Archiv für den Monat Mai 2014

Schosch schreibt über X-Men: Zukunft ist Vergangenheit – Tyrion Lannister ist´n Böser.

Neuer Superhelden Film! Wer soll´n drüber schreiben? Naja, ich, weil ich ja eh nichts Besseres zu tun hab. Daraufhin begab ich mich in das nächstgelegene Kino und hab mir den neuen X-Men Film angeschaut. Und ja, ich fand den irgendwie gut, also sehr gut, sozusagen Kinetoskopen-gut.

Aber bevor ich noch mehr auf meine Wertung eingehe, erstmal zum Inhalt:

In einer dystopischen Zukunft machen die Sentinels, wandlungsfähige Roboter, Jagd auf Mutanten und Menschen, die diese unterstützen. Daraufhin beschließen die letzten überlebenden Mutanten, darunter Professor Charles Xavier (Patrick Stewart) und Magneto (Ian McKellen), den unkapputbaren Wolverine (Hugh Jackman) in das Jahr 1973 zurückzuschicken, um den Bau bzw. die Zulassung der Sentinels zu verhindern. Mehr sag ich mal nicht, denn sonst verrate ich wichtige Ereignisse des Filmes.

Die Story basiert auf dem zweiteiligen Comic Days of Future Past aus dem Jahr 1981 und wurde laut Internet nur leicht abgeändert. Aber da ich den Comic nicht kenne, kann ich das nicht mit Sicherheit bestätigen. Mit fehlenden Vorkenntnissen des Original-Comics hab ich mir Zukunft ist Vergangenheit angesehen und trotz meiner etwas geteilten Meinung gegenüber dem ersten Teil des Reboots, wurde ich angenehm überrascht.

Zeitreise-Geschichten sind ja zurzeit wohl in Mode, und das vor allem bei Reboots. Aber egal; damit kann man sicherlich einen schönen Fanservice erzeugen. Das macht dann wohl X-Men: Zukunft ist Vergangenheit zu einem Crossover-Sequel zum Reboot der Original-Trilogie, basierend auf einem zweiteiligen Comic.

Nicht nur viele Zuschauer, unter anderem auch ich, hatten ihre Freude mit der jüngeren und neueren Generation der X-Men. Auch Regisseur Bryan Singer (er drehte auch schon die ersten zwei der alten Filme) hatte sichtlichen Spaß an diesem Projekt. Verspielte Kleinigkeiten und Easter-Eggs sieht man des Öfteren im Hintergrund oder auch direkt im Vordergrund über die Leinwand wandern. Die Stimmung der siebziger Jahre wurde mithilfe obligatorischer Schlaghosen, Afros, Pornobärten, des Vietnamkriegs und Nixons gut umgesetzt.

Das Design der Sentinels wurde zwar dreist von dem Torwächter aus Thor 1 geklaut, aber jeder Auftritt der Roboter war ein actiongeladenes Feuerwerk an CGI-Effekten und gut choreographierten Kampfszenen. Ja, die Action kommt in Zukunft ist Vergangenheit nicht zu kurz, lässt aber im Gegenzug auch noch genügend Platz für gut geschriebene Dialoge und Charakterentwicklungen.

Trotz Tyrion Lannisters etwas fadenscheinigen Gründen alle Mutanten zu töten, ist er trotzdem ein wirklich guter Bösewicht und man kauft ihm den Mutanten-hassenden „Waffentyp(?)“ ab. Wenn man schon Peter Dinklage erwähnt, darf man auch die grandiose Performance von Jennifer Lawrence als Mystique nicht vergessen, wobei schauspielerisch eigentlich alle Akteure durchwegs überzeugen.

Auch wenn der neu eingeführte Charakter Quicksilver (Evan Peters) wenig Screentime hatte, waren doch seine Szenen, vor allem die in der Pentagon-Küche, eine der besten des Filmes und zudem auf einem, technisch gesehen, sehr hochwertigen Niveau.

Leider kann ich den Film nicht nur loben, denn auch wenn mir die vielen verschiedenen Mutanten und die Gruppendynamik gefallen haben, ist es so wie in vielen X-Men Filmen: Man nimmt den Mutanten, den man schon tausendmal irgendwo gesehen hat, – in diesem Fall Wolverine – und macht ihn zur Hauptperson oder man verschwendet interessante Figuren so, dass sie bloß rumstehen und kurz mal was halten. Die 08/15-X-Men Grundstory, also die gleiche wie in den ersten beiden X-Men Filmen, wurde zwar gut erzählt, aber ein bisschen mehr Abwechslung kann man schon mal erwarten.

Auch das wieder mal „nötige“ 3D war, wie kann man es auch anders erwarten, sehr unnötig. Und ja, fangen wir mal erst gar nicht mit den Logikfehlern und -lücken an, denn im neuen X-Men gibt es davon reichlich.

Trotz meiner durchaus berechtigen Kritik an Singers neuem Werk ist der Streifen ein wirklich guter Actionfilm und deswegen erhält X-Men: Zukunft ist Vergangenheit 7 von 10 verschwendeten Mutanten.

