Archiv für den Monat März 2015

Vali schreibt über Chappie – Der Die Antwoord-Film

Jaja, ich weiß: Hätte hätte Fahrradkette… Aber hätte Neill Blomkamp 2009 sein (Kinofilm-)Regiedebüt District 9 nicht so verdammt eindrucksvoll inszeniert, würde meine Chappie-Kritik möglicherweise(!) etwas positiver ausfallen. Doch eins nach dem anderen, worum geht’s in Chappie überhaupt?

Der junge Ingenieur Deon Wilson (Slumdog Millionaire-Dev Patel) revolutionierte die staatliche Sicherheit von Johannesburg über Nacht. Anstatt menschlicher Polizisten patrouillieren die mechanischen Sicherheitskräfte „Scouts“ die Ghettos der Metropole und schaffen es die Kriminalitätsrate auf ein Rekordtief einzudämmen. Alle sind begeistert, alle kaufen Scouts – zumindest alle bis auf Arbeitskollege und Hobby-Choleriker Hugh Jackman. Selbiger sieht sich nun nämlich mit seinem persönlichen Misserfolg „Moose“ – einer von Piloten gesteuerte Kampfdrohne / der feuchte Traum eines jeden Japaners – konfrontiert und plant seine persönliche Vendetta gegen Deon. In der Zwischenzeit stibitzt Deon ein Scout-Auslaufmodell um hinter dem Rücken seiner Chefin (Sigourney Weaver) eine eigens kreierte künstliche Intelligenz zu installieren. Auf seinem Heimweg wird Deon jedoch von den Kleinkriminellen Ninja (=Ninja) und Yolandi (=Yolandi) entführt. Unwichtiges Nebengeplänkel später ist Chappie geboren – welcher im Übrigen vom großartigen Sharlto Copley synchronisiert sowie gespielt wurde, was in der grottigen deutschen Synchronisation komplett flöten geht. So sehen sich die Möchtegern-Gangster von Die Antwoord mit der Erziehung eines künstlichen kleinen Kindes konfrontiert, welche von den polarisierenden Vorstellungen eines angemessenen Umgangs maßgeblich beeinflusst wird. Am Schluss geben sich übrigens Chappie und Moose hart aufs Fressbrett, aber das kann man sich ja mal sowas von denken, sobald das Ungetüm das erste Mal erwähnt wird…

Ich würde lügen zu behaupten, dass ich mit Chappie keinen Spaß hatte. Vor allem die Abschnitte mit Die Antwoord, welche einfach nur unglaublich surrealistisch und gleichzeitig überzogen auffallen, unterhielten. Dementsprechend passend wirkt der Soundtrack, den die südafrikanische Band größtenteils zu dem Geschehen beisteuert. Auch Chappies eigener persönlicher Werdegang wirkt authentisch sowie lebensnahe, wenn er sich beispielsweise zwischen Deons moralischen Vorstellungen und Ninjas desillusioniertem Überlebensstil hin- und hergerissen fühlt. Leider lässt genau dieser Aspekt bei sämtlichen anderen Figuren komplett zu wünschen übrig: Sigourney Weaver sehen wir (großzügig geschätzt) vielleicht 2 Minuten auf der großen Leinwand, sämtliche anderen Charaktere bleiben von sowas wie einer persönlichen Entwicklung komplett verschont. Yolandi ist die fürsorgliche Mutter, Ninja der strenge Vater, Deon eine übergeordnete Moralinstanz und Antagonist Hippo (keineAhnungvonwemgespielt) ist dermaßen konsequent angepisst, dass er bei sämtlichen Auftritten nur rumschreien und Leute abknallen kann (der arme Mann…). Den einzigen Hoffnungsschimmer dieser Scharade stellt dort immer noch Hugh Jackman dar, der zwar genauso blass wie seine Kollegen ausfällt, aber immerhin unterhaltsam seinen psychotischen Vokuhila-tragenden Choleriker spielt, dass man ihn nur dafür bewundern kann wie viel er aus einem nahezu nicht-vorhandenem Charakter ausschöpfen konnte.

Die durchschnittliche Story wird jedoch nicht nur von schwachen Persönlichkeiten, sondern sogar gleichzeitig von unzähligen Logiklöchern aus der Hölle getragen. Wenn Deons Firma beispielsweise über keine nennenswerte Sicherheitsvorkehrungen bis auf einen muskelbepackten Hugh Jackman zurückgreifen kann, wundert es mich nicht dass sämtliche Kriminellen in Johannesburg agieren, wie es ihnen beliebt! Versteht mich nicht falsch: Ich würde mich auf keinen Fall mit Vincent anlegen, aber es gibt ja Leute da draußen, welche ein wenig mutiger und/oder verrückter sind wie ich…

