Jon schreibt über: The Wolf of Wall Street

Aufgrund meiner Vorliebe für frühere Filme von Regisseur Martin Scorsese, hatte ich große Erwartungen an seinen neuen Streifen The Wolf of Wall Street. Und da auch Leonardo DiCaprio (bereits seine fünfte Zusammenarbeit mit Scorsese) wieder mit an Bord ist, steht einem Filmabend mit einem großartigen und über drei Stunden durchgehend bestens unterhaltenden Film nichts mehr im Weg!

Der Film handelt von dem Börsenmakler Jordan Belfort (Leonardo DiCaprio), der in New York an der Wall Street seinen großen Durchbruch schaffen will, um als Mann ohne finanzielle Grenzen leben zu können. Nachdem er am Black Monday einen herben Rückschlag verkraften muss, bewirbt er sich bei einem Kleinstadt-Unternehmen und macht dank hoher Provisionen innerhalb kurzer Zeit viel Geld. Doch da dieser Markt auf das Vermögen ärmerer Leute abzielt, gründet er mit einer Handvoll Leute um Donnie Azoff (Jonah Hill) das Börsenunternehmen „Stratton Oakmont“. Dies, die Scheidung von seiner Frau (gespielt von Cristin Milioti – die Mother aus HIMYM) und dem damit verbundenen neuen Umfeld führt dazu, dass Belfort unermesslichen Erfolg hat, Millionen verdient und dem Wahnsinn dieses damit verbundenen Drogen- und Sexrausches ausgesetzt ist. Da er bei seinen Geschäften auch nicht immer ganz legal agiert, werden Behörden auf ihn aufmerksam und Belfort befindet sich in einem sich stetig abwärts drehenden Wirbel aus unkontrollierbaren Ausschweifungen, die ihm die Grenzen seines Höhenflugs aufzeigen.

Der Film beginnt mit einem einführenden, inneren Monolog von DiCaprio und erinnert damit stark an den Anfang von Departed – der Film, mit einer der besten Eingangsszenen überhaupt. Doch nicht nur zu Beginn spielt Scorsese mit dem Publikum und benutzt verschiedene Perspektivbetrachtungen, um dem Zuschauer näher zu sein und alles etwas realistischer und damit auch wahnsinniger wirken zu lassen. Ein paar Szenen fallen sogar mit direkter Anrede in die Kamera auf, wie es Kevin Spacey in der Serie House of Cards regelmäßig zu tun pflegt. Dies ist genial gemacht und dank DiCaprio, dem die Rolle des überdrehten, geldgierigen und auch wahnsinnigen Börsenhais perfekt auf den Leib geschrieben wurde, auch wunderbar gelungen. Auch der Rest der Schauspielercrew macht eine hervorragende Figur und Scorsese ist es wieder einmal gelungen, jede Rolle nahezu perfekt zu besetzen. Angefangen mit Jonah Hill (wahrscheinlich den meisten aus Komödien wie Superbad und Beim ersten Mal bekannt), der ein derart intensives Bild eines drogensüchtigen, verrückten, an zu viel Geld gekommenen aber auch treuen Vorstadt-Bubis abgibt, dass es eigentlich schon überrascht, dass man ihn in derart herausfordernden Rollen bisher eher selten zu Gesicht bekam. Auch der relativ kurze Auftritt von Matthew McConaughey (die Rolle in Dallas Buyers Club, für die er einige Kilos abnahm, ist ihm noch anzusehen) bleibt in Erinnerung, da dieser in der Rolle des exzentrischen Lehrmeisters von Jordan Belfort wieder einmal beweist, wie talentiert er eigentlich ist und Filme wie Der Womanizer gar nicht nötig gehabt hätte. Margot Robbie, die Belforts zweite Frau spielt, fällt vor allem wegen ihrer Schönheit auf, Joanna Lumley (Das Bondgirl aus Im Geheimdienst Ihrer Majestät) spielt deren Tante, die sich trotz der Ausschweifungen Belforts nicht im Geringsten erschüttert zeigt, und auch Jon Bernthal (bekannt aus The Walking Dead und Mob City) mimt den kantigen Kumpel sehr überzeugend. Diese – allen voran natürlich Leonardo DiCaprio – und noch einige mehr geben ein überwältigendes Ensemble ab, das wirklich bis in die kleinste Nebenrolle überzeugen kann.

