Archiv der Kategorie: Jon Kritiken

Jon schreibt über: Jurassic World

Es war nur eine Frage der Zeit, bis die in die Gegenwart geholte Jura-Zeit wieder auf die Kinoleinwände projiziert werden würde. Eine solche Marke wird nie aussterben, auch wenn Steven Spielberg nicht mehr persönlich auf dem Regie-Stuhl sitzt. Die Kuh bzw. der Triceratops wird gemolken, bis er nur noch ein trockenes Fossil ist. Wie sich bei Jurassic World herausstellte, gab der hörnertragende Saurier nach einer fast 14-jährigen Pause mehr Milch als je zuvor.

Die Story besticht weder durch Glaubwürdigkeit, überraschende Wendungen, bahnbrechende charakterliche Entwicklungen, ausschließlich sinnvolle Neben- und Offscreenstorys noch durch absolut nachvollziehbare Handlungsweisen der Dinosaurier: Anfänglich wird man – wie in den ersten drei Jurassic Park-Teilen auch – in den Schauplatz eingeführt, auf dem sich Mensch und Dino in den nächsten zwei Stunden in den Haaren und Krallen haben werden. Erst ein riesiger Wassersaurier, der einen weißen Hai (wahrscheinlich Spielbergs einzige selbst beigetragene Idee in diesem Film) zum Frühstück verspeist, dann ein Chris Pratt als Alpha-Tier unter lauter Velociraptoren und schließlich die gefahrvolle Ankündigung eines selbstgezüchteten Dinosauriers mit einem Namen, dessen Übersetzung nur mit dem großen Latinum möglich ist: Indominus Rex. Die Geschichte ist um eine Familie gesponnen, deren beide Söhne sich nun mit der allzu beschäftigten Tante in der Jurassic World befinden. Sie geraten völlig unerwartet in Gefahr, der Indominus Rex bricht völlig unerwartet aus und Chris Pratt inklusive der heißen Tante müssen die beiden völlig unerwartet retten – eine derartig erfrischende Storyline ist völlig neuartig im Kino des 21. Jahrhunderts.

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Nun ein etwas ernsterer Tonfall, denn die katastrophalen Mängel in Jurassic World sind alles andere als lustig. Der Film hinterlässt ein Trümmerfeld, das aus halb angefangenen zwischenmenschlichen Krisen und abstrusen, ebenfalls nicht zu Ende gedachten Szenen mit den Dinosauriern besteht. Am Ende ist alles egal, was beispielsweise und vor allem im ersten Jurassic Park von Bedeutung war und was man an der Reihe so schätzte. Das bisherige Monster schlechthin – der Tyrannosaurus Rex – bekommt eine Retterrolle auf den Leib geschrieben und die normalerweise so triebgesteuert handelnden Velociraptoren haben nun einen menschlichen Anführer. Der klägliche Versuch der Autoren innovativ zu sein, gipfelt in einer völligen Absurdität, die nicht einmal durch das oft so nützliche „Hirn-Ausschalten“ ausgeglichen werden kann.

Lässt man die so verquer handelnden Monster mal Monster sein, so bleiben mindestens noch die menschlichen Akteure. Diese wurden vom Regisseur aus dem Regal mit der Aufschrift „Figuren und Konstellationen, die in jedem Actionfilm vorkommen“ entnommen. Und es wurden alle Schubladen mitsamt dem darin liegenden Staub gründlichst ausgeräumt. Da haben wir zuerst den „Helden“ – in diese Fall Chris Pratt als Owen. Er macht noch die solideste Figur von allen und fällt vor allem durch seine beschwichtigenden Gesten auf. Fehlen nur noch Peitsche und Fedora. „Die Gespielin des Helden“ füllt die Rolle der Claire aus. Sie sieht gut aus, legt ein tussihaftes Verhalten an den Tag und ist schlecht gekleidet für ein Abenteuer. Raffinierter Weise haben die Autoren eine direkte Verbindung von ihr zu den „Opfern“ in Jurassic World hergestellt: die jugendlichen Neffen von Claire namens Zach und Gray. Der eine ein High-School-Schüler, was man sofort deutlich machen musste, indem man ihm eine Freundin gab, die er sehr vermisst, und ihn ständig anderen Mädchen hinterhergaffen ließ. Der andere ein kleiner Freak, der sich mit der Materie, von der Gefahr ausgeht (in diesem Fall die Urzeit-Tiere), bestens auskennt. Dann gibt es noch kleinere Rollen wie den klassischen Nerd, die Krieger, den Tollpatschigen, den Neuling, die frühen Todesfälle und viele mehr. Doch zwei essentielle gibt es noch: „Den Bösewicht“ und „Das Monster“. Letzteres ist, wie bereits beschrieben, der Indominus Rex – ein Wolpertinger mit Killerinstinkt. Der Bösewicht wird von einem overactenden Vincent D’Onofrio (Pvt. Paula aus Full Metal Jacket) dargestellt. Er erkennt die Gefahrenlage und will mitsamt einer Söldnertruppe – natürlich barttragende Veteranen aus Afghanistan – ein klassisches „Fight Fire with Fire“ veranstalten. Zu den Söldnern sollte noch ergänzt werden: Das komplette Waffenspektrum muss abgedeckt sein (auch die gegen großen Saurier sehr nützlichen kleinen Handfeuerwaffen), doch nur einer besitzt die Bazooka, deren Effektivität gegen die Urzeit-Monster man doch wohl im Vorfeld erahnen könnte. Auch rennen sie alle mit kugelsicheren Westen herum, denn am meisten Gefahr geht von dem T-Rex mit der G-36 aus.

Des Weiteren ist der Film gespickt mit Szenen, die man gar nicht richtig einordnen kann, weil sie so lachhaft sind: Zum Beispiel beginnt der überaus nervige Gray aus dem Nichts, eine Geschichte zu erzählen, laut der er aufgrund einer langen Google-Recherche nicht daran zweifelt, dass sich ihre Eltern scheiden lassen werden. Sein Bruder beruhigt ihn damit, dass er nun je zweimal Geburtstag und Weihnachten feiern kann und der Käse ist gegessen. Eine zweites Beispiel ist der überaus ambitionierte Tatendrang des Park-Besitzers (im Übrigen der Quoten-Inder), der sich selbst einen Running-Gag zuschustert, denn er kann nämlich den Hubschrauber fliegen (Filmkundige wissen Bescheid). Auch der völlig überdrehte Weinkrampf von Claires Schwester via Handy ist so konfus und surreal, dass es wirklich wehtut. Die Liste solcher Kuriositäten ist lang und man wünscht sich, die „Autoren“ wechseln so schnell wie möglich ihren Beruf, bevor noch andere Filme von derartigem Unfug verunstaltet werden.

Die Effekte sind gut und die Dinosaurier sehen echt aus (wobei, woher weiß man das schon?). Doch wo Geld ist, da stimmt auch meistens die Optik. Die permanente Konversation der Schauspieler mit der Green-Screen kauft man Chris Pratt noch am meisten ab.

Mir sind die überwiegend positiven Bewertungen in der Presse ein absolutes Rätsel, denn wer – im Gegensatz zum Regisseur – noch einigermaßen bei klarem Verstand ist, kann dem Film allerhöchstens noch abgewinnen, dass er statt drei nur zwei Stunden seiner Lebenszeit in Anspruch nimmt. Man kann nicht einmal sagen „etwas für Augen und Ohren“, denn bahnbrechend ist dieses 3D-Abenteuer bei weitem nicht. Bis auf ein paar Eastereggs ein lieblos hingerotztes Stück Action, das vermutlich durch ein Referat eines Filmstudenten inspiriert wurde. Weil ich Dinosaurier an sich cool finde, brüllen gnädige 2 von 10 Tyrannosauri Reges in der Jurassic World, die eigentlich in der Kreide World leben sollten.

