Vali schreibt über: Elysium – Matt Damon vs. Team America

Elysium steht im Lateinischen für eine Insel der Seligen, auf der von Göttern ausgewählte Helden ihr Leben in Unsterblichkeit verbringen. In Neill Blomkamps dystopischer Zukunftsvision ist Elysium der Name einer luxuriösen Raumstation, auf der die wenigen Schönen & Reichen ihr paradiesisches Dasein verbringen, während der Rest der Menschheit (unter anderem Meth Damon) in den heruntergekommenen Resten der Erdenzivilisation vor sich hin vegetiert. So kommt es, dass Mäth Damön durch einen stark konstruierten Vorfall nur noch 5 Tage zu leben hat und seine Rettung allein in der Krankenversorgung Elysiums sieht. Also wirft er sich ein schniekes Exoskelett über und versucht auf die Raumstation zu kommen und legt sich dementsprechend mit Jodie Foster und ihrer Einwandererbehörde an. So viel sei mal zur Story verraten.

Nach District 9 hatte ich große Erwartungen an Blomkamps zweiten Kinofilm und Elysium wurde diesen nicht gerecht. Zwar kreierte Blomkamp eine passende Parabel bezüglich der aktuellen Situation des Gesundheitssystems sowie der Einwanderungspolitik, cineastisch konnte diese mich aber nicht überzeugen. Die Charaktere wirken platt und klischeebehaftet und zeigen keinerlei persönliche Entwicklung auf. Protagonist Määätt Damon – der mir übrigens so vorgekommen ist, als würde er den halben Film über bewusstlos oder jammernd durch jede Szene geschleift – wird zum unfreiwilligen Retter der Menschheit. Währenddessen wird er vom in Power Rangers-Manier durch die Gegend stiefelnden, bitterbösen Söldner Sharlto Copley (ganz nebenbei der stärkste Schauspieler in Elysium) verfolgt, der durch sein massives Ego konsequent daran gehindert wird, irgendetwas Relevantes in dem Film zu erreichen. Verteidigungsministerin Jodie Foster scheint ohnehin eine ziemliche Pfeife in ihrem Job zu sein, wenn sie schon bei ein paar Flüchtlingsshuttles in Panik gerät und einfach mal alles in die Luft jagt. Außerdem sollte sie sich mal mehr Personal anstatt nur einem einzigen soziopathischen Feldagenten zulegen. Ohne an dieser Stelle zu spoilern wirkt das Ende vorhersehbar und aufgesetzt, vor allem die Rückblenden an Mett Damons Omi nerven – welche eine überflüssige Erklärung für den ganz unaufmerksamen Zuschauer darstellen. Und wer zur Hölle trägt eigentlich ein Bild von der Erde in einem Medallion mit sich rum?

Dennoch hat mich der Film vor allem durch seine Bildgewalt beeindruckt, die (gottseidank) ohne überflüssiges 3D auskommt. Auch die Effekte und der Sound können sich sehen lassen, wenn man mal die unterdurchschnittliche deutsche Synchronisation ignoriert.

Allerdings hätte ich mir doch gerne die 8€ fürs Kino gespart, denn die 109 Minuten des Films vergehen doch recht langsam. Die allzu offensichtliche Botschaft, dass das Gesundheitssystem der USA veraltet und die Einwandererpolitik sowieso äußerst fragwürdig ist, vermag dabei nämlich nichts mehr zu retten. Auch so manche Logiklücke hätte ich gerne übersehen, wenn zum Beispiel Copleys halbes Gesicht weggesprengt wird, dieses aber ohne Probleme wieder zusammengepuzzlet werden kann, scheint ja Elysium die Grenzen der Sterblichkeit schon sehr nach Skriptbedarf zu biegen und brechen.

Der Film hat seine Momente, aber auch viele Schwächen: Auf Dauer langweilt die Action mehr, als das sie unterhält und der Film streckt sich zum Finale hin zunehmend. Selbst Neill Blomkamp behauptete letztens, dass er gerne einiges an dem Film anders gemacht hätte. Ich bewerte Elysium mit 3 von 10 nicht – vorhandenen allgemeinen Gesundheitssystemen der USA und hoffe mal, dass Blomkamp sein nächstes Projekt (Chappie) mit Die Antwoord- Mitgliedern Ninja und ¥oLandi Vi$$er nicht in den Sand setzt.