P.S.: Macht es nicht so wie 60 Prozent meiner Mitbesucher im Kino! Wartet auf die Aftercredits, denn das ist immer noch ein Marvel-Film.

Originaltitel: X-Men: Days of Future Past

Erscheinungsjahr: 2014

Regie: Bryan Singer

Darsteller: James McAvoy, Michael Fassbender, Hugh Jackman, Peter Dinklage, Jennifer Lawrence, Ian McKellen, Patrick Stewart

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Edgar Wright verlässt Ant-Man

Am Wochenende wurde bekannt gegeben, dass der britische Regisseur Edgar Wright, welcher uns unter anderem die Cornetto-Trilogie bescherte, Marvels Ant-Man nicht mehr drehen wird. Diese Entscheidung fällte er selbst aufgrund „kreativer Differenzen“ mit Marvel bzw. Meinungsverschiedenheiten bezüglich diverser Drehbuchentwürfe.
Wir persönlich können nachvollziehen, dass Wright unter diesen Umständen von dem Projekt zurücktritt, finden es dennoch schade, dass wir keinen Ant-Man aus dessen Feder sehen werden. Das Foto zeigt (Avengers-)Regisseur Joss Whedon und einen Tweet von Schauspieler Simon Pegg, welche beide mit Wrights Entscheidung sympathisieren.

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Schosch schreibt über: The Legend of Hercules – Eher Her“cool“es

Ich entschuldige mich schon mal für meine wirkliche miese Überschrift, aber ich hab mir gedacht: Warum denn nicht? Ist ja nicht so als ob The Legend of Hercules, aufpassen Spoiler, gut ist! Eigentlich sollten sich hier nur die Macher und alle die an diesem „Meisterwerk der Filmgeschichte“ beteiligt waren, entschuldigen. Aber erst mal zum Inhalt:
Wer schon mal was von Herkules oder von seinen Taten gehört hat, sollte sobald man diesen „Film“ anschaut, alles vergessen, was man jemals von diesem griechischen Helden vernommen hat. Das einzige was der Vorlage nachempfunden ist, sind einzelne Namen und der Nemëische Löwe, der von Herkules tot gelöffelt wird, aber egal:

Herkules (Kellan Lutz, einer von den Twilight-Nasen) blablablablablabla irgendwas mit einer Prinzessin und dann bähm ist er in der Armee, dann wird er gefangen genommen und dann mäht er sich durch alle Arenen der bekannten Welt und dann haut er den Bösen aufs Maul. Eigentlich ist die ganze Geschichte, eine lose Aneinanderreihung von pseudo-epischen Szenen, die mit der Originalgeschichte nichts zu tun haben.

MannMannMann, jeder Drittklässler könnte ein besseres Drehbuch schreiben und auch besser schauspielern als 90% des Casts. Der einzige, der da einigermaßen aus der grauen Maße an Laiendarstellern heraussticht ist Scott Adkins, der den klischee-bösen Ziehvater spielt. Jede Figur ist flach, eindimensional und überaus überspitzt dargestellt. Von einer Charakterentwicklung kann man nur träumen. Die Dialoge sind plump und vorhersehbar.
Der Film klaut schlecht und ziemlich dreist aus allen bekannten Filmen und Serien der letzten 15 Jahre, die irgendwas mit der Antike zu tun haben. Von Zeitlupen-Hechtsprung aus 300 bis hin zu den Arena-Momenten aus Gladiator und Spartacus ist alles vertreten. Gegnerhorden werden von Herkules niedergemäht, entweder mit seiner eingeölten Brust geblendet oder mit Whiplash‘s Peitsche frittiert. Wenigstens schön brutal? Nein, denn es gibt kein Blut zu sehen, weil der Film ja ab 12 Jahren ist. So weichgespülter Käse, der das 08/15-Storytelling in keinster Weise unterhaltsam geschweige denn ertragbar macht. Auch das sehr oft verwendete CGI ist einfach nur mies, eigentlich ist der ganze Look nur billig.

Eigentlich sollte The Legend of Hercules keine Bewertung von mir bekommen, da der Film nichts hat, was ihn in irgendeiner Weise ertragbar macht, außer die Möglichkeit in 2D oder 3D zu schauen (WUHUHU!!). Aber trotzdem erhält The Legend of Hercules von mir 0 von 10 möglichen Blutspritzern.
Wer Lust auf Herkules Filme hat, sollte sich lieber den Disney-Film oder die alte Herkules-Serie anschauen oder einfach auf den zweiten Herkules-Film diesen Jahres warten. Kann ja eigentlich nicht schlechter sein als diese Grütze. So schlecht das gibt’s eigentlich nicht.

P.S.: Wer den Film trotzdem sehen will, sollte einfach ein paar Monate warten, denn dann kann man ihn sowieso als Pro7 Sonntags-Blockbuster genießen.

