Schosch schreibt über: Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) – Nicht in Schubladen denken

Michael Keaton ist wieder zurück! Nach einer gefühlten Ewigkeit ist der Altschauspieler, der unter anderem durch die Tim Burton Filme Beetlejuice (1988), Batman (1989) und Batman Returns (1992) bekannt wurde, wieder auf der großen Leinwand zu sehen. Nach diesen kommerziell erfolgreichen Filmen wurde es etwas still um ihn. Auch wenn er immer wieder in Film- und Fernsehproduktionen mitwirkte, schaffte Keaton nie den Sprung in die oberste Schauspielerliga. Doch dies gelang ihm schließlich durch den Film Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit). Meiner Ansicht nach, ein gelungenes Comeback.
Alejandro González Iñárritu, Regisseur von unter anderem Babel und 21 Gramm, hat sich bei seinem neuesten Werk nicht lumpen lassen und teilt mit subtiler Leichtigkeit Seitenhiebe auf Superhelden, Blockbuster und den Broadway aus und kreiert mit Birdman einen der interessantesten Filmen dieses/letzten Jahres.

Die Handlung von Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) lässt sich nicht so einfach erklären, denn es steckt mehr dahinter als man auf den ersten Blick sieht, doch die Grundthematik ist folgende:

Der ehemalige Hollywoodstar Riggan Thomson (Michael Keaton) will dem Filmbusiness zeigen, dass er mehr sein kann als nur ein eindimensionaler „Batman-Klon“. Deswegen inszeniert er am Broadway das Theaterstück „What We Talk About When We Talk About Love“ und ist Hauptdarsteller und Regisseur zugleich. Doch das Stück steigt ihm zu Kopf und Riggan fantasiert sich immer wieder seine eigene Realität zurecht. In den Tagen vor der Aufführung gerät er immer mehr in finanzielle, persönliche und mentale Konflikte, sei es mit seinem Darstellerkollegen, dem exzentrischen Mike Shriner (Edward Norton), seiner Tochter (Emma Stone) oder seinem Alter-Ego Birdman.

Eine bemerkenswerte filmische Leistung hat der Regisseur Alejandro González Iñárritu hier auf die Leinwand gezaubert. Birdman glänzt durch eine so fließende Kameraführung, die den Anschein erweckt, dass alles in einem Stück gedreht wurde (One-Shot). Dabei wurde zwar hin und wieder getrickst und einige Schnitte erkennt man doch, aber alleine schon der Aufwand, der hier geleistet wurde, muss gewürdigt werden. Anfänglich etwas befremdlich und ungewohnt, aber sobald man sich daran gewöhnt hat, wird man förmlich in den Film hineingezogen und es fühlt sich an, als würde man live dabei sein oder im Theater sitzen. Fast der ganze Soundtrack beschränkt sich auf die Jazzmusik des Drummers Antonio Sanchez und gibt den Szenen eine gewisse Spannung und Wichtigkeit. Der Film vermischt spielerisch die Grenzen zwischen Fiktion und Realität, denn reale Schauspieler und Produktionen werden erwähnt oder in die Wahnvorstellungen von Riggan eingebaut. Birdman bricht die allgemein bekannten Erwartungen und kreiert einen speziellen Unterton (Metaebene), denn Birdman ist Theater im Theater, kritisiert Kritiker und spielt mit den gängigen Klischees der Filmbranche, nur um sie dann zu brechen.

Nicht nur die Inszenierung ist überragend, sondern auch die schauspielerische Leistung sämtlicher Darsteller. Alle werden authentisch und gleichzeitig sympathisch dargestellt. Michael Keaton spielt den ehemaligen Superstar mit Hang zur Selbstzerstörung grandios und nachvollziehbar. Doch die schauspielerische Oberhand in Birdman hat eindeutig Edward Norton, der jedem die Show stiehlt, wenn er in einer Szene dabei ist. Er spielt den exzentrischen Starschauspieler Shriner unglaublich authentisch und mit viel Charme. Schade, dass er ab der zweiten Hälfte des Filmes seltener vorkommt. Auch die anderen Darsteller (u.a. Emma Stone, Zach Galifianakis) glänzen mit fantastischem schauspielerischem Können.

Mit einer Laufzeit von 119 Minuten ist Birdman fast perfekt und hat die Oscar-Nominierung für Besten Film eindeutig verdient. Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) bekommt daher von mir meine bis jetzt höchste Bewertung, nämlich 9 von 10 unbezahlte Taxifahrer.

Originaltitel: Birdman or (The Unexpected Virtue of Ignorance)

Erscheinungsjahr: 2014

Regie: Alejandro González Iñárritu

Darsteller: Michael Keaton, Edward Norton, Emma Stone, Zach Galifianakis, Naomi Watts

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