Nichtsdestotrotz kann ein Film nicht auf einem maroden Fundament bestehen und ob ich meinen Frieden mit dem absolut absurden Ende schließen kann, werde ich erst nach einer einwöchigen Meditation unter Die Antwoord-Beschallung feststellen können. Insgesamt betrachtet rate ich jedem, mit nicht allzu großen Erwartungen an den Film heranzugehen, da man ansonsten nur enttäuscht werden kann. Immerhin hat Blomkamp nicht ganz so tief wie bei Elysium ins Klo gegriffen, völlig sauber kommt sein Arm aus der Angelegenheit aber auch nicht raus. Dementsprechend erhält Chappie 3 von 10 Roboter-Fistbumps plus einen unbeabsichtigten Bonus-Trashpunkt. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass Blomkamp Alien 5 nicht in den Sand setzt, im Weltall hört uns nämlich niemand schreien…

chappie

Originaltitel: Chappie

Kinostart Deutschland: 4. März 2015

Regie: Neill Blomkamp

Darsteller: Sharlto Copley, Hugh Jackman, Yolandi Visser

Vali schreibt über: Elysium – Matt Damon vs. Team America

Elysium steht im Lateinischen für eine Insel der Seligen, auf der von Göttern ausgewählte Helden ihr Leben in Unsterblichkeit verbringen. In Neill Blomkamps dystopischer Zukunftsvision ist Elysium der Name einer luxuriösen Raumstation, auf der die wenigen Schönen & Reichen ihr paradiesisches Dasein verbringen, während der Rest der Menschheit (unter anderem Meth Damon) in den heruntergekommenen Resten der Erdenzivilisation vor sich hin vegetiert. So kommt es, dass Mäth Damön durch einen stark konstruierten Vorfall nur noch 5 Tage zu leben hat und seine Rettung allein in der Krankenversorgung Elysiums sieht. Also wirft er sich ein schniekes Exoskelett über und versucht auf die Raumstation zu kommen und legt sich dementsprechend mit Jodie Foster und ihrer Einwandererbehörde an. So viel sei mal zur Story verraten.

Nach District 9 hatte ich große Erwartungen an Blomkamps zweiten Kinofilm und Elysium wurde diesen nicht gerecht. Zwar kreierte Blomkamp eine passende Parabel bezüglich der aktuellen Situation des Gesundheitssystems sowie der Einwanderungspolitik, cineastisch konnte diese mich aber nicht überzeugen. Die Charaktere wirken platt und klischeebehaftet und zeigen keinerlei persönliche Entwicklung auf. Protagonist Määätt Damon – der mir übrigens so vorgekommen ist, als würde er den halben Film über bewusstlos oder jammernd durch jede Szene geschleift – wird zum unfreiwilligen Retter der Menschheit. Währenddessen wird er vom in Power Rangers-Manier durch die Gegend stiefelnden, bitterbösen Söldner Sharlto Copley (ganz nebenbei der stärkste Schauspieler in Elysium) verfolgt, der durch sein massives Ego konsequent daran gehindert wird, irgendetwas Relevantes in dem Film zu erreichen. Verteidigungsministerin Jodie Foster scheint ohnehin eine ziemliche Pfeife in ihrem Job zu sein, wenn sie schon bei ein paar Flüchtlingsshuttles in Panik gerät und einfach mal alles in die Luft jagt. Außerdem sollte sie sich mal mehr Personal anstatt nur einem einzigen soziopathischen Feldagenten zulegen. Ohne an dieser Stelle zu spoilern wirkt das Ende vorhersehbar und aufgesetzt, vor allem die Rückblenden an Mett Damons Omi nerven – welche eine überflüssige Erklärung für den ganz unaufmerksamen Zuschauer darstellen. Und wer zur Hölle trägt eigentlich ein Bild von der Erde in einem Medallion mit sich rum?

Dennoch hat mich der Film vor allem durch seine Bildgewalt beeindruckt, die (gottseidank) ohne überflüssiges 3D auskommt. Auch die Effekte und der Sound können sich sehen lassen, wenn man mal die unterdurchschnittliche deutsche Synchronisation ignoriert.

Allerdings hätte ich mir doch gerne die 8€ fürs Kino gespart, denn die 109 Minuten des Films vergehen doch recht langsam. Die allzu offensichtliche Botschaft, dass das Gesundheitssystem der USA veraltet und die Einwandererpolitik sowieso äußerst fragwürdig ist, vermag dabei nämlich nichts mehr zu retten. Auch so manche Logiklücke hätte ich gerne übersehen, wenn zum Beispiel Copleys halbes Gesicht weggesprengt wird, dieses aber ohne Probleme wieder zusammengepuzzlet werden kann, scheint ja Elysium die Grenzen der Sterblichkeit schon sehr nach Skriptbedarf zu biegen und brechen.

Der Film hat seine Momente, aber auch viele Schwächen: Auf Dauer langweilt die Action mehr, als das sie unterhält und der Film streckt sich zum Finale hin zunehmend. Selbst Neill Blomkamp behauptete letztens, dass er gerne einiges an dem Film anders gemacht hätte. Ich bewerte Elysium mit 3 von 10 nicht – vorhandenen allgemeinen Gesundheitssystemen der USA und hoffe mal, dass Blomkamp sein nächstes Projekt (Chappie) mit Die Antwoord- Mitgliedern Ninja und ¥oLandi Vi$$er nicht in den Sand setzt.

Elysium

Originaltitel: Elysium

Kinostart Deutschland: 15. August 2013

Regie: Neill Blomkamp

Darsteller: Matt Damon, Jodie Foster, Sharlto Kopley, Alice Braga