Elysium

Originaltitel: Elysium

Kinostart Deutschland: 15. August 2013

Regie: Neill Blomkamp

Darsteller: Matt Damon, Jodie Foster, Sharlto Kopley, Alice Braga

 

Schosch schreibt über: Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) – Nicht in Schubladen denken

Michael Keaton ist wieder zurück! Nach einer gefühlten Ewigkeit ist der Altschauspieler, der unter anderem durch die Tim Burton Filme Beetlejuice (1988), Batman (1989) und Batman Returns (1992) bekannt wurde, wieder auf der großen Leinwand zu sehen. Nach diesen kommerziell erfolgreichen Filmen wurde es etwas still um ihn. Auch wenn er immer wieder in Film- und Fernsehproduktionen mitwirkte, schaffte Keaton nie den Sprung in die oberste Schauspielerliga. Doch dies gelang ihm schließlich durch den Film Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit). Meiner Ansicht nach, ein gelungenes Comeback.
Alejandro González Iñárritu, Regisseur von unter anderem Babel und 21 Gramm, hat sich bei seinem neuesten Werk nicht lumpen lassen und teilt mit subtiler Leichtigkeit Seitenhiebe auf Superhelden, Blockbuster und den Broadway aus und kreiert mit Birdman einen der interessantesten Filmen dieses/letzten Jahres.

Die Handlung von Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) lässt sich nicht so einfach erklären, denn es steckt mehr dahinter als man auf den ersten Blick sieht, doch die Grundthematik ist folgende:

Der ehemalige Hollywoodstar Riggan Thomson (Michael Keaton) will dem Filmbusiness zeigen, dass er mehr sein kann als nur ein eindimensionaler „Batman-Klon“. Deswegen inszeniert er am Broadway das Theaterstück „What We Talk About When We Talk About Love“ und ist Hauptdarsteller und Regisseur zugleich. Doch das Stück steigt ihm zu Kopf und Riggan fantasiert sich immer wieder seine eigene Realität zurecht. In den Tagen vor der Aufführung gerät er immer mehr in finanzielle, persönliche und mentale Konflikte, sei es mit seinem Darstellerkollegen, dem exzentrischen Mike Shriner (Edward Norton), seiner Tochter (Emma Stone) oder seinem Alter-Ego Birdman.

Eine bemerkenswerte filmische Leistung hat der Regisseur Alejandro González Iñárritu hier auf die Leinwand gezaubert. Birdman glänzt durch eine so fließende Kameraführung, die den Anschein erweckt, dass alles in einem Stück gedreht wurde (One-Shot). Dabei wurde zwar hin und wieder getrickst und einige Schnitte erkennt man doch, aber alleine schon der Aufwand, der hier geleistet wurde, muss gewürdigt werden. Anfänglich etwas befremdlich und ungewohnt, aber sobald man sich daran gewöhnt hat, wird man förmlich in den Film hineingezogen und es fühlt sich an, als würde man live dabei sein oder im Theater sitzen. Fast der ganze Soundtrack beschränkt sich auf die Jazzmusik des Drummers Antonio Sanchez und gibt den Szenen eine gewisse Spannung und Wichtigkeit. Der Film vermischt spielerisch die Grenzen zwischen Fiktion und Realität, denn reale Schauspieler und Produktionen werden erwähnt oder in die Wahnvorstellungen von Riggan eingebaut. Birdman bricht die allgemein bekannten Erwartungen und kreiert einen speziellen Unterton (Metaebene), denn Birdman ist Theater im Theater, kritisiert Kritiker und spielt mit den gängigen Klischees der Filmbranche, nur um sie dann zu brechen.

Nicht nur die Inszenierung ist überragend, sondern auch die schauspielerische Leistung sämtlicher Darsteller. Alle werden authentisch und gleichzeitig sympathisch dargestellt. Michael Keaton spielt den ehemaligen Superstar mit Hang zur Selbstzerstörung grandios und nachvollziehbar. Doch die schauspielerische Oberhand in Birdman hat eindeutig Edward Norton, der jedem die Show stiehlt, wenn er in einer Szene dabei ist. Er spielt den exzentrischen Starschauspieler Shriner unglaublich authentisch und mit viel Charme. Schade, dass er ab der zweiten Hälfte des Filmes seltener vorkommt. Auch die anderen Darsteller (u.a. Emma Stone, Zach Galifianakis) glänzen mit fantastischem schauspielerischem Können.

