Schosch schreibt über: St. Vincent – Mit Bill Murray

Die Geschichte des alten, merkwürdigen und auf den ersten Blick sehr unsympathischen Nachbarn, der durch ein Kind seinen wahren Charakter offenbart und jenem zeigt, wie man sich in der Welt behauptet, ist sicher nichts Neues im Kino. Ein bekannteres Beispiel  einer solchen Thematik ist wohl Clint Eastwoods „Gran Torino“. Auch wenn man vieles in St. Vincent erahnen kann, packt einen doch die mehr oder weniger originelle Art des Filmes.

In St. Vincent geht es um den Vietnam-Veteranen Vincent Canatella (Bill Murray), der ein ziemlicher Unsympath und Misanthrop ist. Er trinkt schon mittags, ist ein notorischer Spieler und hat ständig Geldprobleme. Trotzdem hat der zehnjährige Nachbarjunge Oliver Bronstein (Jaeden Lieberher) einen Narren an ihn gefressen. Und als Vincent mal für Oliver den Babysitter spielt, sieht er einen Ausweg aus seinen kleinen Geldproblemen. Daraufhin begleitet Oliver ihn auf seiner täglichen Routine, die aus Bar, Pferderennbahn und Pflegeheim besteht. Zwischen den Beiden entwickelt sich langsam eine innige Freundschaft.

Das einzige was ich von St. Vincent anfänglich wusste war, dass Bill Murray mitspielte. Und da ich ein alter Bill Murray-Fan bin, hab ich mir dann den Trailer dazu angesehen. Danach war ich nicht so überzeugt von St. Vincent, vor allem weil mir die Thematik nicht gefiel und Melissa McCarthy dabei war. Doch zufällig stieß ich dann auf diesen Ausschnitt aus dem Film, der mich dann doch etwas neugierig gemacht hat.

Die Figur von Vincent wird in üblicher Bill Murray-Manier gespielt, was jetzt kein Kritikpunkt sein soll, denn er verkörpert die Rolle genauso wie man es erwartet und man ist auch dann mit dem Endergebnis zufrieden. Die von Naomi Watts porträtierte schrille Prostituierte Daka, die trotz Schwangerschaft weiter zu Freiern geht und an der Stange tanzt, wird mit einem, für meinem Geschmack etwas leicht übertriebenen, russischen Akzent gespielt, was aber die solide schauspielerische Leistung nicht mindert. Der Nachbarjunge Oliver wird glaubhaft und passabel von Jungschauspieler Jaeden Lieberher verkörpert. Melissa McCarthy, die sonst immer in mehr oder weniger mittelmäßigen Komödien und Comedy-Serien anzutreffen ist, schafft es (ich war sehr verwundert darüber), ihre Figur gut und mit Herz rüberzubringen. Im Großen und Ganzen ein sehr stimmiger Hauptcast und auch die Nebendarsteller, unter anderem Chris O’Dowd (The IT Crowd) als katholischer Priester/Lehrer und Terrence Howard (Der Butler) als Geldeintreiber,  wurden gelungen dargestellt. Doch leider stehen sie alle im Schatten von Bill Murray, der jede einzelne Szene dominiert.

Doch gute schauspielerische Leistungen kaschieren nicht eine etwas langweilige und klassische Geschichte, die ab und an was Neues bietet, aber nicht das Rad neu erfindet und ständig unterhält. Auch das vorhersehbare letzte Drittel und das „Happy End“ haben mich nicht ganz gepackt, auch wenn ich davon schon ein oder zweimal feuchte Augen bekommen habe. Die Komik des Filmes besteht fast hauptsächlich daraus, dass Bill Murray sein Ding macht und der kleine Oliver mit einer Mischung aus Naivität und besserwisserischen Sprüchen seinen Kommentar dazu gibt.

Die Musik schwankt zwischen altem Hippie Psychedelic Rock, Folksongs und neumodisches Hipstergewaber. Fast jedes Lied untermalt die Gefühlslage der handelnden Figuren und dadurch wirken die Szenen eher plump und verleihen ihnen einen aufdringlichen Unterton. Die grandiose Bob Dylan-Szene ist natürlich davon nicht betroffen.

St. Vincent ist eine Komödie mit vielen dramatischen Szenen, die einem schon mal eine Träne abverlangt. Doch da die Geschichte eher klassisch gehalten ist und mit ca. 100 Minuten etwas zu lang ist, bekommt der Film (trotz Bill Murray) 6 von 10 Bourbon Flaschen.

 

PS: Für alle Edgar Wright Fans: Ich glaub die Richterin ist die Ladenbesitzerin mit dem Scharfschützengewehr aus Hot Fuzz, die nicht zielen kann.

 

Originaltitel: St. Vincent

Erscheinungsdatum: 8.1.2015

Regie: Theodore Melfi

Darsteller: Bill Murray, Mellisa McCarthy, Naomi Watts, Jaeden Lieberher

st vincent

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