Schosch schreibt über: Der Hobbit – Smaugs Einöde – Öde?

Der zweite Teil der Hobbitverfilmung ist ein gewaltiges Actionkino, das sich mit großen Hobbitschritten und rasantem Tempo durch ein wunderschönes Mittelerde bewegt. Doch brauch man das überhaupt?

Die Handlung ist schnell erklärt. Der Film setzt da ein, wo der erste aufgehört hat. Die Gruppe um Bilbo (Martin Freeman) muss immer noch zum Erebor, um die alte Heimat der Zwerge von dem Drachen Smaug zu befreien. Vor ihnen liegt noch der Düsterwald und ein großer See. Dabei dürfen natürlich die Orks, die ihnen auf den Fersen sind, nicht vergessen werden. Große Strapazen und Gefahren hat die kleine Gruppe noch vor sich. Probleme und Hürden müssen überwunden werden und noch vieles mehr. Und wer jetzt wissen will, was ich so zum zweiten Peter Jackson Hobbit-Film schreib, soll weiter lesen und meine Sicht erfahren. Wenn man nach ca. zweieinhalb Stunden die Interpretation Peter Jacksons des „Kleinen Hobbits“ gesehen hat, muss man wohl erst mal verarbeiten, was man da denn überhaupt gerade angeschaut hat . Denn das Mittelerdegefühl hat einen wieder gepackt. Man ist an einem fantastischem Ort voller wundersamer Kreaturen und atemberaubender Szenerie, die genauso schön ist wie damals bei den Herr der Ringe-Filmen.

Doch die grandiose Bildästhetik trägt einen bitteren Beigeschmack , die sich leider nicht nur auf das Äußere beschränkt. Nennen wir doch einfach mal das Offensichtlichste, und zwar das HFR und das wiedermal ziemlich sinnlose 3D ( das braucht man zur Tiefenschärfung!!). Das braucht kein Film! Beim HFR sieht man einfach was Kulisse ist und was CGI generiert wurde. Aber da meckere ich gerade auf hohem Niveau, man kann sich den Film ja auch ohne diesen Firlefanz anschauen. Und deswegen sollte es nicht gegen den Film gewertet werden.

Aber was einfach eines der größten Probleme, mit denen Der Hobbit – Smaugs Einöde zu kämpfen hat, ist der Film selbst. Die wichtigsten Aspekte eines epischen Fantasyfilms sind, eine interessante und spannend erzählte Story und Charaktere, mit denen man mitfühlt und einem nicht völlig egal sind. Und das hat einfach Der Hobbit – Smaugs Einöde nicht zu bieten. Peter Jackson hätte sich nach der Buchvorlage halten sollen und nicht versuchen sollen seinen eigenen Mittelerde-Senf dazu zu geben. Eine erzwungene und ziemlich sinnfreie Liebesgeschichte ist ja noch nicht mal das lächerlichste, was den Drehbuchautoren eingefallen ist um den Film noch mehr künstlich in die Länge zieht . Ich nenne mal nur die Fassszene, denn die war nur ein pompöses Actiongeschnetzel und lediglich bloß Wassertreten. Die ganze Sequenz ist viel zu lang und unnötig. Lieblingselb Legolas ,befreit von jeglicher Physik, tänzelt von einer Surfszene in die nächste und killet dabei auf typischer Badass-Manier zahllose Horden an Orks. Eigentlich ist ja jegliche Actionszene, die von den Autoren erfunden wurde, nur eine dezente Art um den Abspann zu verzögern, so zusagen Abspannverzögerung. Meistens ist die Action deplatziert und UNGLAUBLICH SPANNEND gehalten.

Auch noch so eine Sache, die dem Film nicht gut tut, ist die Tatsache, dass ca. 80 Prozent der Zwerge nur Hintergrunddeko sind, wenn Bilbo, Thorin oder Balin, meinetwegen auch noch Kili, einen ihrer sehr rar gesäten „Momente“ haben. Ich glaub sogar, dass einer der Zwerge ( keine Ahnung wer) nur einen Satz sagt, und zwar im ganzen Film .Sind die Zwerge nicht die Hauptakteure im Film? Wenn ja, dann hab ich was nicht mitbekommen. Der Film glänzt mit blassen und völlig uninteressanten Charakteren, jede neue Figur ist einem egaler als die nächste. Und ja sogar Martin Freemann hat als Bilbo eine wirklich miese Leistung abgegeben. In den wenigen Szenen, wo er mal zeigen kann, was er so drauf hat, gibt sich Martin Freeman als wäre irgendwie fehl am Platz und ziemlich unbeholfen. Auch seine Charakterentwicklung zum harten Abenteurer merkt man einfach nicht, und das ist echt schade. Und dann gibt es noch diesen super Epilepsie-Effekt aus der Hölle, der mehr an ein billiges Power Ranger Feuerwerk erinnert als an einem, der dem Hobbit gerecht werden würde . Ja, das CGI und die Effekte sind so ein zweischneidiges Schwert bei Der Hobbit – Smaugs Einöde, manchmal der geilste Shit, den man gesehen hat und dann wieder der größte Scheiß den man auf der Straße findet. Wieso?

So gut wie ich den Film auch haben wollte, haben mir leider nur zwei Szenen gefallen. Zum einen die Spinnenszene im Düsterwald, die mal echte Spannung mit sich bringt und wirklich gut inszeniert ist. Und zum anderen die Konversation zwischen Bilbo und Smaug, die wie ich meine fast mit der Gollumszene im ersten Hobbit mithalten kann. Interessant und gut geschrieben, ein perfekt dargestellter Drache und nicht nur wegen dem großartigen CGI sondern auch aufgrund der gesamten Inszenierung. Doch leider werden dann die grandiosesten Momenten im ganzen Film von unnötigen und total abstrusen Actioneinlagen beendet.

Zu meiner am Anfang gestellten Frage, ob der Film so viel Action und Geschwindigkeit braucht: Dazu ein klares NEIN! In einem Film wie der Hobbit sollte Action die dritte, vierte oder eher fünfte Geige spielen und nicht ein zweieinhalb stündiges Solo abliefern. Mittelerde lebt von seiner faszinierenden Welt und wenn man da einfach durchhetzt, bleibt das beste auf halber Strecke zurück. Deswegen erhält Der Hobbit Smaugs Einöde von mir 4 von 10 zurückgelassenen Hobbits in Esgaroth. Spüre den Hass! Nein, das hat er jetzt nicht geschrieben.

 

Originaltitel: The Hobbit: The Desolation of Smaug

Erscheinungsjahr: 2013

Regie: Peter Jackson

Darsteller:Martin Freeman, Ian McKellen, Richard Armitage, Aidan Turner, Benedict Cumberbatch (Stimme)

 

bilbo

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