Mit einer Laufzeit von 119 Minuten ist Birdman fast perfekt und hat die Oscar-Nominierung für Besten Film eindeutig verdient. Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) bekommt daher von mir meine bis jetzt höchste Bewertung, nämlich 9 von 10 unbezahlte Taxifahrer.

Originaltitel: Birdman or (The Unexpected Virtue of Ignorance)

Erscheinungsjahr: 2014

Regie: Alejandro González Iñárritu

Darsteller: Michael Keaton, Edward Norton, Emma Stone, Zach Galifianakis, Naomi Watts

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Jon schreibt über: American Sniper

Bradley Cooper hat den Aufstieg in Hollywoods oberste Liga geschafft. Man muss das anerkennen, wenn man bedenkt, dass sein wohl erster Hit die Las Vegas-Komödie Hangover war. Mittlerweile zweifelt jedoch keiner mehr an seinen schauspielerischen Leistungen – spätestens nach American Hustle und seinen Paraderollen in Kombination mit Jennifer Lawrence. Doch American Hustle soll nicht sein letzter, der westlichen Kultur angelehnter Streifen bleiben, denn Clint Eastwood hat ihn nun in seinem im Irak-Krieg spielenden Film American Sniper an Bord geholt. Der Film sollte im Deutschen übrigens Stolz der Nation heißen, was aber mittlerweile offensichtlich und glücklicherweise wieder zurückgenommen wurde, da vielleicht einige diesen Titel wohl doch als sehr problematisch angesehen hätten und er in Anlehnung an Inglorious Basterds (Frederik Zoller als Ami-tötender Nazi-Held) ein nicht gerade passender Name für ein ernstes Kriegsdrama gewesen wäre.

Der Film handelt von dem Navy Seal Chris Kyle, der während des Irak-Kriegs zum besten Sniper seiner Kompanie und somit auch zum Kriegshelden avanciert. Während seine Frau (Sienna Miller) zuhause mit seinem Sohn das besorgte Leben führt, begibt sich Kyle jeden Tag in Lebensgefahr, um seine Mitsoldaten zu beschützen. Er gerät immer tiefer in den Kriegssumpf und es fällt ihm zusehends immer schwerer, sich von den Erlebnissen im Irak seelisch abzugrenzen.

Aufgrund des unermesslichen Erfolges an den Kinokassen in den USA kann man vermuten, dass es sich hier um einen wirklich bewegenden und außerordentlich guten Anti-Kriegsfilm handelt, der die Massen berührt, so wie es einst Der Soldat James Ryan tat. Doch diese Emotionen bleiben in American Sniper auf der Strecke. Meines Erachtens findet hier kein Leidensprozess von Chris Kyle statt, denn die verhältnismäßig kurzen Ausschnitte aus seinem Leben in den USA bei seiner Frau fallen sehr gemäßigt und ruhig aus. Außer einigen Drinks in seiner Kneipe scheint sich Kyle alias Cooper keine großen Ausrutscher zu leisten. Besser und glaubwürdiger sind dagegen die Szenen, welche das Kriegsgeschehen zeigen. Es sind verstörende Aufnahmen und Situationen, welche durchaus dramatisch sein können und in einer Person Schaden anrichten können. So muss beispielsweise ein Kind erschossen werden, das offensichtlich eine Gefahr darstellt. Die Grundlage für eine innere Zermürbung wäre also geschaffen. Stattfinden tut sie jedoch nicht.

Es ist nun zwar billig, zu behaupten, dass Clint Eastwood hier eine politische Aussage trifft, aber diese These ist teilweise durchaus berechtigt. Es wird ihm bereits vorgeworfen, in diesem Film den Irak explizit mit dem Terror zu verknüpfen, wie es einst George W. Bush mit der Achse des Bösen getan hat. Clint Eastwood – ein bekennender Republikaner – macht das hier meiner Meinung nach zwar nicht, er grenzt sich jedoch auch nicht davon ab. Denn die verherrlichende Darstellung eines „Kriegs-Helden“, der massenweise (160 um genau zu sein) irakische Terroristen tötet, überwiegt im Film ganz klar gegenüber der Darstellung, wie Kyle darunter „leidet“. Es kommt auch so daher, als seien plötzlich alle Iraker der amerikanischen Armee feindlich gesinnt. Es besteht kein Bezug zum Volk, wie es zum Beispiel in The Hurt Locker der Fall war, sondern der Schwerpunkt liegt ganz klar auf dem Töten von Feinden. Wenn man sich nun das stereotypische Bild, das man von den Amerikanern hat, zu Gemüte führt, ist es eigentlich kein Wunder, dass die Kassen nur so klingeln. Die zunehmende Abneigung gegenüber den Demokraten bestätigt diese These – offensichtlich muss wieder etwas Gravierendes passieren, damit das Lüstern der Amerikaner nach Kriegstreiberei wieder milde gestimmt werden kann.