Originaltitel: Jurassic World

Kinostart Deutschland: 11.06.2015

Regie: Colin Trevorrow

Darsteller: Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Omar Sy, Judy Greer

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Jon schreibt über: Avengers 2: Age of Ultron

Bei all den Marvel-Verfilmungen in letzter Zeit ist es wirklich schwierig, den Überblick zu bewahren. Nach dem letztjährigen The Guardians of the Galaxy kommt nun mit Avengers: Age of Ultron der nächste Superheldenverband in die Kinos. Die Regie übernahm wieder Joss Whedon, der bereits den ersten Teil realisierte und die Kult-Serie Firefly zu Beginn der 2000er erschuf. Mit einem Budget von unfassbaren 280 Mio. $ wurde am 24. April 2015 ein Blockbuster auf die Leinwand gebracht, wie es ihn noch nicht so oft gegeben hat.

Grundsätzlich kam, was kommen musste: Ein CGI-Spektakel mit bahnbrechenden, nicht enden wollenden Action-Sequenzen, welche die Handlung fast verdrängten. Doch gerade weil dies der erste Avengers-Film von 2012 so gut hinbekam, konnte man eigentlich hoffen, dass der Nachfolger mindestens genauso gut die Balance zwischen Actionlastigkeit/Unterhaltungswert und Ernsthaftigkeit/relativer Glaubwürdigkeit (soweit das bei einer Comic-Verfilmung möglich ist) halten kann.

Die Handlung von Avengers 2 findet fast zeitgleich zu der ersten Staffel der neuen Netflix-Serie Daredevil (bis Folge 10 eine durchaus empfehlenswert) und zur 2. Staffel von Agents of S.H.I.E.L.D. statt und knüpft an die Ereignisse aus Thor 2 und Captain America 2 an. Die Avengers kämpfen in bester Manier für das Gute in der Welt und verstehen sich am Anfang des Films noch prächtig bei wilden Verfolgungsjagden und Kloppereien. Das ändert sich, als sie eine Hydra-Station, unter der Leitung von Baron von Strucker, einnehmen und von den Zwillingen Quicksilver und Scarlett Witch attackiert werden. Diese sind im Marvel-Universum übrigens X-Men und haben Magneto himself als Vater. Die beiden haben aber nicht halb so viel Charme wie Michael Fassbender (er spielt Magneto in den neuen X-Men Filmen) und verspielen dann endgültig ihre Karten, indem sie sogar untereinander in gebrochenem Deutsch miteinander kommunizieren. Aufgrund der Enttarnung der Hydra-Organisation entscheidet sich Tony Stark – wer sonst – eine künstliche Intelligenz zu schaffen, welche die Erde vor jeglicher Bedrohung schützen soll. Dieses Programm macht sich jedoch selbstständig und so entsteht auch schon der neue Bösewicht mit dem aufreizenden Namen Ultron.

Die 141 Minuten vergehen wieder wie im Flug und man verliert bei der Actionlastigkeit wieder jegliches Zeitgefühl. Trotz alledem hat man über Strecken das Gefühl, dass sich eine Langatmigkeit einstellt. Dies ist zum Beispiel vor dem Endkampf der Fall, als die Avengers bei Hawkeye und seiner Frau unterkommen können. Diese Farm-Episode ist mit der zweiten Staffel Walking Dead zu vergleichen, da auch hier seltsame Dinge passieren, die dem Story-Verlauf nicht weiterhelfen und unnötig in die Länge ziehen. Auch sind in der Story ganz seltsame Tatsachen verankert, wie zum Beispiel das Internetzentrum in Oslo. Aber das sei mal dahingestellt.

Die Leichtigkeit und Spritzigkeit ist etwas verloren gegangen. Betrachtet man beispielsweise die höchstamüsante Szene aus dem ersten Avengers-Film, in der Hulk den Halbgott Loki einfach mehrmals in den Boden schleudert, muss man erkennen, dass es solche Szenen im zweiten Teil fast nicht mehr gibt. Am nächsten kommt da noch die Szene, in der Iron Man mit seinem Hulkbuster-Anzug den Hulk bekämpft. Die wirklichen Lacher werden nur durch unfreiwillige Komik verursacht. Beispielsweise der „Plottwist“, in dem offenbar wird, dass Hawkeye (sowieso schon eine unfreiwillig komische Figur) Frau und Kinder zu Hause hat. Diese Farce des Story-Tellings gipfelt in einem Gespräch zwischen ihm und seiner Frau, das ausschließlich aus leeren Worthülsen besteht – da hat der neue Terminator-Trailer ähnlich viel Tiefe. Wenn ein Ehegespräch so aussieht, ist das entweder die beste Ehe der Welt oder einer der beiden ist ein Superheld. Eine völlig aus der Luft gegriffene Liebesgeschichte, die nur gerechtfertigt gewesen wäre, wenn Jeremy Renner den Film-Tod hätte sterben müssen. Insgesamt könnte man sich eine bessere Charakter-Zeichnung von den kleineren Rollen erwarten, da ja alle auf einer Comic-Vorlage basieren und deshalb schon generiert sind. Die Maximoff-Geschwister werden mit ihrem Akzent verdorben und auch deren Schicksal geht am Ende nicht wirklich nahe. Scarlett Witch hat undefinierbare Fähigkeiten bzw. kann einfach alles. Quicksilver ist nicht nur schnell, sondern auch stark, denn sämtliche Gegner fliegen nur so durch die Luft. Auch Scarlett Johansson ging völlig unter in ihrer Rolle, da Black Widow – im Grunde wie Hawkeye – im Gegensatz zu den anderen Superhelden (Extrembeispiel Vision) aufgrund mangelnder Superkräfte einfach verblasst.

Das wirkliche Highlight des Films war abseits der Action-Szenen angesiedelt: Die Party, in der unter anderem die Avengers versuchen, Thors Hammer hochzuheben. Auch Don Cheadle als War Machine darf in dieser Szene seine humoristischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Doch auch der Partycrasher Ultron ist nicht von schlechten Eltern und hat seine Momente, wenn es um Unberechenbarkeit und Situationskomik geht.

Joss Whedon scheint mit Age of Ultron seinen kreativen Zenith mehr als überschritten zu haben, dementsprechend ist es möglicherwiese gar nicht mal so verkehrt, dass das Avengers-Zepter weitergereicht wird. Auch wenn die Verpflichtung der Russo-Brüder für das Avengers-Flaggschiff nach einem mehr oder weniger überzeugendem Spionage-Thriller etwas gewagt ist. Avengers: Age of Ultron kann nicht erfüllen, was er versprochen hat. Er bleibt hinter den Erwartungen zurück und muss sich hinter Guardians of the Galaxy und dem ersten Avengers anstellen. Die storytechnischen und charakterlichen Schlampereien und die fehlende Spritzigkeit zwingen mich zu folgender Wertung: 6 von 10 blondierte, Hummel-Sportanzüge tragende Russen mit Hang zur slawischen Dialekterhaltung im internationalen Kino.

