Jon schreibt über: Avengers 2: Age of Ultron

Bei all den Marvel-Verfilmungen in letzter Zeit ist es wirklich schwierig, den Überblick zu bewahren. Nach dem letztjährigen The Guardians of the Galaxy kommt nun mit Avengers: Age of Ultron der nächste Superheldenverband in die Kinos. Die Regie übernahm wieder Joss Whedon, der bereits den ersten Teil realisierte und die Kult-Serie Firefly zu Beginn der 2000er erschuf. Mit einem Budget von unfassbaren 280 Mio. $ wurde am 24. April 2015 ein Blockbuster auf die Leinwand gebracht, wie es ihn noch nicht so oft gegeben hat.

Grundsätzlich kam, was kommen musste: Ein CGI-Spektakel mit bahnbrechenden, nicht enden wollenden Action-Sequenzen, welche die Handlung fast verdrängten. Doch gerade weil dies der erste Avengers-Film von 2012 so gut hinbekam, konnte man eigentlich hoffen, dass der Nachfolger mindestens genauso gut die Balance zwischen Actionlastigkeit/Unterhaltungswert und Ernsthaftigkeit/relativer Glaubwürdigkeit (soweit das bei einer Comic-Verfilmung möglich ist) halten kann.

Die Handlung von Avengers 2 findet fast zeitgleich zu der ersten Staffel der neuen Netflix-Serie Daredevil (bis Folge 10 eine durchaus empfehlenswert) und zur 2. Staffel von Agents of S.H.I.E.L.D. statt und knüpft an die Ereignisse aus Thor 2 und Captain America 2 an. Die Avengers kämpfen in bester Manier für das Gute in der Welt und verstehen sich am Anfang des Films noch prächtig bei wilden Verfolgungsjagden und Kloppereien. Das ändert sich, als sie eine Hydra-Station, unter der Leitung von Baron von Strucker, einnehmen und von den Zwillingen Quicksilver und Scarlett Witch attackiert werden. Diese sind im Marvel-Universum übrigens X-Men und haben Magneto himself als Vater. Die beiden haben aber nicht halb so viel Charme wie Michael Fassbender (er spielt Magneto in den neuen X-Men Filmen) und verspielen dann endgültig ihre Karten, indem sie sogar untereinander in gebrochenem Deutsch miteinander kommunizieren. Aufgrund der Enttarnung der Hydra-Organisation entscheidet sich Tony Stark – wer sonst – eine künstliche Intelligenz zu schaffen, welche die Erde vor jeglicher Bedrohung schützen soll. Dieses Programm macht sich jedoch selbstständig und so entsteht auch schon der neue Bösewicht mit dem aufreizenden Namen Ultron.

Die 141 Minuten vergehen wieder wie im Flug und man verliert bei der Actionlastigkeit wieder jegliches Zeitgefühl. Trotz alledem hat man über Strecken das Gefühl, dass sich eine Langatmigkeit einstellt. Dies ist zum Beispiel vor dem Endkampf der Fall, als die Avengers bei Hawkeye und seiner Frau unterkommen können. Diese Farm-Episode ist mit der zweiten Staffel Walking Dead zu vergleichen, da auch hier seltsame Dinge passieren, die dem Story-Verlauf nicht weiterhelfen und unnötig in die Länge ziehen. Auch sind in der Story ganz seltsame Tatsachen verankert, wie zum Beispiel das Internetzentrum in Oslo. Aber das sei mal dahingestellt.

Die Leichtigkeit und Spritzigkeit ist etwas verloren gegangen. Betrachtet man beispielsweise die höchstamüsante Szene aus dem ersten Avengers-Film, in der Hulk den Halbgott Loki einfach mehrmals in den Boden schleudert, muss man erkennen, dass es solche Szenen im zweiten Teil fast nicht mehr gibt. Am nächsten kommt da noch die Szene, in der Iron Man mit seinem Hulkbuster-Anzug den Hulk bekämpft. Die wirklichen Lacher werden nur durch unfreiwillige Komik verursacht. Beispielsweise der „Plottwist“, in dem offenbar wird, dass Hawkeye (sowieso schon eine unfreiwillig komische Figur) Frau und Kinder zu Hause hat. Diese Farce des Story-Tellings gipfelt in einem Gespräch zwischen ihm und seiner Frau, das ausschließlich aus leeren Worthülsen besteht – da hat der neue Terminator-Trailer ähnlich viel Tiefe. Wenn ein Ehegespräch so aussieht, ist das entweder die beste Ehe der Welt oder einer der beiden ist ein Superheld. Eine völlig aus der Luft gegriffene Liebesgeschichte, die nur gerechtfertigt gewesen wäre, wenn Jeremy Renner den Film-Tod hätte sterben müssen. Insgesamt könnte man sich eine bessere Charakter-Zeichnung von den kleineren Rollen erwarten, da ja alle auf einer Comic-Vorlage basieren und deshalb schon generiert sind. Die Maximoff-Geschwister werden mit ihrem Akzent verdorben und auch deren Schicksal geht am Ende nicht wirklich nahe. Scarlett Witch hat undefinierbare Fähigkeiten bzw. kann einfach alles. Quicksilver ist nicht nur schnell, sondern auch stark, denn sämtliche Gegner fliegen nur so durch die Luft. Auch Scarlett Johansson ging völlig unter in ihrer Rolle, da Black Widow – im Grunde wie Hawkeye – im Gegensatz zu den anderen Superhelden (Extrembeispiel Vision) aufgrund mangelnder Superkräfte einfach verblasst.

Das wirkliche Highlight des Films war abseits der Action-Szenen angesiedelt: Die Party, in der unter anderem die Avengers versuchen, Thors Hammer hochzuheben. Auch Don Cheadle als War Machine darf in dieser Szene seine humoristischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Doch auch der Partycrasher Ultron ist nicht von schlechten Eltern und hat seine Momente, wenn es um Unberechenbarkeit und Situationskomik geht.

Joss Whedon scheint mit Age of Ultron seinen kreativen Zenith mehr als überschritten zu haben, dementsprechend ist es möglicherwiese gar nicht mal so verkehrt, dass das Avengers-Zepter weitergereicht wird. Auch wenn die Verpflichtung der Russo-Brüder für das Avengers-Flaggschiff nach einem mehr oder weniger überzeugendem Spionage-Thriller etwas gewagt ist. Avengers: Age of Ultron kann nicht erfüllen, was er versprochen hat. Er bleibt hinter den Erwartungen zurück und muss sich hinter Guardians of the Galaxy und dem ersten Avengers anstellen. Die storytechnischen und charakterlichen Schlampereien und die fehlende Spritzigkeit zwingen mich zu folgender Wertung: 6 von 10 blondierte, Hummel-Sportanzüge tragende Russen mit Hang zur slawischen Dialekterhaltung im internationalen Kino.

Originaltitel: Avengers: Age of Ultron

Kinostart Deutschland: 24.04.2015

Regie: Joss Whedon

Darsteller: Robert Downey Jr., Mark Ruffalo, Scarlett Johansson, Chris Hemsworth

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