Schauspielerisch ist es grundsolide, was einem geboten wird. Da es nicht sehr viele tragende Figuren in dem Film gibt außer Chris Kyle, seiner Frau und einigen Soldaten, könnten diese sich sehr positiv in die Erinnerung brennen. Doch das tun sie nicht wirklich. Cooper spielt nämlich nur den coolen, kaltblütigen Killer, der ab und zu mal sein Gesicht verzieht und Miller eben seine verzweifelnde Ehefrau, wie man sie schon in 100 anderen Filmen gesehen hat. Klar, diese Art von Kyle, welche als typisch amerikanisch dargestellt wird, da Veteranen und ähnliche Kaliber nicht viel an sich heranlassen, ist authentisch. Doch einen Tick mehr Ausreizung der Empathie-Kompetenz des Publikums kann man bei einem groß betitelten Anti-Kriegsdrama schon erwarten.

Lässt man alle beschriebenen, durchaus auch sozialkritischen Gesichtspunkte außer Acht, ist American Sniper ein Film, der unterhält, aber auch etwas zu lang geraten ist. Den Stoff für eine Familien-Ära – so scheint der Film schematisch aufgebaut zu sein – hat Eastwoods Drama nicht. Er hat die kontrovers diskutierte Autobiographie von Chris Kyle (er prahlt übrigens schon im Titel mit seinen knapp 200 Tötungen) gut als Film umgesetzt, aber vielleicht die falschen Schwerpunkte für einen Anti-Kriegsfilm gesetzt. Bradley Cooper geht im Oscar-Rennen gegen Michael Keaton und Co. unter und wenn dieser Film die Trophäe für den Besten Film gewinnt, habe ich den Glauben an diese Verleihung verloren, welcher heuer aufgrund der Nominierung (und einigen anderen Gründen) sowieso schon angeschlagen ist.

American Sniper erfüllt bei weitem nicht, was er verspricht und scheint auf das amerikanische Publikum zugeschnitten zu sein, da dieses einen anderen, subjektiveren Zugang zu diesem Thema hat. Objektiv betrachtet ist er ein Kriegsfilm mit ordentlicher Aufmachung und einer verhältnismäßig geregelten Portion Patriotismus. Mit derselben im Ton vergreifenden Machart wie Eastwood schließe ich mit 4 von 10 selbstverherrlichenden Childshots.

 

Originaltitel: American Sniper

Kinostart Deutschland: 26.02.2015

Regie: Clint Eastwood

Darsteller: Bradley Cooper, Sienna Miller

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Hier gibt´s alle bisher veröffentlichten Kritiken und Artikel

#:

5 Zimmer,Küche, Sarg (2014)

A:

Amazing Spider-Man 2, The (2014)

American Hustle (2013)

American Sniper (2015)

A Million Ways to Die in the West (2014)

Anchorman (2004)

Anchorman 2 (2014)

Avengers 2: Age of Ultron (2015)

B:

Birdman oder(Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) (2015)

Bewertungstabelle

C:

Chappie (2015)

Cottage Country (2013)

Counselor, The (2013)

D:

Dallas Buyers Club (2013)

Das ist das Ende  (2013)

Dating Queen (2015)

Don Jon (2013)

Drachenzähmen leicht gemacht 2 (2014)

E:

Elysium (2013)

F:

Fury (2014)

G:

Grand Budapest Hotel (2014)

Guardians of the Galaxy (2014)

Guardians of the Galaxy (Gastkritik) (2014)

H:

Hercules (2014)

Hobbit, Der – Smaugs Einöde (2013)

Hobbit, Der – Smaugs Einöde (Gastkritik) (2013)

Hobbit-Special von Jon (2014)

I:

Interstellar (2014)