Originaltitel: Avengers: Age of Ultron

Kinostart Deutschland: 24.04.2015

Regie: Joss Whedon

Darsteller: Robert Downey Jr., Mark Ruffalo, Scarlett Johansson, Chris Hemsworth

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Jon schreibt über: American Sniper

Bradley Cooper hat den Aufstieg in Hollywoods oberste Liga geschafft. Man muss das anerkennen, wenn man bedenkt, dass sein wohl erster Hit die Las Vegas-Komödie Hangover war. Mittlerweile zweifelt jedoch keiner mehr an seinen schauspielerischen Leistungen – spätestens nach American Hustle und seinen Paraderollen in Kombination mit Jennifer Lawrence. Doch American Hustle soll nicht sein letzter, der westlichen Kultur angelehnter Streifen bleiben, denn Clint Eastwood hat ihn nun in seinem im Irak-Krieg spielenden Film American Sniper an Bord geholt. Der Film sollte im Deutschen übrigens Stolz der Nation heißen, was aber mittlerweile offensichtlich und glücklicherweise wieder zurückgenommen wurde, da vielleicht einige diesen Titel wohl doch als sehr problematisch angesehen hätten und er in Anlehnung an Inglorious Basterds (Frederik Zoller als Ami-tötender Nazi-Held) ein nicht gerade passender Name für ein ernstes Kriegsdrama gewesen wäre.

Der Film handelt von dem Navy Seal Chris Kyle, der während des Irak-Kriegs zum besten Sniper seiner Kompanie und somit auch zum Kriegshelden avanciert. Während seine Frau (Sienna Miller) zuhause mit seinem Sohn das besorgte Leben führt, begibt sich Kyle jeden Tag in Lebensgefahr, um seine Mitsoldaten zu beschützen. Er gerät immer tiefer in den Kriegssumpf und es fällt ihm zusehends immer schwerer, sich von den Erlebnissen im Irak seelisch abzugrenzen.

Aufgrund des unermesslichen Erfolges an den Kinokassen in den USA kann man vermuten, dass es sich hier um einen wirklich bewegenden und außerordentlich guten Anti-Kriegsfilm handelt, der die Massen berührt, so wie es einst Der Soldat James Ryan tat. Doch diese Emotionen bleiben in American Sniper auf der Strecke. Meines Erachtens findet hier kein Leidensprozess von Chris Kyle statt, denn die verhältnismäßig kurzen Ausschnitte aus seinem Leben in den USA bei seiner Frau fallen sehr gemäßigt und ruhig aus. Außer einigen Drinks in seiner Kneipe scheint sich Kyle alias Cooper keine großen Ausrutscher zu leisten. Besser und glaubwürdiger sind dagegen die Szenen, welche das Kriegsgeschehen zeigen. Es sind verstörende Aufnahmen und Situationen, welche durchaus dramatisch sein können und in einer Person Schaden anrichten können. So muss beispielsweise ein Kind erschossen werden, das offensichtlich eine Gefahr darstellt. Die Grundlage für eine innere Zermürbung wäre also geschaffen. Stattfinden tut sie jedoch nicht.

Es ist nun zwar billig, zu behaupten, dass Clint Eastwood hier eine politische Aussage trifft, aber diese These ist teilweise durchaus berechtigt. Es wird ihm bereits vorgeworfen, in diesem Film den Irak explizit mit dem Terror zu verknüpfen, wie es einst George W. Bush mit der Achse des Bösen getan hat. Clint Eastwood – ein bekennender Republikaner – macht das hier meiner Meinung nach zwar nicht, er grenzt sich jedoch auch nicht davon ab. Denn die verherrlichende Darstellung eines „Kriegs-Helden“, der massenweise (160 um genau zu sein) irakische Terroristen tötet, überwiegt im Film ganz klar gegenüber der Darstellung, wie Kyle darunter „leidet“. Es kommt auch so daher, als seien plötzlich alle Iraker der amerikanischen Armee feindlich gesinnt. Es besteht kein Bezug zum Volk, wie es zum Beispiel in The Hurt Locker der Fall war, sondern der Schwerpunkt liegt ganz klar auf dem Töten von Feinden. Wenn man sich nun das stereotypische Bild, das man von den Amerikanern hat, zu Gemüte führt, ist es eigentlich kein Wunder, dass die Kassen nur so klingeln. Die zunehmende Abneigung gegenüber den Demokraten bestätigt diese These – offensichtlich muss wieder etwas Gravierendes passieren, damit das Lüstern der Amerikaner nach Kriegstreiberei wieder milde gestimmt werden kann.

Schauspielerisch ist es grundsolide, was einem geboten wird. Da es nicht sehr viele tragende Figuren in dem Film gibt außer Chris Kyle, seiner Frau und einigen Soldaten, könnten diese sich sehr positiv in die Erinnerung brennen. Doch das tun sie nicht wirklich. Cooper spielt nämlich nur den coolen, kaltblütigen Killer, der ab und zu mal sein Gesicht verzieht und Miller eben seine verzweifelnde Ehefrau, wie man sie schon in 100 anderen Filmen gesehen hat. Klar, diese Art von Kyle, welche als typisch amerikanisch dargestellt wird, da Veteranen und ähnliche Kaliber nicht viel an sich heranlassen, ist authentisch. Doch einen Tick mehr Ausreizung der Empathie-Kompetenz des Publikums kann man bei einem groß betitelten Anti-Kriegsdrama schon erwarten.

Lässt man alle beschriebenen, durchaus auch sozialkritischen Gesichtspunkte außer Acht, ist American Sniper ein Film, der unterhält, aber auch etwas zu lang geraten ist. Den Stoff für eine Familien-Ära – so scheint der Film schematisch aufgebaut zu sein – hat Eastwoods Drama nicht. Er hat die kontrovers diskutierte Autobiographie von Chris Kyle (er prahlt übrigens schon im Titel mit seinen knapp 200 Tötungen) gut als Film umgesetzt, aber vielleicht die falschen Schwerpunkte für einen Anti-Kriegsfilm gesetzt. Bradley Cooper geht im Oscar-Rennen gegen Michael Keaton und Co. unter und wenn dieser Film die Trophäe für den Besten Film gewinnt, habe ich den Glauben an diese Verleihung verloren, welcher heuer aufgrund der Nominierung (und einigen anderen Gründen) sowieso schon angeschlagen ist.

American Sniper erfüllt bei weitem nicht, was er verspricht und scheint auf das amerikanische Publikum zugeschnitten zu sein, da dieses einen anderen, subjektiveren Zugang zu diesem Thema hat. Objektiv betrachtet ist er ein Kriegsfilm mit ordentlicher Aufmachung und einer verhältnismäßig geregelten Portion Patriotismus. Mit derselben im Ton vergreifenden Machart wie Eastwood schließe ich mit 4 von 10 selbstverherrlichenden Childshots.

 

Originaltitel: American Sniper

Kinostart Deutschland: 26.02.2015

Regie: Clint Eastwood

Darsteller: Bradley Cooper, Sienna Miller

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Das große Hobbit-Spezial von Jon

„Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“

Als im Dezember 2012 die langerwartete erste Verfilmung zu Tolkiens Roman Der Hobbit in die Kinos kam, war aufgrund der vorangegangenen Der Herr der Ringe-Trilogie die Erwartung unfair hoch. Doch ich persönlich wurde nicht enttäuscht. Peter Jackson gelang es, die großartige Atmosphäre von Mittelerde wieder zum Leben zu erwecken und man hatte sofort das Gefühl, wieder in diese Welt eintauchen zu können. Eine unerwartete Reise schaffte ein sehr angenehmes Gefühl, das über die Oberflächlichkeit im Gegensatz zur Der Herr der Ringe-Thematik hinwegsehen ließ. Wem beim Auftritt von Martin Freeman als Bilbo Beutlin nicht warm ums Herz wird, den kann ich leider nicht verstehen. Auch die Zwerge werden liebevoll, einer nach dem anderen, eingeführt und jeder ist so einzigartig gestaltet, dass sie einem im Laufe der nächsten 8 Stunden der Reihe nach ans Herz wachsen. Der erste Gänsehaut-Moment (und das ist noch untertrieben) passiert dann bei prasselndem Kaminfeuer und Pfeife-Rauchen, als Thorin das „Misty Mountains“-Lied anstimmt, alle Zwerge mit einstimmen und Bilbo nachdenklich abseits in einem anderen Raum sitzt. Eine großartige Szene, die leider viel zu kurz ist.

