Jon schreibt über: The Counselor

Dass Ridley Scott in Sachen Regieführung in den letzten Jahren Schwächen zeigte ist nicht gerade eine Insider-Information. Prometheus, der sein früheres Werk Alien in Mitleidenschaft zog, war nicht nur für viele Ridley-Scott-Fans eine ziemliche Enttäuschung und auch Der Mann der niemals lebte, riss einen nicht unbedingt vom Hocker. Und nun – so denken viele – ist es wieder an der Zeit für einen richtigen Kracher und der Counselor soll es richten.

Der Counselor (Michael Fassbender) ist ein angesehener Anwalt, frisch verlobt, und mit Geldproblemen. Diese zwingen ihn dazu, sich mit dem Drogenboss Reiner (Javier Bardem) in Verbindung zu setzen. Der Counselor will einen einmaligen, lukrativen Deal, der ihn aus jeglichen Geldproblemen herausholen soll. Allen Mahnungen des allwissenden Westray (Brad Pitt) zum Trotz lässt sich der Counselor auf einen Deal mit dem mexikanischen Drogenkartell ein und muss dann mit aller Macht spüren, wie es ist, wenn die Mafia nicht das kriegt, was sie will. Denn der Deal geht nicht reibungslos von Statten und der Counselor zieht seine ganze Umgebung mit ins Verderben …

Hochglanzoptik, die schönsten Schauspieler, brutale und faszinierende Tode: Das zeichnet Ridley Scott aus. Doch eine Story, die keinen Spannungsbogen aufweist, kann auch die beste Optik nicht zu einem Meisterwerk machen. Obwohl die schauspielerische Leistung von Brad Pitt bis Cameron Diaz (sie war am überzeugendsten und erinnert in ihrem arrogant-kalten Schauspiel immer mehr an Ellen Barkin) wirklich gut ist, geht der Film eher schleppend voran. Man kann es ungefähr so festhalten, dass auf jede Action-Szene 10 Dialog-Szenen folgen. Das heißt jetzt mitnichten, dass diese Dialoge schlecht sind, im Gegenteil; und auch nicht, dass Action-Szenen unbedingt nötig wären. Denn Cormac McCarthy (der Drehbuchautor) zeigt wieder einmal  in toller Manier, wie man ein (Dreh-)Buch zu schreiben hat. Doch genau das ist das Problem. Der Counselor wäre im Grunde besser als Buch dran, als in Form eines Leinwandspektakels. Die Wortwechsel sind streckenweise überragend und man ist hört gebannt zu, wie Javier Bardem von einer intimen Szene mit Cameron Diaz (Ferrarifensterscheibe-Spagat-kein Slip) berichtet, doch gleichzeitig sind diese Szenen sehr langatmig, was auch zu einer Atmosphäre beiträgt, die ein Action-Banalitäten-Fan durchaus als Langeweile bezeichnen würde. Man kann wirklich sagen, dass in dem Sinn fast keine Spannung vorhanden ist. Grundlegendes Thema des Films sind Moral, was Frauen wollen und was nicht. Auch komische Szenen sind dabei, als zum Beispiel Brad Pitt die Frage stellt, warum Jesus nicht in Mexiko geboren ist (Die Antwort: in Mexiko gibt es weder 3 Weise, noch eine Jungfrau). Eine unfreiwillig komisch wirkende Szene gibt es auch, als Dean Norris (der Cop Hank in Breaking Bad) eine Ladung Drogen überprüft.

Die überzeugendste Darstellung lieferte (wie oben schon erwähnt) Cameron Diaz. Sie brilliert als Geliebte des Drogenbosses, die zunächst harmloser aussieht, als sie eigentlich ist und bleibt in Erinnerung als die unnahbare Frau, die die Männer und auch sonst alles in der Hand hat. Während Penélope Cruz als brave Verlobte eher blass bleibt, macht Brad Pitt eine gewohnt lässige Figur und spielt die Rolle des Sprücheklopfers souverän. Auf ihn wartet im Laufe des Films übrigens eine besonders angenehme, Scott-typische Überraschung. Michael Fassbender und Javier Bardem spielen beide überzeugend, aber besonders auffallen tun sie dabei auch nicht (im Gegensatz dazu: Anton Chigurh aus No Country for Old Men). Was in letzter Zeit anscheinend in Mode gekommen ist, ist die Sensibilität männlicher, normalerweise harter Kerle. Fassbender weint Rotz und Wasser und ist mit seiner Situation allein. „Die Gier nach Geld lässt einen scheitern“ ist die Quintessenz.

The Counselor hat mich nicht überzeugt. Coole Optik und ein paar einigermaßen überraschende Wendungen reichen nicht aus. McCarthy sollte bei den Romanen bleiben und seine Bücher adaptieren lassen. Dieses Rezept ist bisher doch aufgegangen. Und Ridley Scott sollte sich wieder auf Projekte konzentrieren, die wenigstens einen Hauch von Klimax aufweist. Schauspieler und Bild gut, Story nicht. 5 von 10 zu gründliche Fensterputzer.

Originaltitel: The Counselor

Kinostart Deutschland: 28.11.2013

Regie: Ridley Scott

Darsteller: Michael Fassbender, Javier Bardem, Cameron Diaz, Brad Pitt

counselor

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