J:

Jurassic World (2015)

K:

Kung Fury (2015)

L:

Legend of Hercules, The (2014)

LEGO Movie, The (2014)

M:

Machete Kills (2013)

Mad Max: Fury Road (2015)

Maleficent (2014)

N:

Non Stop (2014)

O:

Oh Brother where art thou? (2000)

Oscar-Feature von Jon (2014)

P:

Planet der Affen: Revolution (2014)

Prisoners (2013)

Punisher – War Zone (2008)

Q:

R:

Return of the First Avenger, The (2014)

S:

Sheonado von Jon (2014)

Sin City: A Dame to Kill For (2014)

Snowpiercer  (2013)

St. Vincent (2014)

T:

Tanz der Teufel (1981)

Tanz der Teufel 2 (1987)

Thor 2 – The Dark Kingdom (2014)

Total Recall (1990)

Tribute von Panem, Die – Catching Fire (2013)

U:

V:

W:

Walter Mitty (2014)

Wolf of Wall Street, The (2013)

World War Z (2013)

World´s End, The (2013)

X:

X-Men: Zukunft ist Vergangenheit (2014)

Y:

Z:

Vali schreibt über Fury / Herz aus Stahl – Brad Pitt gewinnt den Zweiten Weltkrieg

Sabotage-Regisseur und Autor von Filmen wie The Fast and the Furios hat sich schon letztes Jahr mit Ersterem nicht wirklich mit Ruhm bekleckert. Einen alternden Action-Star nochmal mit einem pseudo-komplexen Schießbuden-Theater auf die Leinwand zu bringen erwies sich auch als weniger gute Idee. Doch was soll schon mit einer guten alten Zweiten Weltkriegs-Thematik schief gehen, der die schrecklichen Seiten der damaligen Zeit beleuchtet – vor allem wenn Hollywood-Galionsfigur Brad Pitt im Scheinwerferlicht steht? Ziemlich viel um genau zu sein…

Oberste Priorität in einem „Anti“-Kriegsstreifen hat natürlich der unerfahrene Jüngling und Publikumssympathisant – hier verkörpert von Logan Lerman (kennt man aus irgendwelchen Filmen, meh). Der Jüngling war logischerweise noch nie in ein Gefecht verwickelt, hat geschweige denn mal eine Waffe in der Hand gehalten, dementsprechend wenig begeistert zeigt sich die Stereotypen-Truppe um Brad Pitt. Zu einem wäre da Shane aus The Walking Dead, der ein Arsch ist. Shia LaBeouf ist die religiöse Nase der Einheit und nervt gleichermaßen den Zuschauer wie seine Kollegen mit bibelbegeistertem Geschwafel – ein Arsch ist er übrigens auch. Michael Pena gibt als mexikanischer Arsch der Einheit eine multikulturelle Note. Wie es sich aus meiner Personenbeschreibung möglicherweise erahnen lässt, können sich unsere tapferen Amerikaner eher weniger leiden. Das tun sie auch, manchmal jedoch auch nicht – je nachdem ob es gerade zum Skript passt. So gibt sich Brad Pitt Mühe, einen vom Krieg gezeichneten Veteranen zu porträtieren, welcher mit seiner Vergangenheit genauso ringt wie mit den Geschehnissen der Gegenwart – zumindest im ersten Drittel des Filmes. Irgendwann scheint den Autoren nämlich eingefallen zu sein, dass man möglicherweise nicht alle auftretenden Protagonisten des Films hassen sollte, da kann man schon mal so unwichtige Kleinigkeiten wie eine Charakterentwicklung vergessen. Wer genau hinsieht, kann sogar genau erkennen wann sämtliche Personen auf einmal anfangen sich ganz doll liebzuhaben. Unausgegorene Figuren und nicht vorhandene Charakterentwicklung könnte man ja noch verschmerzen, wenn wenigstens ein passabler Film dabei herauskommt. Doch selbst seine Inszenierung schafft Ayer gründlich in den Sand zu setzen: Während wir zu Beginn und noch mit authentischen Szenerien konfrontiert sehen, die den Schrecken des Kriegs angemessen einzufangen scheinen, weicht dieser Aspekt abermals unnötigen Story-Konstruktionen und direkt lachhaft wirkenden „Zufällen“. So wird eine von Nazis befreiten Stadt von lautlosen sowie unsichtbaren Bombern auf deutschem Boden (!) angegriffen, nur damit der Jüngling einen Schicksalsschlag erleiden darf und unsere Spaß-Truppe es schafft über die einzige Mine in ganz Deutschland zu fahren. Sämtliche deutschen Soldaten bringen es natürlich nicht ansatzweise, einen einzelnen Panzer auch nur ansatzweise zu treffen und wenn man bedenkt, wie lange selbige brauchen um von A nach B zu marschieren, sollte es tatsächlich niemanden wundern, warum die Deutschen den Zweiten Weltkrieg verloren haben. Hätte man mal lieber die Soldaten schneller laufen, anstatt singen gelassen. Zum letzten Gefecht ist es übrigens üblich, erstmal die Munition vor der Tür stehen zu lassen, dann hat man immerhin nochmal die Möglichkeit, an die frische Luft zu kommen. SPOILER: Den Vogel schießt jedoch natürlich Brad Pitt ab, der heroische Anführer des unserer fünf Gaudiburschen. Vom Anfang des Films mal abgesehen personifiziert selbiger den Inbegriff des amerikanischen Soldaten, welcher sich tapfer für Land und Kameraden aufopfert, dabei selbst nach Ableben keinen Kratzer beherbergt. Hätte die Welt doch nur mehr Brad Pitts… SPOILER-Ende