Und es passte im Grunde wieder alles: Bilbo rennt Beutelsend hinab und das pfiffige Thema von Howard Shore, das man schon aus Die Gefährten kennt, passt großartig zum überhasteten Aufbruch Bilbos in sein unerwartetes Abenteuer. Gut, die Ernsthaftigkeit ist von Anfang an nicht so schwer gewichtet, wie es im Herr der Ringe der Fall war, doch mich stört das hier noch keineswegs, da Der kleine Hobbit ja auch ein Kinder-/Jugendbuch war und J.R.R. Tolkien bestimmt nicht erbost wäre, wenn er sehen würde, dass sich auch jüngere Zuschauer an seinen Werken erfreuen können. Ich glaube, ihm würde es sogar gefallen!

Die zahlreichen Anspielungen auf die Der Herr der Ringe-Trilogie sind auch sehr gut gelungen. So zum Beispiel die drei Trolle, die von Bilbo überlistet und von Gandalf in Fels verwandelt werden. Diese Trolle sieht man in Die Gefährten, als Frodo und Gefolge auf der Flucht von den Nazgûl sind – es wird sogar auf die Verbindung zu Bilbo hingewiesen. Sehr schön und für die nicht so Bewanderten im Tolkien-Universum ist auch die Entdeckung der Schwerter Stich (Bilbos „Schwert“), Glamdring (Gandalf) und Orcrist (Thorin), die ja auch in der Ringe-Trilogie öfter zur Geltung kommen.

Der Höhepunkt des ersten Teiles stellt aber die Begegnung Bilbos mit Gollum im Orkstollen dar. Die Genialität Andy Serkis‘ ist hier hautnah mitzuerleben, denn auch beim 10. Mal ist diese Szene jede ihrer Minuten wert. Gollums Schizophrenie hat hier noch eine sehr lustige Note, denn er glaubt ja, noch im Besitz seines Schatzes zu sein. Bei der Feststellung, dass dies nicht mehr der Fall ist, schlägt Gollums Gesinnung schlagartig in Boshaftigkeit um und er wird zur ernsthaften Bedrohung für Bilbo. Dieser macht übrigens in dieser Szene einen Fehler, der weite Bahnen schlagen soll: Er stellt sich Gollum mit vollem Namen und Herkunft vor. Dies wird dann Frodo später teuer zu stehen kommen, spätestens, als ihn der Hexenkönig von Angmar auf der Wetterspitze fast tödlich verwundet. Jackson schafft es in der Gollum-Szene, alle wichtigen Informationen zu vermitteln, um alles Darauffolgende sinnvoll zu machen. Denn Gollums Verlust des Ringes ist eine essentielle Szene, die für die gesamte Geschichte rund um den Einen Ring unverzichtbar ist.

Das Finale ist nicht wirklich außergewöhnlich – das muss auch ich zugeben – doch sie bereitet ideal auf die nächsten Filme vor, da Azog, der Schänder, seinen ersten großen Auftritt hat und in seiner Grausamkeit passend inszeniert und dargestellt wird. Auch kann Bilbo seinen Heldenmut beweisen, was uns zur abschließenden Szene kommen lässt, in der Thorin Bilbo offenbart, dass er sich noch nie in einer Person so getäuscht habe wie in Bilbo. Der zweite große Gänsehaut-Moment in Eine unerwartete Reise. Bevor der dritte große Moment kommt, gibt es noch den Cliffhanger zum zweiten Teil und Smaug darf etwas von seinem Gold wegschnauben.

Doch der letzte Moment, der für Mittelerde-Fans an die Substanz geht, ist „The Song of the Lonely Mountain“ von Neil Finn, der das Vorhaben der Zwerge noch einmal verdeutlicht und sogar für eine Art weihnachtliche Stimmung sorgt (man hätte keinen besseren Monat als Dezember für den Kinostart auswählen können, obwohl mir natürlich klar ist, dass der Zeitpunkt auch gewählt wurde, um mit ins Oscar-Rennen starten zu können). Ein besseres und gleichzeitig auch traurigeres Gefühl gibt es nicht, wenn man nach so einem äußerst emotionalen Film aus dem Kino gehen muss mit dem Wissen, jetzt ein Jahr auf den nächsten Teil warten zu müssen. Dieses Lied kann ich bis heute nur bedingt anhören, da es sofort im Ohr ist und da nicht wieder verschwindet!

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„Der Hobbit: Smaugs Einöde“

Smaugs Einöde beginnt da, wo Eine unerwartete Reise aufgehört hat und die Zwerge befinden sich mit Bilbo und Gandalf auf der Flucht vor Azog und seinen Gefährten. Eröffnend wird gleich das Smaug-Thema vorgstellt, während die Kamera über die Berggipfel schweift und Warg-Reiter bei der Jagd einfängt. Sie begegnen Beorn, dem Hautwechsler, der wohl doch eher Freund als Feind ist und bekommen von ihm Hilfe, in den Grünwald/Düsterwald zu gelangen, der von einer Art Krankheit befallen ist. Und da kommt Jackson auch schon zur interessanten Thematik, die nun Fahrt aufnimmt. Sauron, der Nekromant, ist erwacht und plant von seiner Festung Dol Guldur seine weiteren Schritte. Gandalf findet gemeinsam mit dem braunen Zauberer Radagast heraus, dass die Gräber der Nazgûl geöffnet wurden und leer sind.

Der Elbenkönig Thranduil wird grandios dargestellt von Lee Pace und auch die von Fran Walsh und Peter Jackson erfundene Gestalt Tauriel passt im Grunde gut ins Konzept. Endlich darf eine Frau mal zeigen, dass auch sie gegen die Ork-Scharen etwas ausrichten kann. Die Tatsache, dass Lee Pace jünger ist als der Legolas-Darsteller Orlando Bloom, obwohl dieser seinen Sohn darstellt, ist zwar komisch, aber fällt natürlich nicht ins Gewicht. Wie Thranduil selbst sagt, sind sogar 100 Jahre nur ein Wimpernschlag im Leben eines Elben.

Was aber wirklich albern ist, ist die Liebesgeschichte zwischen Tauriel und Kili. Wollte Jackson hier ein anti-rassistisches Zeichen setzen? Man weiß es leider nicht! Jedenfalls ist es ein völlig unnötiges Statement und auch ein unnötiger Handlungsstrang, der leider nur störend wirkt. Aus dieser anfangenden Liebesgeschichte entspringt sozusagen die CGI-lastige Fässerfahrt, bei der Bombur und Legolas mal zeigen dürfen, was sie so an Unterhaltungswert zu bieten haben. Leider wirklich sehr überzogen und teilweise extrem lächerlich. Natürlich der Brüller für Gelegenheits-Kinogänger, aber für Fans der Reihe fast schon eine Zumutung.