Originaltitel: The Legend of Hercules
Erscheinungsjahr: 2014
Regie: Renny Harlin
Darsteller: Kellan Lutz, Scott Adkins

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Jon schreibt über: The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro

Oft kommt die Frage auf, warum nun Spider-Man von einem anderen gespielt wird und dann wird auch schon losgeschimpft. Um die Frage gleich zu beantworten: Es wird seit dem letzten Teil eine neue Geschichte aus dem Spider-Man-Universum erzählt, die im Grunde nichts mehr mit der aus den alten Raimi-Filmen zu tun hat. Der ein oder andere Bösewicht tritt zwar erneut auf die Bildfläche, doch inhaltlich bauen die beiden Filmreihen nicht aufeinander auf. Dies ist die Grundlage, um den Film gut finden zu können. Ich behaupte, dass sie einfach nicht miteinander zu vergleichen sind und man sich auf den neuen Stil des Spinnenmanns einlassen sollte.

Im neuen Streifen hat es der Wandkletterer mit sozusagen zweieinhalb bösen Verrückten zu tun, denn einer, Rhino, hat nur einen Übergangs-Auftritt. Peter Parker (Andrew Garfield) hat mit Alltagsproblemen wie den Schulabschluss und seine Beziehung zu Gwen Stacey (Emma Stone) zu kämpfen und muss auch als Spider-Man in New York die Verbrecher verhauen. Und dieser Spagat wird nicht einfacher, als ein neuer Antagonist namens Electro auf den Plan tritt. Dieser schießt, nachdem er von genmanipulierten Zitteraalen gebissen worden ist, wie entfesselt mit Blitzen um sich und fühlt sich nun allmächtig. Als dann auch noch Peters alter Freund Harry Osborne (Dane DeHaan) auftaucht, bei dem nun die gleiche schwere Krankheit seines Vaters ausbricht und nun ein Heilmittel benötigt wird, das auf Spider-Mans Blut basiert, ist die Lage mehr als verzwickt.

Die Kameraaufnahmen und Effekte sind wirklich atemberaubend und perfekt inszeniert und machen den Film zu einem kurzweiligen und rasanten Action-Trip. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel sich seit 2007, als der Spider-Man 3 in die Kinos kam, getan hat und wie hoch mittlerweile die Anforderungen an einen guten Action-Film sind. Die Ego-Perspektive, die oft eingesetzt wird, um Spidey’s Schwing-Sessions besser folgen zu können, ist extrem passend und man versetzt sich automatisch mehr in seine Lage. Auch der von Jamie Foxx (Collateral, Ray) gespielte Bösewicht Electro (er erinnert ein wenig an Mr. Freeze aus Batman & Robin) ist gespenstisch und sein Auftreten zieht einen in den Bann. Das Paranoia-Theme, das bei seinem ersten großen Auftritt gespielt wird, ist eine Mischung aus klassischer Musik, Metal und Dubstep und untermalt perfekt den Wahnsinn und die Übermacht des neu auferstanden Electro. Zugegeben, dieser sieht arg konstruiert aus und es wird eine klassische „Ein Niemand wird durch Zufall zur Supermacht und hat endlich Aufmerksamkeit“-Antihelden-Story erzählt. Doch mich hat das nicht gestört, denn warum sollte man Altbewährtes unbedingt verwerfen? Die Charakter-Zeichnung des Green Goblin/Harry Osborne greift auch Altbewährtes auf und man kann die Dramatik seines Falles durch und durch nachvollziehen. Auch die Maskenbildner haben große Arbeit geleistet und lassen die Zuschauer sogar etwas gruseln vor dem Anblick des Goblins. Und ohne etwas zu verraten: Das Ende des Films ist dramatisch, emotional und es bleibt in den Köpfen hängen, obwohl dieses der ein oder andere Comic-Fan vielleicht schon so ähnlich kommen sah (doch diesen kann man es sowieso selten recht machen).

Bemerkenswert ist die widersprüchliche Tatsache, dass ein Arzt, der den Fall des Electro näher unter die Lupe nimmt und somit quasi das Rätsel um ihn aufklären will, ausgerechnet Kafka (!) heißt und den verrückten Professor gibt. Es wird im Laufe des Films nicht deutlich, warum der Name gewählt wurde, und lässt so Spielraum für eigene Gedanken. So gibt es also auch etwas für die tiefer denkenden unter dem Kino-Volk.

The Amazing Spider-Man: Rise of Electro ist ein bombastischer Spaß für Jung und Alt und hat auch einen Wiederanschauungs-Wert, der voraussichtlich auch beim dritten Mal nicht verlorengehen wird. Ich kann an dem Film eigentlich nichts Schlechtes finden, außer vielleicht die oben erwähnte, nicht gerade bahnbrechend neue Charakter-Zeichnung der bösen Buben. Doch es ist ja kein düsterer Nolan-Superheldenfilm, sondern ein „fröhlicher“, von lässigen Sprüchen getragener Spider-Man. Deswegen bekommt der Film von mir auch 8 von 10 Elektro-Schocks und ihr eine astreine Schau-Empfehlung!

 

Originaltitel: The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro

Kinostart Deutschland: 17.04.2014

Regie: Marc Webb

Darsteller: Andrew Garfield, Emma Stone, Jamie Foxx, Sally Field, Chris Cooper, Marton Csokas

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