Visuell macht Fury schon mehr richtig: (Schon wieder) zu Beginn des Films hätte man das Kriegstreiben nicht besser in Szene setzen können. Die unnötig aufdringliche und vor allem nervige musikalische Untermalung fällt hingegen schon negativer auf. Liebes Hollywood, manchmal kann man auch einfach Bilder für sich sprechen lassen, anstatt mit Piano-Geklimper dem Zuschauer eine bestimmte Emotion direkt ins Gesicht zu drücken.

Abschließend lässt sich sagen, dass man vielleicht lieber ein siebtes Mal Der Soldat James Ryan angucken sollte, bevor man auch nur ansatzweise daran denkt, Geld für einen unnötigen Möchtegern-Antikriegsfilm auszugeben. Fury erhält von mir 3 von 10 nackten Brad Pitts, die auf einem strahlenden Panzer persönlich nach Berlin fahren, um den Krieg zu gewinnen.

Fury

Schosch schreibt über: St. Vincent – Mit Bill Murray

Die Geschichte des alten, merkwürdigen und auf den ersten Blick sehr unsympathischen Nachbarn, der durch ein Kind seinen wahren Charakter offenbart und jenem zeigt, wie man sich in der Welt behauptet, ist sicher nichts Neues im Kino. Ein bekannteres Beispiel  einer solchen Thematik ist wohl Clint Eastwoods „Gran Torino“. Auch wenn man vieles in St. Vincent erahnen kann, packt einen doch die mehr oder weniger originelle Art des Filmes.

In St. Vincent geht es um den Vietnam-Veteranen Vincent Canatella (Bill Murray), der ein ziemlicher Unsympath und Misanthrop ist. Er trinkt schon mittags, ist ein notorischer Spieler und hat ständig Geldprobleme. Trotzdem hat der zehnjährige Nachbarjunge Oliver Bronstein (Jaeden Lieberher) einen Narren an ihn gefressen. Und als Vincent mal für Oliver den Babysitter spielt, sieht er einen Ausweg aus seinen kleinen Geldproblemen. Daraufhin begleitet Oliver ihn auf seiner täglichen Routine, die aus Bar, Pferderennbahn und Pflegeheim besteht. Zwischen den Beiden entwickelt sich langsam eine innige Freundschaft.

Das einzige was ich von St. Vincent anfänglich wusste war, dass Bill Murray mitspielte. Und da ich ein alter Bill Murray-Fan bin, hab ich mir dann den Trailer dazu angesehen. Danach war ich nicht so überzeugt von St. Vincent, vor allem weil mir die Thematik nicht gefiel und Melissa McCarthy dabei war. Doch zufällig stieß ich dann auf diesen Ausschnitt aus dem Film, der mich dann doch etwas neugierig gemacht hat.