Doch der Spannungsbogen wird weiter gespannt und alles ist ausgerichtet auf die Begegnung mit dem Feuerdrachen aus dem Norden: Smaug. Diese Szene ist zu vergleichen mit der Gollum-Szene aus dem ersten Teil. Sie wird einem immer in Erinnerung bleiben, wobei Smaug noch eine viel imposantere Erscheinung als Gollum ist. Wer den Film auf Englisch genossen hat, ist vielleicht noch stärker in den Bann gezogen worden, da Benedict Cumberbatch’s Performance einfach bahnbrechend ist und Smaugs Überheblichkeit und Macht somit fast noch stärker in den Vordergrund rückt. Die Bass-unterlegte Stimme durchdringt den Kinosaal wie selten etwas zuvor und auch das gesamte Sound-Konstrukt ist sehr stimmig, da oft die Musik einfach aussetzt und das der Stimme Smaugs eine noch größere Bedeutung zukommen lässt. Etwas zu überladen ist die Tatsache, dass Smaugs Schwachstelle wie in einem Videospiel dargestellt wird und die dazugehörige Waffe ein paar Meter weiter bereitgestellt ist. Vielleicht für das dumme Publikum? Eine mögliche Erklärung.

Ein weiteres Highlight ist die Darstellung von Sauron, der noch keine Gestalt hat, aber es reicht mittlerweile für ein Auge. Auch hier werden grandiose Soundeffekte angewandt, die Gandalfs Unterlegenheit schon allein durch den Ton vermuten lassen. Ob Sauron tatsächlich einem Istari mit Narya, einem der 3 Elbenringe, so hoch überlegen ist, sei dahingestellt, doch feststeht dass Sauron auferstanden ist und das Schwarze Tor-Thema wird hier grandios mit dem Ein Messer im Dunkeln-Song gemischt. Ein Traum für jeden Fan der Der Herr der Ringe-Trilogie. Ich finde es gut, dass sich Jackson dafür entschieden hat, Sauron in den Hobbit einzubauen, obwohl er nicht im Buch erwähnt wird. Es macht jedoch thematisch Sinn, denn Saurons Erwachen in Dol Guldur findet fast zeitgleich zu Bilbos Abenteuer statt und wird im Silmarillion erwähnt.

Nicht zu vergessen ist noch der Ork-Charakter Bolg (gespielt vom gleichen Mann, der auch den Hexenkönig und den Uruk-Hai-Hauptmann Lurtz Leben einhauchte), der ein Spross von Azog, dem Schänder ist. Azog selbst kommt nicht aktiv – übrigens genau wie Legolas – im Buch vor, sondern ist zu den Geschehnissen schon tot, während Bolg der Haupt-Ork im Buch ist. Interessant ist dann hier, dass Bolg eine Art Nemesis von Legolas darstellt, deren Kampf sich bis in den dritten Teil erstreckt. Der zweite Teil endet mit der Verfolgung Bolgs durch Legolas.

Die beiden anderen Cliffhanger stellen die Gefangenschft Gandalfs in der Ruine von Dol Guldur dar, aus der Scharen von Orks entspringen, angeführt von Azog, und der sich anbahnende Angriff von Smaug auf die naheliegende Seestadt. Auch hier schafft es Jackson trotz einiger Schwächen, dass man große Lust auf den dritten Teil verspührt. Es ist einfach ein Fantasy-Universum, das verzaubert und mit nichts zu vergleichen ist.

Ich finde, dass die Zwerge – zumindest ein Teil von ihnen – auch im zweiten Teil ihre Rolle ausbauen können und sich immer mehr voneinander unterscheiden, womit man sich am Anfang noch schwer tat. Balin wächst einem ans Herz und so ist es umso trauriger, dass in Die Gefährten Balins Grab vorgefunden wird und nicht ein Balin, der die 9 Abenteurer gebührend und lebendig empfängt. Diese kleinen Anspielungen machen es aus. Und diese Anspielungen kann nicht jeder gleich nachvollziehen und verstehen, was auch der Grund ist, warum der Film kontrovers aufgefasst wird.

Einen würdigen Abschluss des Filmes stellt wieder das Lied am Ende während den Credits dar: „I see Fire“ von Ed Sheeran. Nicht mehr so überragend, wie das Lied aus dem ersten Teil, aber durchaus noch gut und atmosphärisch passend zum Film.

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„Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere“

Und nun, am 10. Dezember um 00:01 durfte ich endlich den dritten und abschließenden Teil der Hobbit-Trilogie sehen und ich muss zugeben, dass ich kaum damit gerechnet habe, dass er mich zufriedenstellt. Ich sollte Recht behalten. Allein die vergleichsweise kurze Laufzeit des Films war schon ein schlechtes Vorzeichen. Man kann durchaus sagen, dass Jackson der Stoff ausgegangen ist, denn die Schlacht der fünf Heere wird im Roman nur in einem Kapitel erzählt und Jackson macht daraus einen ganzen Film(!). Aber eigentlich ist Die Schlacht der fünf Heere ja unterhaltsam und hat auch keine Längen, doch trotzdem sind so viele Momente vorhanden, die einen zu großen Stör-Faktor aufweisen, dass sie fast den Film zerstören!

Die Zerstörung von der Seestadt durch Smaug – und das ist kein Spoiler – ist schnell abgehandelt und auch dessen Tötung durch den Bogenschützen Bard ist keine Überraschung, da Smaug ja in keinem Trailer mehr auftauchte und das Hauptaugenmerk auf die Schlacht von Orks, Menschen, Zwergen, Elben und Wargen gelegt wird. Legolas und Tauriel machen sich derweil nach Gundabad auf (die ursprünglich zweitgrößte Zwergenstadt nach Khazad-dûm in Moria) und entdecken dort Orkscharen aus Angmar, die sich unter der Leitung von Bolg zum Erebor aufmachen, um diesen aufgrund seines Schatzes und seiner strategischen Stellung zu erobern. Thranduil, Elbenkönig vom Düsterwald, will derweil sein Recht auf den Teil des Schatzes unter dem Berg einfordern und droht Thorin mit Krieg, der sich aber stur stellt und es draufankommen lässt. Doch als dann die Orks eintreffen, sind sie gezwungen, sich zu verbünden, um den gemeinsamen Feind zu besiegen.

Toll an dem Film ist, dass der Bogen zu Der Herr der Ringe gespannt wird und so im Grunde eine Reihe aus sechs Teilen vorliegt, die das Geschehen um den Einen Ring am Ende des 3. Zeitalters schildern. Die Verbannung Saurons nach Mordor spielt hier eine genauso große Rolle wie die Auferstehung der Ringeister und die Bekämpfung dieser durch den Weißen Rat. Wie ich finde, eine notwendige Erwähnung, um etwas tiefer in die Materie von Mittelerde eintauchen zu können. Auch die zwischenmenschlichen, -zwergischen und -elbischen Beziehungen sind glaubhaft, wenn auch nicht mehr so emotional wie in den ersten beiden Teilen, obwohl sie es eigentlich sein sollten. Die Schlacht an sich, vor allem das Zwergen- und das Elbenheer, ist auch toll gemacht und die Zeit vergeht wieder wie im Flug.

Doch in der Schlacht (insgesamt 45 Minuten) findet man auch schnell die ersten Schwachpunkte. Die maßlose Übertreibung macht auch vor Teil 3 nicht halt und so sind die lustigen Elemente auch in den Schlacht-Szenen nicht zu rar gesät. Ein Beispiel ist der Troll, der mit vollem Anlauf gegen die Burgmauer rennt, diese zum Einsturz bringt und anschließend bewusstlos zu Boden fällt. Ein Brüller.

Eine weitere Szene ist die Slow-Motion-Action von Legolas, die so übertrieben wirkt, dass es wirklich negativ auf das Schlacht-Geschehen auswirkt. Er wirkt so unbesiegbar wie Sauron selbst und er könnte wahrscheinlich in dieser Verfassung Mordor im Alleingang einnehmen, indem er vom Mount Doom slidet und im Sprung in Richtung Barad-dûr Saurons Auge mit drei Pfeilen durchlöchert. Wenn wir schon einmal bei Mordor sind, ist noch die Darstellung der 9 Ringgeister zu kritisieren, die aussehen wie ein Hologramm aus anderen Science-Fiction-Filmen. Einfach schlecht gemacht, denn diese Szene hat viel Potential und könnte ähnlich episch dargestellt werden wie die Szene am Amon Sûl.

