Vali schreibt über Chappie – Der Die Antwoord-Film

Jaja, ich weiß: Hätte hätte Fahrradkette… Aber hätte Neill Blomkamp 2009 sein (Kinofilm-)Regiedebüt District 9 nicht so verdammt eindrucksvoll inszeniert, würde meine Chappie-Kritik möglicherweise(!) etwas positiver ausfallen. Doch eins nach dem anderen, worum geht’s in Chappie überhaupt?

Der junge Ingenieur Deon Wilson (Slumdog Millionaire-Dev Patel) revolutionierte die staatliche Sicherheit von Johannesburg über Nacht. Anstatt menschlicher Polizisten patrouillieren die mechanischen Sicherheitskräfte „Scouts“ die Ghettos der Metropole und schaffen es die Kriminalitätsrate auf ein Rekordtief einzudämmen. Alle sind begeistert, alle kaufen Scouts – zumindest alle bis auf Arbeitskollege und Hobby-Choleriker Hugh Jackman. Selbiger sieht sich nun nämlich mit seinem persönlichen Misserfolg „Moose“ – einer von Piloten gesteuerte Kampfdrohne / der feuchte Traum eines jeden Japaners – konfrontiert und plant seine persönliche Vendetta gegen Deon. In der Zwischenzeit stibitzt Deon ein Scout-Auslaufmodell um hinter dem Rücken seiner Chefin (Sigourney Weaver) eine eigens kreierte künstliche Intelligenz zu installieren. Auf seinem Heimweg wird Deon jedoch von den Kleinkriminellen Ninja (=Ninja) und Yolandi (=Yolandi) entführt. Unwichtiges Nebengeplänkel später ist Chappie geboren – welcher im Übrigen vom großartigen Sharlto Copley synchronisiert sowie gespielt wurde, was in der grottigen deutschen Synchronisation komplett flöten geht. So sehen sich die Möchtegern-Gangster von Die Antwoord mit der Erziehung eines künstlichen kleinen Kindes konfrontiert, welche von den polarisierenden Vorstellungen eines angemessenen Umgangs maßgeblich beeinflusst wird. Am Schluss geben sich übrigens Chappie und Moose hart aufs Fressbrett, aber das kann man sich ja mal sowas von denken, sobald das Ungetüm das erste Mal erwähnt wird…

Ich würde lügen zu behaupten, dass ich mit Chappie keinen Spaß hatte. Vor allem die Abschnitte mit Die Antwoord, welche einfach nur unglaublich surrealistisch und gleichzeitig überzogen auffallen, unterhielten. Dementsprechend passend wirkt der Soundtrack, den die südafrikanische Band größtenteils zu dem Geschehen beisteuert. Auch Chappies eigener persönlicher Werdegang wirkt authentisch sowie lebensnahe, wenn er sich beispielsweise zwischen Deons moralischen Vorstellungen und Ninjas desillusioniertem Überlebensstil hin- und hergerissen fühlt. Leider lässt genau dieser Aspekt bei sämtlichen anderen Figuren komplett zu wünschen übrig: Sigourney Weaver sehen wir (großzügig geschätzt) vielleicht 2 Minuten auf der großen Leinwand, sämtliche anderen Charaktere bleiben von sowas wie einer persönlichen Entwicklung komplett verschont. Yolandi ist die fürsorgliche Mutter, Ninja der strenge Vater, Deon eine übergeordnete Moralinstanz und Antagonist Hippo (keineAhnungvonwemgespielt) ist dermaßen konsequent angepisst, dass er bei sämtlichen Auftritten nur rumschreien und Leute abknallen kann (der arme Mann…). Den einzigen Hoffnungsschimmer dieser Scharade stellt dort immer noch Hugh Jackman dar, der zwar genauso blass wie seine Kollegen ausfällt, aber immerhin unterhaltsam seinen psychotischen Vokuhila-tragenden Choleriker spielt, dass man ihn nur dafür bewundern kann wie viel er aus einem nahezu nicht-vorhandenem Charakter ausschöpfen konnte.

Die durchschnittliche Story wird jedoch nicht nur von schwachen Persönlichkeiten, sondern sogar gleichzeitig von unzähligen Logiklöchern aus der Hölle getragen. Wenn Deons Firma beispielsweise über keine nennenswerte Sicherheitsvorkehrungen bis auf einen muskelbepackten Hugh Jackman zurückgreifen kann, wundert es mich nicht dass sämtliche Kriminellen in Johannesburg agieren, wie es ihnen beliebt! Versteht mich nicht falsch: Ich würde mich auf keinen Fall mit Vincent anlegen, aber es gibt ja Leute da draußen, welche ein wenig mutiger und/oder verrückter sind wie ich…

Nichtsdestotrotz kann ein Film nicht auf einem maroden Fundament bestehen und ob ich meinen Frieden mit dem absolut absurden Ende schließen kann, werde ich erst nach einer einwöchigen Meditation unter Die Antwoord-Beschallung feststellen können. Insgesamt betrachtet rate ich jedem, mit nicht allzu großen Erwartungen an den Film heranzugehen, da man ansonsten nur enttäuscht werden kann. Immerhin hat Blomkamp nicht ganz so tief wie bei Elysium ins Klo gegriffen, völlig sauber kommt sein Arm aus der Angelegenheit aber auch nicht raus. Dementsprechend erhält Chappie 3 von 10 Roboter-Fistbumps plus einen unbeabsichtigten Bonus-Trashpunkt. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass Blomkamp Alien 5 nicht in den Sand setzt, im Weltall hört uns nämlich niemand schreien…

chappie

Originaltitel: Chappie

Kinostart Deutschland: 4. März 2015

Regie: Neill Blomkamp

Darsteller: Sharlto Copley, Hugh Jackman, Yolandi Visser

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Ein Gedanke zu „Vali schreibt über Chappie – Der Die Antwoord-Film

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