Die Figur von Vincent wird in üblicher Bill Murray-Manier gespielt, was jetzt kein Kritikpunkt sein soll, denn er verkörpert die Rolle genauso wie man es erwartet und man ist auch dann mit dem Endergebnis zufrieden. Die von Naomi Watts porträtierte schrille Prostituierte Daka, die trotz Schwangerschaft weiter zu Freiern geht und an der Stange tanzt, wird mit einem, für meinem Geschmack etwas leicht übertriebenen, russischen Akzent gespielt, was aber die solide schauspielerische Leistung nicht mindert. Der Nachbarjunge Oliver wird glaubhaft und passabel von Jungschauspieler Jaeden Lieberher verkörpert. Melissa McCarthy, die sonst immer in mehr oder weniger mittelmäßigen Komödien und Comedy-Serien anzutreffen ist, schafft es (ich war sehr verwundert darüber), ihre Figur gut und mit Herz rüberzubringen. Im Großen und Ganzen ein sehr stimmiger Hauptcast und auch die Nebendarsteller, unter anderem Chris O’Dowd (The IT Crowd) als katholischer Priester/Lehrer und Terrence Howard (Der Butler) als Geldeintreiber,  wurden gelungen dargestellt. Doch leider stehen sie alle im Schatten von Bill Murray, der jede einzelne Szene dominiert.

Doch gute schauspielerische Leistungen kaschieren nicht eine etwas langweilige und klassische Geschichte, die ab und an was Neues bietet, aber nicht das Rad neu erfindet und ständig unterhält. Auch das vorhersehbare letzte Drittel und das „Happy End“ haben mich nicht ganz gepackt, auch wenn ich davon schon ein oder zweimal feuchte Augen bekommen habe. Die Komik des Filmes besteht fast hauptsächlich daraus, dass Bill Murray sein Ding macht und der kleine Oliver mit einer Mischung aus Naivität und besserwisserischen Sprüchen seinen Kommentar dazu gibt.

Die Musik schwankt zwischen altem Hippie Psychedelic Rock, Folksongs und neumodisches Hipstergewaber. Fast jedes Lied untermalt die Gefühlslage der handelnden Figuren und dadurch wirken die Szenen eher plump und verleihen ihnen einen aufdringlichen Unterton. Die grandiose Bob Dylan-Szene ist natürlich davon nicht betroffen.

St. Vincent ist eine Komödie mit vielen dramatischen Szenen, die einem schon mal eine Träne abverlangt. Doch da die Geschichte eher klassisch gehalten ist und mit ca. 100 Minuten etwas zu lang ist, bekommt der Film (trotz Bill Murray) 6 von 10 Bourbon Flaschen.

 

PS: Für alle Edgar Wright Fans: Ich glaub die Richterin ist die Ladenbesitzerin mit dem Scharfschützengewehr aus Hot Fuzz, die nicht zielen kann.

 

Originaltitel: St. Vincent

Erscheinungsdatum: 8.1.2015

Regie: Theodore Melfi

Darsteller: Bill Murray, Mellisa McCarthy, Naomi Watts, Jaeden Lieberher

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Wir präsentieren: Die schlechtesten Filme des Jahres 2014

Jon:

  • The Expendables 3 (0 von 10): Unterste Schublade des Action-Kinos. Eine Frechheit, dass so etwas in den Kinos erscheinen darf. Blödes Gelaber und Geballer ohne Hand und Fuß.
  • A Million Ways to Die in the West (1 von 10): Könnte genauso gut auf Platz 1 der Flops stehen, denn an diesem Film ist wirklich nichts gut und es tut mir jeder Leid, inklusive mir, der hier eine Eintrittskarte bezahlt hat. Die gesamte Kritik gibt es hier.
  • Transcendence (2 von 10): An sich eine gute Idee, die aber leider sehr dürftig und unglaublich langatmig umgesetzt wurde.
  • Die Zwei Gesichter des Januar (2 von 10): Hinkt der Buchvorlage von Patricia Highsmith müde hinterher und kann diese bei weitem nicht einholen.
  • Maze Runner (3 von 10): Die nächste 0815-Jugendbuchverfilmung mit derselben Thematik und einer Handlung, die jeder Hobby-Autor in einer Nacht niederschreiben könnte.
  • Die Bestimmung: Divergent (3 von 10): Siehe Platz 5.
  • Dumm und Dümmehr (3 von 10): Jim Carey reist rum und kümmert sich um die vermeintliche Tochter seines Kumpels. Ein wahrhaft miserabler Film.