Und nun der größte Störfaktor in der ganzen Trilogie: Alfrid Leckspuckl. Er ist zu vergleichen mit Jar Jar Binks aus Star Wars: Episode I. Dieser hat ungefähr fünf Auftritte und jeder von ihnen sieht gleich aus. Er ist ein Feigling, lässt die anderen die Gefahren erledigen und macht alles, um an Gold zu kommen. An sich schon ein nicht allzu lustiger Gedanke, doch dass derselbe Gag gleich so oft und im Grunde ohne wirkliche Variation gebracht werden muss, ist schon sehr seltsam für einen Jackson-Film. Sehr störend und ich vermute fast, dass eine Art Hass-Kult aufkommen könnte, den schon Jar Jar vor 15 Jahren ereilte.

Die Auflösung der Trilogie wird im Großen und Ganzen nun schnell zu Ende gebracht und genau das passt nicht gut, wenn man einen epischen Abschluss einer Trilogie will. Es ist meiner Meinung nach immer noch ein guter Film, aber kommt nicht an die Vorgänger heran. Da ich zu voreingenommen bin und den Film dann am Ende und trotz seiner Schwächen wohl doch lieben werde, verzichte ich bei einem Hobbit-Film auf eine Wertung und überlasse jedem selbst sein Urteil.

Auch der letzte Song „The Last Goodbye“ von Billy Boyd kommt nicht mehr an seine Vorgänger heran (das Video dazu ist jedoch wieder erstklassig und man ist bei jeder Szene den Tränen nah) und somit sind die Abspann-Lieder symptomatisch für den tatsächlichen Wert des Films. Leider!

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Jon schreibt über: Interstellar

Seit Inception bin ich skeptisch. Es ist klar, dass Nolans Markenzeichen das verblüffende Moment ist, aber man kann auch das übertreiben. Es war bei Inception nicht störend, dass man der Story nicht hätte folgen können (ein Filmtipp an dieser Stelle: Inland Empire von David Lynch), denn dem war nicht so, sondern die blanke Überzeichnung und das Vorgegaukle, dass der Zuschauer etwas Großartiges vollbracht hätte, wenn er noch am Ende den Überblick bewahrt hat. Es ist ganz und gar nichts Großartiges. Sein anfängliches Werk Memento und auch noch Prestige (mein Favorit) waren da noch anders, denn sie schufen wirklich Illusionen und verblüfften in ihrer Machart. Doch der nun aktuelle Film, Interstellar, erinnert mich leider nicht an letztere.

Die Erde stirbt und die Menschheit versucht, Alternativen zu finden, indem sie nach anderen Galaxien sucht, die vielleicht einen neuen Lebensraum bereithalten. Mithilfe von neuester Technik bricht man Richtung Saturn auf, um durch das bereitstehende Wurmloch in diese fremden Welten vorzustoßen. Es sind auf den relevanten Planeten bereits tapfere Astronauten verteilt und jetzt gilt es für Cooper (Matthew McConaughey), der seine Familie zurücklassen musste, Dr. Brand (Anne Hathaway) und Co., die richtige Welt auszuwählen.

Das Positive an Interstellar sind eindeutig die Schauspieler und die visuellen Effekte. McConaughey schafft Gänsehaut-Momente und auch der Rest (inklusive eines Überraschungsauftrittes eines Oscar-Preisträgers) überzeugen durch die Bank. Michael Cane ist seit Prestige in jedem Nolan-Streifen dabei und gibt hier trotz seines Alters einen authentischen Wissenschaftler, der an die Grenzen des biologischen Lebens stößt. Die einzige, die nicht dazu passt, ist Jessica Chastain. Sie spielt zwar die eingeschnappte Tochter glaubwürdig, doch einem so auf Hochglanz polierten Film bekommt ein derartiges Reibeisen wie Chastain nicht gut. Im Großen und Ganzen vermitteln die Schauspieler das, was Nolan bei diesem Film erreichen wollte: Emotionen und zwischenmenschliche Beziehungen.

Und die Effekte sind einfach grandios. Man kommt ab gut der Hälfte des Films aus dem symbolischen Staunen gar nicht mehr heraus und wenn Interstellar dann vorbei ist, kommt die reale Welt auf einmal seltsam plastisch daher. Es ist grandios, wie in diesem Film komplexe Theorien wie Zeitsprünge, schwarze Löcher und Wurmlöcher visualisiert wurden und man sich auf einmal im Ansatz vorstellen kann, wie unglaublich das sein muss, wenn die Zeit an einem vorbeirauscht. Auch diese Effekte werden von den Schauspielern toll unterstützt und man kann mit ihnen mitfühlen, wie sie der Grenzenlosigkeit des Alls ausgesetzt sind.

Nimmt man nun diese zwei Komponenten, so hat man nur die schillernde Haut eines Körpers. Was jedoch fehlt, ist das Innere, was einen Film erst gut macht: Die Story beziehungsweise der Plot. Und dieser überzeugt leider bei weitem nicht!

Der Zuschauer wird von Anfang an dazu gezwungen, über Dinge hinwegzusehen, die essentiell für die Glaubwürdigkeit des Films wären. Der Zuschauer wird von Anfang an geblendet. Und wirklich innovativ und neuartig ist die Story auch nicht, denn sie erinnert in vieler Hinsicht an 2001: Odyssee im Weltraum von Stanley Kubrick. Das muss nicht schlecht sein, sollte aber erwähnt werden. Der einzige menschliche Bösewicht (besagte Überraschung) ist extrem unnötig und nicht glaubwürdig, denn er erscheint geradezu lächerlich im Kontrast zu den Gefahren, welche die neuen Planeten aufweisen. Auch in absolut keinem Verhältnis stehen die Roboter, denen plötzlich Gefühle(!) entgegengebracht werden und als absolute Helden in den Kosmos eingehen. Diese Roboter sind dann auch die einzige Komponente, die für den Humor zuständig sind und die auch jeder massentaugliche Film braucht. Ja, richtig gelesen: Massentauglich! Interstellar ist kein schwerverdaulicher und schwerverständlicher Genrefilm, wie es Nolan gerne vorgeben würde. Interstellar ist ein massentauglicher Film, der sich als Genre-Film ausgibt und deshalb kommt der Film auch so gut an. Die Zuschauer werden plötzlich zu Kino-Insidern und sind stolz darauf, ein Stück „Filmgeschichte“ gesehen zu haben.

Die Story selbst hat auch große Lücken und ich rate denjenigen, die ihn schon gesehen haben, nicht weiter darüber nachzudenken, denn sonst wird der Film nachträglich immer schlechter. Das große Mysterium im schwarzen Loch zum Beispiel. Es gibt keinerlei Ansatzpunkte, warum sich gerade das dahinter befindet (ich verzichte hier auf Spoiler). Oder auch die völlig absurde Sache mit den Morse-Codes. Welche bahnbrechende Erkenntnis, bei der man außerdem nicht weiß wo McConaughey sie herbekam und was es genau ist, kann schon über einen Morse-Code übermittelt werden. Auch der chronologische Aspekt gibt Grund zu der Annahme, dass etwas nicht ganz stimmt. Da fällt einem nur noch ein, „Heureka“ zu schreien! Gut, man kann, wie Nolan selbst, jetzt sagen, dass es ja ein fiktives Werk ist und nicht alles logisch sein muss. Aber das ist Schwachsinn! Denn wenn man sich an so ein Projekt wagt, muss man dem auch gewachsen sein und vor allem auch der Kritik, die daraus entsteht.

