Vali schreibt über Fury / Herz aus Stahl – Brad Pitt gewinnt den Zweiten Weltkrieg

Sabotage-Regisseur und Autor von Filmen wie The Fast and the Furios hat sich schon letztes Jahr mit Ersterem nicht wirklich mit Ruhm bekleckert. Einen alternden Action-Star nochmal mit einem pseudo-komplexen Schießbuden-Theater auf die Leinwand zu bringen erwies sich auch als weniger gute Idee. Doch was soll schon mit einer guten alten Zweiten Weltkriegs-Thematik schief gehen, der die schrecklichen Seiten der damaligen Zeit beleuchtet – vor allem wenn Hollywood-Galionsfigur Brad Pitt im Scheinwerferlicht steht? Ziemlich viel um genau zu sein…

Oberste Priorität in einem „Anti“-Kriegsstreifen hat natürlich der unerfahrene Jüngling und Publikumssympathisant – hier verkörpert von Logan Lerman (kennt man aus irgendwelchen Filmen, meh). Der Jüngling war logischerweise noch nie in ein Gefecht verwickelt, hat geschweige denn mal eine Waffe in der Hand gehalten, dementsprechend wenig begeistert zeigt sich die Stereotypen-Truppe um Brad Pitt. Zu einem wäre da Shane aus The Walking Dead, der ein Arsch ist. Shia LaBeouf ist die religiöse Nase der Einheit und nervt gleichermaßen den Zuschauer wie seine Kollegen mit bibelbegeistertem Geschwafel – ein Arsch ist er übrigens auch. Michael Pena gibt als mexikanischer Arsch der Einheit eine multikulturelle Note. Wie es sich aus meiner Personenbeschreibung möglicherweise erahnen lässt, können sich unsere tapferen Amerikaner eher weniger leiden. Das tun sie auch, manchmal jedoch auch nicht – je nachdem ob es gerade zum Skript passt. So gibt sich Brad Pitt Mühe, einen vom Krieg gezeichneten Veteranen zu porträtieren, welcher mit seiner Vergangenheit genauso ringt wie mit den Geschehnissen der Gegenwart – zumindest im ersten Drittel des Filmes. Irgendwann scheint den Autoren nämlich eingefallen zu sein, dass man möglicherweise nicht alle auftretenden Protagonisten des Films hassen sollte, da kann man schon mal so unwichtige Kleinigkeiten wie eine Charakterentwicklung vergessen. Wer genau hinsieht, kann sogar genau erkennen wann sämtliche Personen auf einmal anfangen sich ganz doll liebzuhaben. Unausgegorene Figuren und nicht vorhandene Charakterentwicklung könnte man ja noch verschmerzen, wenn wenigstens ein passabler Film dabei herauskommt. Doch selbst seine Inszenierung schafft Ayer gründlich in den Sand zu setzen: Während wir zu Beginn und noch mit authentischen Szenerien konfrontiert sehen, die den Schrecken des Kriegs angemessen einzufangen scheinen, weicht dieser Aspekt abermals unnötigen Story-Konstruktionen und direkt lachhaft wirkenden „Zufällen“. So wird eine von Nazis befreiten Stadt von lautlosen sowie unsichtbaren Bombern auf deutschem Boden (!) angegriffen, nur damit der Jüngling einen Schicksalsschlag erleiden darf und unsere Spaß-Truppe es schafft über die einzige Mine in ganz Deutschland zu fahren. Sämtliche deutschen Soldaten bringen es natürlich nicht ansatzweise, einen einzelnen Panzer auch nur ansatzweise zu treffen und wenn man bedenkt, wie lange selbige brauchen um von A nach B zu marschieren, sollte es tatsächlich niemanden wundern, warum die Deutschen den Zweiten Weltkrieg verloren haben. Hätte man mal lieber die Soldaten schneller laufen, anstatt singen gelassen. Zum letzten Gefecht ist es übrigens üblich, erstmal die Munition vor der Tür stehen zu lassen, dann hat man immerhin nochmal die Möglichkeit, an die frische Luft zu kommen. SPOILER: Den Vogel schießt jedoch natürlich Brad Pitt ab, der heroische Anführer des unserer fünf Gaudiburschen. Vom Anfang des Films mal abgesehen personifiziert selbiger den Inbegriff des amerikanischen Soldaten, welcher sich tapfer für Land und Kameraden aufopfert, dabei selbst nach Ableben keinen Kratzer beherbergt. Hätte die Welt doch nur mehr Brad Pitts… SPOILER-Ende

Visuell macht Fury schon mehr richtig: (Schon wieder) zu Beginn des Films hätte man das Kriegstreiben nicht besser in Szene setzen können. Die unnötig aufdringliche und vor allem nervige musikalische Untermalung fällt hingegen schon negativer auf. Liebes Hollywood, manchmal kann man auch einfach Bilder für sich sprechen lassen, anstatt mit Piano-Geklimper dem Zuschauer eine bestimmte Emotion direkt ins Gesicht zu drücken.

Abschließend lässt sich sagen, dass man vielleicht lieber ein siebtes Mal Der Soldat James Ryan angucken sollte, bevor man auch nur ansatzweise daran denkt, Geld für einen unnötigen Möchtegern-Antikriegsfilm auszugeben. Fury erhält von mir 3 von 10 nackten Brad Pitts, die auf einem strahlenden Panzer persönlich nach Berlin fahren, um den Krieg zu gewinnen.

Fury

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