 

Vali:

  • The Walking Dead – Season 5 (2 von 10): Mein Platz 1 ist eine Serie, die durch konsequent nachlassende Qualität zu beeindrucken vermag. Die erbarmungslose Ignoranz einer guten Comic-Vorlage sowie eine lächerliche Inszenierung banal-uninteressanter Ereignisse inklusive entfremdeter Charaktere hat mich mittlerweile The Walking Dead-abgeschreckt. Unsere Gedanken zu ersten Folge der 5. Staffel gibt es hier.
  • Sin City 2 (2 von 10): Die Fortsetzung zu einem meiner Lieblingsfilme versagt auf ganzer Linie. Sin City: A Dame to Kill For hat durch eine übereilte Inszenierung, fragwürdigen Designentscheidungen, Logiklöchern und einer falschen Person auf dem Regieposten geschafft, mir Lieblingscomic und -film madig zu machen.
  • Godzilla (3 von 10): Ein klassisches Opfer des eigenen Hypes. Godzilla beherbergt zu wenig Godzilla – und vor allem Bryan Cranston – und serviert uns stattdessen eine lieblose 08/15-Katastrophen-Story um einen gesichtslosen Nachwuchsschauspieler, der die Welt rettet.
  • Nymphomaniac 2 (4 von 10): Die zweite Hälfte verliert sich komplett in gezwungen provokanten Bildern, die während des ersten Teils noch zu unterhalten wussten. Eine lange Spieldauer macht eben nicht gleich einen guten Film…
  • Wolf Cop (4 von 10): Trash-Film mit zu wenig Trash – Wolf Cop war einfach enttäuschend. Einen tieferen Einblick gibt es hier.
  • Non-Stop (4 von 10): Liam Neeson gibt Leuten auf’s Fressbrett, diesmal auf einem Flugzeug, wow! Die gesamte Kritik gibt es hier.
  • Interstellar (5 von 10): Definitiv nicht der beste Film, auf den alle so lange gewartet haben. Einmal anschauen und nicht zu viel darüber nachdenken reicht.

 

Schosch:

  • The Legend of Hercules (0 von 10): Herkules löffelt den Nemëischen Löwen zu Tode und prügelt sich durch die antike Welt, um zu seiner großen Liebe zu gelangen. Die gesamte Kritik gibt es hier.
  • Kill the Boss 2 (1 von 10): Dumpfe und unlustige Fortsetzung eines wirklich guten ersten Teils. Schlechte Witze und verkorkste Anspielungen, die selten zünden. Sogar der großartigen Schauspieler Christopher Waltz und Charlie Day können daran leider nicht viel ändern.
  • Maleficent (2 von 10): Uninspirierte Neulauflage der Dornröschen-Geschichte. Mit einer hölzernen Angelina Jolie, schlechten Witzen, einer unnötigen Hintergrundgeschichte und einer langweiligen Welt hat es Disney wieder mal geschafft, ein klassisches Disney-Märchen in den Sand zu setzen. Wie konnte man nach Snowwhite and the Huntsman nur einen guten Realfilm von Disney erwarten. Die gesamte Kritik gibt es hier.
  • The Interview (2 von 10): Sehr unlustiger und stark konstruierter Film über ein Attentat auf den Anführer von Nordkorea. Von den Machern von This is the End hab ich mehr erwartet als nur eine Aneinanderreihung doofer Witze. Wenn man eine gute Parodie zu diesem Thema ansehen will, sollte man sich lieber Team America.
  • Hobbit 3: Die Schlacht der fünf Heere (2 von 10): Ich hatte keine Erwartungen, wurde aber trotzdem enttäuscht. Dennoch sind hier mal meine Top 5 Momente an dem dritten Teil der Hobbit-Trilogie: Kein HFR, kein 3D, nur 2 ½ Stunden lang, mein Sitzplatz (Balkon), vor dem Film wurde der Star Wars-Teaser gezeigt.
  • Anchorman 2 (3 von 10): Noch mieser als der erste Teil. Eine reine Sketch-Show ohne nennenswert gute Witze. Der zweite Teil kam zu spät nach dem ersten und meiner Meinung nach hätte er gar nicht erst gemacht werden sollen. Die gesamte Kritik gibt es hier.
  • Bad Neighbors (3 von 10): Sehr mittelmäßige Komödie, die man schnell wieder vergessen sollte, auch wenn Seth Rogen dabei ist.

 

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