Auch die grässliche Angewohnheit von Christopher Nolan, in jedem seiner Filme unbedingt Wissen vermitteln zu wollen, ist extrem nervig und in Interstellar merkt man dies bei dem Phänomen von Murphy’s Law (in diesem Fall kein Irish Pub). Außerdem wirkte alles viel zu konstruiert. Bei jedem Moment im Film, der nicht ganz verständlich war, konnte man sicher sein, dass Nolan ihn am Ende aufgreift und wieder einen wahnwitzigen Twist daraus macht. Mir war übrigens der sogenannte Twist von Anfang an klar. Man lernt eben aus Nolans Filmen und wenn man sie genau betrachtet, sind sie eigentlich berechenbar.

Insgesamt ein enttäuschender Film, der wieder belegt, welch ein Blender Christopher Nolan doch ist. Die Story gibt nicht viel her und verschenkt Potential, Schauspieler und Effekte sind jedoch toll. Ein Kräftefeld, das sich auf ein Unentschieden einigen muss und deshalb bekommt Interstellar 5,5 von 10 von Geisterhand gestreute Sandhaufen.

 

Originaltitel: Interstellar

Kinostart Deutschland: 06.11.2014

Regie: Christopher Nolan

Darsteller: Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Jessica Chastain, Michael Cane, Casey Affleck, John Lithgow, Topher Grace

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Jon schreibt über: Sin City: A Dame to Kill For

Eine Eva Green (SKANDAL!), sie zu knechten. Der zweite Teil von Frank Millers Sin City ist in den deutschen Kinos angelaufen und versucht, hierzulande besser anzukommen als in den USA. Ich erkläre mir den Flop übrigens so: Ein Streifen für Erwachsene (= kleineres Publikum), Genre-Film, der erste Teil ist schon fast wieder eine Generation her und somit fehlt der nötige Bezug. Über die Qualität des Films sagt der kommerzielle Misserfolg hier nichts aus.

A Dame to Kill For behält das Muster des Storytellings des ersten Teils im Großen und Ganzen bei und baut wieder Episode für Episode in ein Gesamtkonzept ein. Angefangen bei Johnny (Joseph Gordon-Levitt), der als begnadeter Glücksspieler in Sin City den großen Wurf landen will, weitergemacht mit Dwight McCarthy (Josh Brolin), einem Auftragsfotografen, und aufgehört mit Marv (Mickey Rourke), dem Schlägertypen, vor dem alle zurückschrecken. Doch alle haben im Grunde das gleiche Ziel und denselben Feind: Senator Roark. Er unterdrückt Basin City mit eiserner Faust und schreckt vor keiner Gewalttätigkeit zurück, um seinen Standpunkt zu beweisen.

Als großer Fan des Film-Noir war es für mich optisch wieder ein Genuss, dem schwarz-weiß-gehaltenen Kunststück zu folgen. Die außergewöhnlichen Farbkontraste waren zwar im ersten Teil, meiner Meinung nach etwas drastischer gezeichnet (z.B. Yellow Bastard), doch auch hier wurden die Farben wieder toll eingesetzt. Beispielsweise wurden die Augen von Ava Lord (Eva Green) grün gezeichnet, was ihr etwas von einer Hexe verlieh. Das goldene Auge von Manute, das ihn in gewisser Weise als majestätische und unzerstörbare Maschine wirken lässt, und auch die gleißend leuchtenden Haare von Nancy Callaghan (Jessica Alba) bleiben einem im Gedächtnis und lassen keinen Zweifel daran, dass Rodriguez und Miller es verstehen, der Leinwand eine großartige Ästhetik einzuhauchen. Und auch die Musik war wieder extrem stimmig und passend. Der eingängige, durch den rhythmischen Takt vorantreibende Unterton, der sich durch den ganzen Film erstreckt, trägt dazu bei, dass der Film einen sehr kurzweiligen Eindruck erweckt, da man quasi auch musikalisch durch die Episoden und von einer zur nächsten getragen wird. Der Soundtrack ist variantenreich und vielfältig und reicht von rockigen Stücken („Skin City“ von Steven Tyler) bis zum elektronisch angehauchten Main Theme. Das alles trägt sehr positiv zur coolen Grundstimmung bei und beschert einen perfekten audio-visuellen Mix, für den es sich lohnt, ins Kino zu gehen.

Wer allerdings einen realistischen Thriller erhofft und alles bis ins Detail hinterfragt, ist bei Sin City fehl am Platz und sollte sich dem Tatort widmen. Natürlich sind einige Handlungsstränge etwas fadenscheinig erklärt und dienen teilweise dem Mittel zum Zweck. Doch Sin City hat sich genau dadurch einen Namen gemacht und ist dazu berechtigt Tatsachen aufzustellen, die gar keine sind. Realität und Traum verschieben sich, gehen auseinander und vermischen sich wieder. Kafkaeske Geschichten der Moderne. Sie sollen nicht wörtlich genommen werden, sondern Platz für Interpretationen schaffen. Wer in Johnny einen Glücksspiel-Superhelden sieht, lässt den Ball verhungern bevor er ins Tor rollt. Er ist ein naiver, junger Mann, dem das Glück hold ist und der enthusiastisch einem Ziel entgegensteuert, das vielleicht doch ein wenig zu überdimensional für ihn ist. Die Ermordung von Roark als Erlösung der Welt lässt eben viele Übermütige mit aufspringen.

Auch Jessica Alba als gefallener Engel, die ihr eigenes, durch Hartigan fest verankertes Weltbild durch dessen Tod entgleiten sieht und nun auf Rache sinnt, fällt in die Kategorie der charakterlichen Überzeichnung, hinter der mehr steckt als man im ersten Moment sieht. Und außerdem ist und war Jessica Alba das Highlight der filmischen Interpretation von Sin City. Wer hier auf eine Fehlbesetzung plädiert und bei der Selbstverstümmelung ihrerseits keinen Schmerz verspürt, dem ist nicht mehr zu helfen.

Die Action-Szenen lassen auch in A Dame to Kill For nicht zu wünschen übrig und im Laufe des Films fliegt so ziemlich jedes Körperteil einmal über den schwarzen Bildschirm. Übertrieben überzeichnete Action auf ein überzeichnet übertriebenes Drehbuch, das übrigens zu einem Drittel von William Monahan stammt, der schon für sein Skript für Departed einen Oscar gewann. Doch das macht eben Sin City aus und man hat Spaß daran, wie Marv Kleinganoven und Großganoven wie Ameisen zermalmt und den rauchenden, saufenden Beschützer von Nancy gibt. Wie ein wildes Tier bahnt er sich den Weg durch die Unterwelt.

Was man dem Film nun allerdings ankreiden kann, ist die etwas dünne Story, die nicht recht viel weiterreicht als bis zur Ausführung eines Racheplans, der ab und zu von einer Femme fatale oder einem übermächtigen Schläger durchkreuzt wird. Aber das ist, dank der niemals zur Ruhe kommenden Art des Erzählens, nicht wirklich störend. Die schwache Story weht dann übrigens auch vom Comic her und eine Aufpolierung durch Frank Miller selbst (schrieb auch das Drehbuch mit) wäre wohl sehr unrealistisch. Schade ist auch, dass Clive Owen als „neuer Dwight“ nicht erneut für die Rolle engagiert werden konnte und so ein aufmaskierter Josh Brolin herhalten musste. Aber das sind Peanuts. Der Film war natürlich auch nicht bahnbrechend bzw. erfand sich nicht neu und der Look scheint nach den Jahren natürlich schon ein wenig abgenutzt. Doch wie so oft zahlt sich Altbewährtes aus, solange man es nicht übertreibt mit der kommerziellen und medialen Ausbeutung.

