Vali schreibt über: Snowpiercer – Chris Evans Wintersoldat

Meine Skepsis hätte nicht größer sein können, als ich das erste Mal von Snowpiercer gehört habe. Zu sehr schmerzten die Erinnerungen an Neill Blomkamps pseudopolitischen und -philosophischen Elysium, welcher mich maßlos enttäuschte. Die Parallelen beider Filme sind unschwer zu erkennen, dementsprechend hatte ich keine Erwartungen an Snowpiercer.

Die Menschheit steht (mal wieder) am Rande der Auslöschung ihrer Existenz. Um der einhergehenden Klimaerwärmung entgegenzuwirken, wurde ein Kühlstoff freigesetzt. Doch genau dieser Kühlstoff war nun verantwortlich, dass die Erde komplett mit Eis überzogen wurde, sodass kein Leben an der Oberfläche mehr möglich ist. Die wenigen Überlebenden fristen ihr Dasein in einem Zug, welcher die komplette Welt umfährt. In genau diesem Zug hat sich eine Klassensystem gebildet, in dem die Insassen der vorderen Teile, die der hinteren unterdrücken. Es kommt, wie es immer kommt und die Unterdrückten begehren gegen ihre Unterdrücker unter der Führung von Curtis (Chris Evans) auf.

So banal die Story auch klingt, bei Snowpiercer ist der Zuschauer vor keinem Twist sicher. Die größte Stärke des Films stellt der koreanische Regisseur Bong Joon-Ho (von dem ich noch keine Filme gesehen habe) dar, da dieser sämtliche Hollywoodkonventionen konsequent ignoriert. Zwar wirken Chris Evans und Jamie Bell wie der typische Held und sein nerviger Sidekick, (Jamie Bell nervt tatsächlich) doch bricht Joon-Ho mit sämtlichen standartisierten Erwartungen. Jeder Charakter scheint seine eigene Geschichte zu erzählen, wobei besonders sämtliche Antagonisten eine besondere Faszination auf den Zuschauer ausüben. Snowpiercer schafft den schmalen Grat zwischen überdrehten Trash und stilisierter Ernsthaftigkeit zu gehen und erzeugt damit eine Atmosphäre, die besonders an Videospieltitel wie Bioshock oder Fallout erinnert. Manche Personen und/oder Szenen sind an Absurdität kaum zu überbieten, welche aber im gleichen Atemzug dermaßen authentisch inszeniert werden, dass man das Geschehene gar nicht hinter fragen will. Und selbst wenn, mir sind keine Logiklücken aufgefallen. Auch der von vornherein eher skurril wirkende Zug als Handlungsort scheint komplett durchdacht und stellt ein komplett eigenständiges Ökosystem dar. Von der postapokalyptischen Umgebung sehen wir zwar wenig, aber trotzdem gerade genug, um unsere Neugierde zu stillen. Vor allem die Detailverliebtheit in dieser Hinsicht, ist einfach beeindruckend.

Doch ganz ohne Kritik kommt mir Snowpiercer nicht weg. Wie bereits erwähnt besticht der Film durch seine markanten Charaktere, hat aber ebenfalls einige Personen in petto, deren Anwesenheit ich nicht nachvollziehen kann. Eben diese Charaktere (ich sag nur: die Schwarze & der Rothaarige) stellen komplette Stereotypen dar. Wie der Film mit diesen Personen am Schluss umgeht, macht diese Tatsache immerhin wieder wett. Zusätzlich enttäuschend fällt das teilweise ganz schön grottige CGI aus (zum Glück kommt davon nicht allzu viel vor). Das Ende des Films wäre übrigens auch ohne den letzten Storytwist ganz gut weggekommen, aber das ist hier Jammern auf hohem Niveau.

Snowpiercer bekommt von mir 7 von 10 Neujahrs-Eier, da sich meiner Meinung nach dessen Wiedersehwert stark in Grenzen hält. Übrigens empfehle ich niemandem, den Trailer zu sehen, da dieser teilweise spoilert (& gar nicht mal so gut ist).

Snowpiercer

Originaltitel: Snowpiercer

Kinostart Deutschland: 03.04.2014

Regie: Bong Joon-Ho

Darsteller: Chris Evans, Song Kang-ho, Tilda Swinton, Jamie Bell

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2 Gedanken zu „Vali schreibt über: Snowpiercer – Chris Evans Wintersoldat

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