Dass The Wolf of Wall Street nicht nur von seinen Schauspielern, sondern auch von seiner aufregenden Story, der Atmosphäre, des extrem stimmigen Soundtracks („Goldfinger“ interpretiert von Sharon Jones And The Dap Kings, „Road Runner“ von Bo Diddley, um nur zwei zu nennen) und der Varietät der Aufnahmen getragen wird, ist ein weiteres Indiz dafür, dass dieser Film im Gesamtpaket stimmt. Auch die augenscheinliche Tatsache, dass Scorsese sich von diversen anderen Werken inspirieren ließ, ist nicht negativ aufzufassen, denn es passt einfach perfekt ins Konzept. So erinnert – neben den oben genannten Parallelen zu früheren Filmen – die nüchterne Aufzählung seiner täglichen Dosis an Pillen beispielsweise sehr an die rituellen Drogenräusche, die sich Patrick Bateman in American Psycho einverleibt, um der Welt um sich überhaupt noch standhalten zu können. Die Wall Street ist auch hier wie so oft ein unmenschliches Pflaster, das anscheinend nur mit Drogen und Sex zu bewältigen ist. Die Auswirkungen dieser unfassbar überschwänglichen Dekadenz zeigt eine Szene besonders deutlich. Diese hat wirklich Potential zu einem Klassiker und zeigt einen ohnmächtigen und fast tödlich endenden Trip von Belfort und Azoff. Sie sabbern und brabbeln und krabbeln durchs Bild, dass es einerseits natürlich auch einen komischen Charakter hat, aber andererseits alles dermaßen überzeugend rüberkommt, dass man richtig mitfühlen kann, welche Ausmaße ein solcher Missbrauch haben kann. Auch die ausschweifenden Sex-Szenen und der ungemein vulgäre Wortschatz, der von so ziemlich jeder Figur bis in die letzten Kombinationen und Variationen aus „shit“ und „fuck“ ausgereizt wird, sind natürlich künstlerische Wege über deren Notwendigkeit sich streiten lässt. Doch genau dieser Stil prägt diesen Film und lässt den Zuschauer auf den Zug mitaufspringen, der einen durch diesen Trip fährt. Und ob der Streifen nun in seinem moralischen Wert vertretbar ist oder ob er teilweise eine Verherrlichung des Reichtums, der Art wie man zu diesem gelangt und des Drogenkonsums darstellt, sei hier einmal dahingestellt.

The Wolf of Wall Street beweist, wie leider zu selten in der heutigen Zeit, dass man Filmkunst und Satire auf ein sehr hohes Level bringen kann. Ich sehe Scorsese als einen Meister darin und vor allem in der Kombination mit DiCaprio wird deutlich, dass man ein hohes Budget durchaus in ein Meisterwerk verwandeln kann. Der Verzicht auf explizite Gewalt ist zwar für einen Film dieser Art ungewöhnlich, fällt aber in keinster Weise ins Gewicht. Für mich einer der besten Filme der letzten Jahre und deswegen auch die völlig verdienten 8,5 von 10 Penny-Stocks, die es wert sind, für eine Kinokarte verkauft zu werden.

Originaltitel: The Wolf of Wall Street

Kinostart Deutschland: 16.01.2014

Regie: Martin Scorsese

Darsteller: Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Matthew McConaughey, Jon Bernthal, Kyle Chandler, Margot Robbie, Rob Reiner, Joanna Lumley

wolf

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2 Gedanken zu „Jon schreibt über: The Wolf of Wall Street

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