Vali schreibt über: Don Jon – Der Film der Unsympathisanten

Don Jon stellt Joseph Gordon-Levitts Regiedebüt dar, welches sich auf jeden Fall sehen lassen kann. Joseph Gordon-Levitt, der nach Blockbustern wie Inception und The Dark Knight Rises dem ein oder Anderen ein Begriff sein sollte, beeindruckte mich immer wieder durch sein schauspielerisches Können, was auch in Don Jon keineswegs zu kurz kommt.

Die Geschichte ist mit der von Shame, mit Michael Fassbender, vergleichbar, lediglich besticht Don Jon mehr durch Humor und Charme, als mit Tragik. Der titelgebende Protagonist Don Jon ist ein eingebildeter, unsympathischer Macho-Typ mit strikt festgelegter Routine: „my body, my pad, my ride, my family, my church, my boys, my girls, my porn”. Wobei die Pornos die höchste Priorität für ihn einvernehmen, die nicht mal der Sex mit seinen zahlreichen One-Night-Stands ablösen kann. Seine Leidenschaft für eben diese, grenzt dabei schon stark an Suchtverhalten. Als er bei einem üblichen Club-Besuch (die unsympathische) Barbara Sugarman (Scarlett Johansson) kennenlernt und diese ihn mehr oder weniger abblitzen lässt, fühlt er sich herausgefordert und beide beginnen eine eher ernsthafte Beziehung. Barbara selbst besteht dabei allerdings auf die traditionelle Langzeitbeziehung, das heißt anfangs mit Verzicht auf jeglichen Sex. Mehr soll zur Story nicht verraten werden, denn wie die Beziehung langfristig mit Jons Pornosucht in Konflikt gerät, hält die ein oder andere eher unvorhergesehe Wendung bereit.

Wie der Titel bereits verrät, ist Don Jon ein Film voller unsympathischer Charaktere. Zuallererst Jon selbst: Ein typischer Macho mit Körperfetish, der mehr Zeit im Fitnessstudio, als mit seinen unsympathischen Freunden verbringt, ein unglaublich aggressiver Autofahrer ist und davon ausgeht, solange er wöchentlich seine Sünden beichtet, könne er machen, was er will. Außerdem verpasst er sich selbst den Beinamen „Don“ aufgrund seiner zahlreichen Techtelmechtel. Dann Barbara, die in ihrer perfekten-Romanze Blase schwebt, unerreichbar für jegliche Kritik, geschweige denn Einbringung anderer Meinungen. Jons Freunde, die typischen Club-Besucher, mit nichts anderes als Alkohol & Frauen im Sinn. Und zuletzt Jons Familie: der Vater wirkt selbst wie eine ältere Version von Jon, der sich für nichts anderes als Football interessiert. Während die Mutter für Jon sich nur das Beste wünscht, was für sie gleichbedeutend mit, das Beste für sie selbst ist. Dass sämtliche Charaktere einem nicht unbedingt gefallen ist jedoch keineswegs als Kritik gemeint, denn machen diverse Personen Entwicklungen durch, was sich positiv auf die Erzählung auswirkt.

Don Jon wirkt teilweise sogar wie eine Parodie auf die moderne Gesellschaft, wenn in gefakten Werbungen halbnackte Frauen offensichtlich anzüglich doppeldeutig Burger schnabulieren, oder im Kino nichts anderes als herzlose Action-Reisser oder hirnlose Liebesfilme („Special Someone“ mit Cameo-Auftritt von Channing Tatum!) läuft. Auch sämtliche Figuren wirken wie Abziehbildchen der typischen Idioten, die man halt so kennt. Beispielweise Jons Schwester, die in jeder Szene an ihrem Handy hängt, egal ob in der Kirche oder beim Essen.

Was mir besonders gefallen hat, wie Jons wöchentliche Routine dargestellt wird. Egal ob beim trainieren oder in der Kirche, jede Szene ist gleich aufgebaut mit identischer Kameraperspektive und Handlungsaufbau. Auch wenn Jon (wiedermal) Pornos ansieht, wird das im Laufe des Films nur noch mit dem Startton seines Laptops stilisiert. Ebenfalls der Soundtrack konnte mich überzeugen. Vor allem in der ersten Hälfte besticht Don Jon durch angenehm minimalistischen Elektro, der die jeweilige Szene untermalt. Mit dem kitschigen Ende und dem übermäßig dramatisierten letzten Drittel konnte ich mich jedoch gar nicht anfreunden, was mir letztendlich den Film auch etwas kaputt gemacht hat.

Insgesamt betrachtet ist der Film auf jeden Fall unterhaltsam und Joseph Gordon-Levitt sollte unbedingt seine Regisseurtätigkeiten weiterverfolgen. Allerdings kann ich Don Jon aufgrund seines schwachen letzten Drittels und dem (meiner Meinung nach) äußerst geringen Wiedersehwert nur mit 5 von 10 Sternen auf PornHub.com bewerten. Wer jedoch eine moderne Komödie, mit romantischen Einflüssen, sehen will, die sogar mit modernen Filmkonventionen bricht, sollte unbedingt zugreifen. Lediglich etwas mehr Feinschliff hätte dem Film gut getan.

Originaltitel: Don Jon

Kinostart Deutschland: 14.11.2013

Regie: Joseph Gordon-Levitt

Darsteller: Joseph Gordon-Levitt, Scarlett Johansson, Julianne Moore, Tony Danza

donjon

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