 Sin City: A Dame to Kill For unterhielt mich bis auf ein paar kleinere Längen sehr gut und ich werde ihn mir auch ein zweites und drittes Mal anschauen. In diesem Fall überwiegt die Tatkraft der Optik und des Sounds, überdeckt die teilweise schwache Story, weil in Sin City andere Schwerpunkte gesetzt werden, die ich voll akzeptiere, da sie mir einfach gut gefallen. Er war schwächer als Teil 1, aber trotzdem noch ein guter Film, der vor Stars nur so strotzt. 7 gab er der Frau, für die es sich zu töten lohnt, in ihrer Stadt der Sünden.

 

Originaltitel: Sin City: A Dame to Kill For

Kinostart Deutschland: 18.09.2014

Regie: Robert Rodriguez, Frank Miller

Darsteller: Jessica Alba, Josh Brolin, Eva Green, Joseph Gordon-Levitt, Bruce Willis, Jamie Chung, Dennis Haysbert, Stacy Keach, Ray Liotta, Lady Gaga, Rosario Dawson, Mickey Rourke

nancy

 

Jon schreibt über: Planet der Affen: Revolution

Das wieder interessanter werdende Franchise von Planet der Affen hat nach Prevolution aus dem Jahr 2011 einen neuen Ableger namens Revolution in die Kinos geschickt. Und der Name ist Programm. Für Unwissende: Die erste Planet der Affen-Verfilmung aus dem Jahr 1968 beschreibt eine Expedition von einer Gruppe von Menschen zu einem Planeten, der von intelligenten Affen besiedelt ist. Am Ende stellt sich heraus, dass dieser Planet die Erde ist, welche Opfer einer Atom-Katastrophe geworden ist. Seit Planet der Affen: Prevolution wird dieser Fallout nun als Revolte der Affen interpretiert und Revolution bildet das Bindeglied in der als Trilogie angesetzten neuen Filmreihe.

Der Film setzt mit einem Bericht über die weltweite Verbreitung des Virus ein, der fast die gesamte Menschheit dahingerafft hat. Nur noch in vereinzelten Ecken der Erde sind Grüppchen des Homo Sapiens vorzutreffen, wobei die Affen eine quantitative Vormachtstellung innehaben. Das wird den Menschen klar, als sie in San Francisco auf diese treffen und es zu einem Konflikt kommt. Dieser schaukelt sich immer weiter hoch und der Anführer der Affen, Caesar (gespielt von Gollum-Darsteller Andy Serkis), besitzt auch nicht mehr die Autorität, die er einmal hatte. Es entwickeln sich Intrigen auf beiden Seiten und es gibt sowohl bei den Menschen als auch bei den Affen Pro- und Antagonisten.

Die Geschichte hat also einiges zu bieten und hat das Potential, in einen sehr guten Film eingebaut zu werden. Den allgemeinen Pressestimmten, wie zum Beispiel Filmstarts und kino.de, kann ich mich aber nicht anschließen, denn hier wurden Höchstwertungen vergeben.

An den Schauspielern ist schon einmal etwas auszusetzen, was man eigentlich so nicht erwartet hätte. Man kann diesen nämlich teilweise ganz und gar nicht abkaufen, dass sie verzweifelt in der Apokalypse feststecken. Am besten zu sehen bei Keri Russell, die zwar ein paar Tränen verdrückt und auch einige laufen lässt, aber nie Zweifel aufkommen lässt, dass es sich hier um unmotivierte Schauspielerei handelt. Gary Oldman kann man von diesen Anschuldigungen ausschließen, da er gewohnt überzeugend agiert und auch hier in die Rolle schlüpft wie in seine zweite Haut. Die Schauspielerei mit dem Deckmantel der CGI-Technik betrachte ich immer noch mit der Brille der Skepsis. Es ist zwar angekommen, dass es angeblich eine tolle Leistung ist, wenn Schauspieler eigentlich nicht vorhandenen Tieren oder Lebewesen Leben einhauchen, doch bleibt ungeklärt, inwiefern diese Leistung im Nachhinein verfälscht bzw. verbessert wurde. Aufgrund dieser Tatsache kann ich die tolle Darstellung der Affen Caesar, Koba und Konsorten nur zu einem Teil der Schauspieler zusprechen. Die ausgereifte Technik spielt hier natürlich eine sehr große Rolle. Dass das 3D wieder nicht richtig zur Geltung kommt, ist mittlerweile fast überflüssig zu erwähnen und man kann sich eigentlich nur noch über den daraus resultierenden hohen Preis ärgern.

Die Story an sich ist nicht geradlinig und Spannungen sind aufgrund der Holprigkeit der Erzählweise schwer erkennbar. Es ist recht und schön, dass die Affen erst die Sympathie des Zuschauers gewinnen muss, indem man diesen lange Filmsequenzen widmet und sie einzeln vorstellt, doch man darf nicht ignorieren, dass diese ungewohnte Überlängen aufweisen.

Die Action-Szenen sind solide gemacht, beschränken sich aber sehr auf einzelne Orte, die die Primat- und Privatsphäre von Affe und Mensch darstellen. Beide werden arg in Mitleidenschaft gezogen. Im Grunde aber nichts Außergewöhnliches und Neuartiges, was man sich von einer Revolution aber schon einmal erhoffen könnte. Auch die Freundschaft eines normalerweise vor sich hin bockenden Teenagers mit einem mutterähnlichen Orang-Utan mit pädagogischer Auslegung wirkt sehr aufgesetzt und herbeiheischend, aber in keinster Weise glaubhaft. Das macht die Feindschaft und Konkurrenz von Caesar und Koba schon besser und diese bildet auch den einzigen wirklich spannenden Handlungsstrang der Geschichte. Der schlaue, gutmütige, von James Franco erzogene Caesar – man hätte in der deutschen Synchronisation aber eine bessere Wahl treffen können als die Yoda-Stimme aus den Episoden I bis III – gegen den abgrundtief bösen, zerschundenen, seelentoten Koba.

Auch gut an dem Film ist, dass die Frage aufgeworfen wird, ob es zwei, mental und physisch, ähnlich ausgeprägte Gattungen schaffen können, in Koexistenz und vielleicht sogar in Symbiose zu leben. Dies lässt sich natürlich auch auf die reale, menscheninterne und die phänotypische Vielfältigkeit unserer Gesellschaft projizieren. Es werden hier diese Ansätze filmisch untersucht, über einen möglichen Ausgang wird diskutiert und einer wird vorgeschlagen. Die Affen bieten den Menschen beispielsweise Hilfe bei der Wiederherstellung der Stromversorgung der Stadt an. Es wird eine Geschichte erzählt, die interessant ist und mal andere Schwerpunkte setzt, indem sie beide Seiten der Medaille beleuchtet.

Im Großen und Ganzen ist Planet der Affen: Revolution also ein Film auf solidem Grundgerüst, der Potential verschenkt und nicht die grandiosen Bewertungen der vielen Kritiker verdient. Da meine Argumentation 4 Punkte verlangt und mein Bauchgefühl aber 6 sagt, werde ich 5 von 10 von den eigenen Reihen hintergangene Affen-Cäsars vergeben.

 

Originaltitel: Dawn of the Planet of the Apes

Kinostart Deutschland: 07.08.2014

Regie: Matt Reeves

Darsteller: Andy Serkis, Jason Clarke, Gary Oldman, Kodi Smit-McPhee, Toby Kebbel, Keri Russell

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