergeben.

 

Originaltitel: Dawn of the Planet of the Apes

Kinostart Deutschland: 07.08.2014

Regie: Matt Reeves

Darsteller: Andy Serkis, Jason Clarke, Gary Oldman, Kodi Smit-McPhee, Toby Kebbel, Keri Russell

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Schosch schreibt über: Drachenzähmen leicht gemacht 2 – oder wieso ich auch einen Drachen möchte

Auch wenn der Film schon seit drei Wochen draußen ist, mach ich trotzdem noch eine Kritik darüber, denn über so einen Film sollte wirklich was geschrieben werden.

Der zweite Teil knüpft fünf Jahre nach dem ersten Drachenzähmen leicht gemacht an. Die Wikinger der Insel Berk haben sich mit den Drachen, die sie in dem ersten Teil immer angegriffen haben, nun angefreundet und leben mit ihnen in Eintracht. Sie sind aus Berk jetzt nicht mehr wegzudenken, da in jedem Haushalt nun einer haust.
Häuptlingssohn Hicks jedoch erkundet mit seinem Nachtschatten Ohnezahn lieber die noch sehr unbekannte Welt. Auf einem weiteren Abenteuer finden Hicks und Ohnezahn eine mysteriöse Höhle voller unbekannter Drachen und einen geheimnisvollen Drachenreiter. Doch dann geraten Hicks und Ohnezahn in große Schwierigkeiten und bringen den Frieden auf Berk in große Gefahr, als sie die Aufmerksamkeit von dem Drachenjäger Drogo Blutfaust auf sich ziehen.
So kann man den Inhalt mal zusammenfassen, ohne zu spoilern – nicht so wie der Trailer!
Na egal.

Als Erstes wird wohl bei Drachenzähmen leicht gemacht 2 auffallen, dass es ein Animationsfilm ist und zwar einer mit unglaublich guter Animation aus dem Hause Dreamworks. An ein paar Stellen des Filmes kann man nur staunen, was die Animateure da geschaffen haben. Animationen, die so realistsich sind, dass man sie nicht von echten Aufnahmen unterscheiden kann. Die Dreamworks-typsichen knubbeligen Figuren-Animation sind ebenso wieder da, wie verspielte Bildsequenzen mit fotorealistischen Aufnahmen. Dreamworks hat mit diesem Film den Animations-Thron erklommen und Disney auf den zweiten Platz verwiesen.

Die Geschichte ist interessant, glaubhaft und bis zum Ende hin spannend erzählt. Es gab keine Plot-Holes oder Logiklücken, der Film wurde fehlerfrei erzählt und mit unglaublich epischer Musik untermalt, die einem dazu bringt, den Soundtrack immer wieder anhören zu wollen. Viele Kleinigkeiten fallen beim ersten Hinsehen gar nicht auf und geben dem Film daraufhin eine kleine verspielte Eigennote.
Auch die liebenswerten Charaktere aus dem ersten Teil wie Hick´s Clique, Bossbart Haudrauf und die verrückte Drachenlady sind wieder dabei.
Darüber hinaus kann man an vielen Figuren eine deutliche Charakterentwicklung erkennen, was den Film glaubhaft macht.
Und es gab auch einige rührende Momente, wo gerne mal eine oder mehrere Tränen flossen, unter anderem einen der emotionalsten Momente seit dem König der Löwen.

Doch leider hat mich nicht alles daran so erfreut, wie oben erwähnt. Mit 105 Minuten ist der Film wieder ein bisschen zu lang.
Außerdem wäre das typische Happy-End nicht nötig gewesen – ja ich weiß Kinderfilm und so, aber trotzdem! Auch die Anfangs- und Schlussmusik hätte auch ohne Gesang auskommen können, aber das ist, wie immer bei mir, Meckern auf hohem Niveau.
Trotzdem ist Drachenzähmen leicht gemacht 2 ein äußerst gelungener zweiter Teil, was ja nicht so oft der Fall ist, welchen man nicht nur in super unnötigem 3D anschauen muss. Für Jung und Alt ein schönes Kinoerlebnis.

Der zweite Teil der Trilogie ist deutlich düsterer als sein Vorgänger, was aber nicht unbedingt schlecht sein muss, siehe Original Star Wars Trilogie oder die Indie-Reihe. Deswegen erhält Drachenzähmen leicht gemacht 2 von mir 8 von 10 Drachenzähnen und ich freue mich schon auf den dritten Teil.

Originaltitel: How to Train Your Dragon

Erscheinungsjahr: 2014

Regie: Dean DeBlois

Originalsprecher: Jay Baruchel, Gerard Butler, Craig Ferguson, America Ferrera, Jonah Hill

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