Jon schreibt über: Planet der Affen: Revolution

Das wieder interessanter werdende Franchise von Planet der Affen hat nach Prevolution aus dem Jahr 2011 einen neuen Ableger namens Revolution in die Kinos geschickt. Und der Name ist Programm. Für Unwissende: Die erste Planet der Affen-Verfilmung aus dem Jahr 1968 beschreibt eine Expedition von einer Gruppe von Menschen zu einem Planeten, der von intelligenten Affen besiedelt ist. Am Ende stellt sich heraus, dass dieser Planet die Erde ist, welche Opfer einer Atom-Katastrophe geworden ist. Seit Planet der Affen: Prevolution wird dieser Fallout nun als Revolte der Affen interpretiert und Revolution bildet das Bindeglied in der als Trilogie angesetzten neuen Filmreihe.

Der Film setzt mit einem Bericht über die weltweite Verbreitung des Virus ein, der fast die gesamte Menschheit dahingerafft hat. Nur noch in vereinzelten Ecken der Erde sind Grüppchen des Homo Sapiens vorzutreffen, wobei die Affen eine quantitative Vormachtstellung innehaben. Das wird den Menschen klar, als sie in San Francisco auf diese treffen und es zu einem Konflikt kommt. Dieser schaukelt sich immer weiter hoch und der Anführer der Affen, Caesar (gespielt von Gollum-Darsteller Andy Serkis), besitzt auch nicht mehr die Autorität, die er einmal hatte. Es entwickeln sich Intrigen auf beiden Seiten und es gibt sowohl bei den Menschen als auch bei den Affen Pro- und Antagonisten.

Die Geschichte hat also einiges zu bieten und hat das Potential, in einen sehr guten Film eingebaut zu werden. Den allgemeinen Pressestimmten, wie zum Beispiel Filmstarts und kino.de, kann ich mich aber nicht anschließen, denn hier wurden Höchstwertungen vergeben.

An den Schauspielern ist schon einmal etwas auszusetzen, was man eigentlich so nicht erwartet hätte. Man kann diesen nämlich teilweise ganz und gar nicht abkaufen, dass sie verzweifelt in der Apokalypse feststecken. Am besten zu sehen bei Keri Russell, die zwar ein paar Tränen verdrückt und auch einige laufen lässt, aber nie Zweifel aufkommen lässt, dass es sich hier um unmotivierte Schauspielerei handelt. Gary Oldman kann man von diesen Anschuldigungen ausschließen, da er gewohnt überzeugend agiert und auch hier in die Rolle schlüpft wie in seine zweite Haut. Die Schauspielerei mit dem Deckmantel der CGI-Technik betrachte ich immer noch mit der Brille der Skepsis. Es ist zwar angekommen, dass es angeblich eine tolle Leistung ist, wenn Schauspieler eigentlich nicht vorhandenen Tieren oder Lebewesen Leben einhauchen, doch bleibt ungeklärt, inwiefern diese Leistung im Nachhinein verfälscht bzw. verbessert wurde. Aufgrund dieser Tatsache kann ich die tolle Darstellung der Affen Caesar, Koba und Konsorten nur zu einem Teil der Schauspieler zusprechen. Die ausgereifte Technik spielt hier natürlich eine sehr große Rolle. Dass das 3D wieder nicht richtig zur Geltung kommt, ist mittlerweile fast überflüssig zu erwähnen und man kann sich eigentlich nur noch über den daraus resultierenden hohen Preis ärgern.

Die Story an sich ist nicht geradlinig und Spannungen sind aufgrund der Holprigkeit der Erzählweise schwer erkennbar. Es ist recht und schön, dass die Affen erst die Sympathie des Zuschauers gewinnen muss, indem man diesen lange Filmsequenzen widmet und sie einzeln vorstellt, doch man darf nicht ignorieren, dass diese ungewohnte Überlängen aufweisen.

Die Action-Szenen sind solide gemacht, beschränken sich aber sehr auf einzelne Orte, die die Primat- und Privatsphäre von Affe und Mensch darstellen. Beide werden arg in Mitleidenschaft gezogen. Im Grunde aber nichts Außergewöhnliches und Neuartiges, was man sich von einer Revolution aber schon einmal erhoffen könnte. Auch die Freundschaft eines normalerweise vor sich hin bockenden Teenagers mit einem mutterähnlichen Orang-Utan mit pädagogischer Auslegung wirkt sehr aufgesetzt und herbeiheischend, aber in keinster Weise glaubhaft. Das macht die Feindschaft und Konkurrenz von Caesar und Koba schon besser und diese bildet auch den einzigen wirklich spannenden Handlungsstrang der Geschichte. Der schlaue, gutmütige, von James Franco erzogene Caesar – man hätte in der deutschen Synchronisation aber eine bessere Wahl treffen können als die Yoda-Stimme aus den Episoden I bis III – gegen den abgrundtief bösen, zerschundenen, seelentoten Koba.

Auch gut an dem Film ist, dass die Frage aufgeworfen wird, ob es zwei, mental und physisch, ähnlich ausgeprägte Gattungen schaffen können, in Koexistenz und vielleicht sogar in Symbiose zu leben. Dies lässt sich natürlich auch auf die reale, menscheninterne und die phänotypische Vielfältigkeit unserer Gesellschaft projizieren. Es werden hier diese Ansätze filmisch untersucht, über einen möglichen Ausgang wird diskutiert und einer wird vorgeschlagen. Die Affen bieten den Menschen beispielsweise Hilfe bei der Wiederherstellung der Stromversorgung der Stadt an. Es wird eine Geschichte erzählt, die interessant ist und mal andere Schwerpunkte setzt, indem sie beide Seiten der Medaille beleuchtet.

Im Großen und Ganzen ist Planet der Affen: Revolution also ein Film auf solidem Grundgerüst, der Potential verschenkt und nicht die grandiosen Bewertungen der vielen Kritiker verdient. Da meine Argumentation 4 Punkte verlangt und mein Bauchgefühl aber 6 sagt, werde ich 5 von 10 von den eigenen Reihen hintergangene Affen-Cäsars vergeben.

 

Originaltitel: Dawn of the Planet of the Apes

Kinostart Deutschland: 07.08.2014

Regie: Matt Reeves

Darsteller: Andy Serkis, Jason Clarke, Gary Oldman, Kodi Smit-McPhee, Toby Kebbel, Keri Russell

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